English Intern

    Abwasser mit Nanomagneten reinigen

    30.07.2014

    Für seine Doktorarbeit bekommt der Würzburger Materialforscher Karl Mandel (28) den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Studienpreis. In der Arbeit geht es um Wasserreinigung und Rohstoffrecycling mit nanomagnetischen Helfern.

    Karl Mandel, Wissenschaftler am Fraunhofer Institut für Silicatforschung in Würzburg, wurde mit dem Deutschen Studienpreis 2014 ausgezeichnet. (Foto: Katrin Selsam-Geißler / Fraunhofer ISC)
    Karl Mandel, Wissenschaftler am Fraunhofer Institut für Silicatforschung in Würzburg, wurde mit dem Deutschen Studienpreis 2014 ausgezeichnet. (Foto: Katrin Selsam-Geißler / Fraunhofer ISC)

    Düngemittel, Schwermetalle und andere Stoffe verschmutzen weltweit Wasser. Aber mit „nanomagnetischen Greifern“ ist es möglich, diese Stoffe aus dem Wasser zu holen. So werden sie für Industrie oder Landwirtschaft wieder nutzbar gemacht; gleichzeitig wird das Wasser gereinigt.

    Solche Greifer hat der 28-jährige Würzburger Materialforscher Karl Mandel in seiner Doktorarbeit entwickelt. Es handelt sich um winzige Spezialpartikel, die sich in Abwasser ganz fein verteilen und darin enthaltene Stoffe wie Phosphat oder Arsen selektiv chemisch binden.

    Der Clou daran: Die Nanopartikel lassen sich mit einem Magneten ganz einfach aus dem Abwasser herausziehen. Der an sie gebundene Stoff wird dann abgewaschen, gesammelt und zum Beispiel für industrielle Prozesse wiederverwertet. Auch die Partikel selbst sind wiederverwendbar.

    Nanoteilchen werden zu schaltbaren Magneten

    Bei der Entwicklung dieser Nano-Greifer bestand eine Herausforderung darin, die Spezialpartikel richtig aufzubauen. Um nämlich in Abwasser Stoffe binden zu können, müssen sich die Partikel sehr fein verteilen. Sie dürfen darum zunächst nicht magnetisch sein – sonst würden sie sich gegenseitig anziehen und verklumpen.

    Karl Mandel setzte also auf Nanopartikel, deren magnetische Ausrichtung schaltbar ist: Sie rotiert zunächst willkürlich in alle Richtungen – aber nur solange, bis ein großer Magnet in ihre Nähe gebracht wird. Dann richtet sich die Magnetisierung der Partikel aus, so dass der Magnet sie anzieht. Entfernt man den Magneten, verlieren die Partikel ihre magnetische Eigenschaft wieder.

    Kläranlagen könnten zu Rohstoffquellen werden

    „Mit diesem Verfahren könnten Kläranlagen zu Rohstofflagerstätten der Zukunft werden, während gleichzeitig das Wasser gereinigt wird“, heißt es in einer Pressemitteilung des Würzburger Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC). Dort hat Karl Mandel die praktischen Arbeiten für seine Dissertation durchgeführt, dort leitet er jetzt den Bereich „Partikeltechnologie und Grenzflächen“.

    Bei seiner Promotion an der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Universität Würzburg wurde der junge Wissenschaftler von Professor Gerhard Sextl betreut. Sextl ist Inhaber des Lehrstuhls für Chemische Technologie der Materialsynthese und Leiter des Fraunhofer ISC.

    Auszeichnung mit Deutschem Studienpreis

    Für die wissenschaftliche Qualität und die hohe gesellschaftliche Relevanz seiner Doktorarbeit bekam Karl Mandel einen der Deutschen Studienpreise zugesprochen, die die Körber-Stiftung (Hamburg) vergibt: Der Würzburger erhält den mit 25.000 Euro dotierten ersten Preis in der Sektion Natur- und Technikwissenschaften. Die Verleihung findet am 2. Dezember in Berlin statt.

    Als Promotionsstudent wurde Mandel vom Fonds der Chemischen Industrie mit einem Kekulé-Stipendium gefördert. Seine Doktorarbeit war zudem teilweise ins Projekt „BioSupaWert“ eingebunden, unterstützt von der Baden-Württemberg-Stiftung. In diesem Umfeld war Mandel mit dem Projektteam schon im Herbst 2013 mit dem „Zukunftspreis Re-Water Braunschweig“ ausgezeichnet worden.

    Die Arbeit mit magnetischen Nanopartikeln am Würzburger Fraunhofer-Institut ist für Mandel damit keineswegs beendet: Ein ebenfalls von der Baden-Württemberg-Stiftung finanziertes Folgeprojekt zum Thema Phosphat-Rückgewinnung hat jüngst begonnen. Mandel will sich künftig auch noch stärker in der wissenschaftlichen Lehre engagieren.

    Studiengang Funktionswerkstoffe: Universität und Fraunhofer ISC kooperieren

    Mandels Erfolg ist für Professor Gerhard Sextl ein Beweis für die gelungene Verzahnung des Fraunhofer ISC mit der Universität Würzburg: „Die Arbeit zeigt, welch hohe Anwendungsorientierung für den wissenschaftlichen Nachwuchs durch die Zusammenarbeit von Institut und Universität erreicht wird.“ Bei der Ausbildung der Studierenden im Studiengang Funktionswerkstoffe arbeiten Universität und Fraunhofer ISC eng zusammen – Sextl sieht darin ein Modell für weitere interdisziplinäre Studiengänge.

    Der Start in den Bachelor-Studiengang „Funktionswerkstoffe“ ist jeweils zum Wintersemester möglich. Zulassungsbeschränkungen gibt es nicht; Interessierte können sich über die Homepage der Universität Würzburg (www.uni-wuerzburg.de) ab sofort online dafür einschreiben. Möglich ist das bis zum Semesterstart am 6. Oktober.

    Zwei Weblinks

    Mehr Informationen zum Studiengang „Funktionswerkstoffe“

    Zur Homepage des Bereichs „Partikeltechnologie und Grenzflächen“ am Fraunhofer ISC

    Infos über den Deutschen Studienpreis

    Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung (Hamburg) jedes Jahr die besten Nachwuchswissenschaftler aller Fachrichtungen aus. Der Preis gehört zu den am höchsten dotierten Auszeichnungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Bundesrepublik. Er kommt für herausragende Promovierte aus allen Disziplinen in Frage. Neben der fachwissenschaftlichen Exzellenz zählt vor allem die gesellschaftliche Bedeutung der Forschungsbeiträge. Die Bewerber müssen auch kommunikative Qualitäten vorweisen können.

    Von Robert Emmerich / Pressemitteilung Fraunhofer ISC

    Zurück

    Kontakt

    Universität Würzburg
    Sanderring 2
    97070 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-0
    Fax: +49 931 31-82600

    Suche Ansprechpartner

    Sanderring Röntgenring Hubland Nord Hubland Süd Campus Medizin