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    20.000 Flüchtlinge schneller in Arbeit vermitteln

    01.06.2016

    Die Initiative integrAi.de – entstanden an der Universität Würzburg – gründet ein soziales Unternehmen. Das Ziel: 20.000 Flüchtlingen in Deutschland schneller eine Arbeit vermitteln.

    Student und IntegrAi.de-Mitbegründer Sascha Riemann erklärt die Ideen des Projektteams am Rande einer Pressekonferenz den Medien. (Foto: Uni Würzburg/Fehr)
    Student und IntegrAi.de-Mitbegründer Joscha Riemann erklärt die Ideen des Projektteams am Rande einer Pressekonferenz den Medien. (Foto: Uni Würzburg/Fehr)

    IntegrAi.de, die Initiative von zwei Professoren und aktuell etwa 30 Absolventen und Studierenden der Wirtschaftswissenschaften, hat sich bis 2018 ehrgeizige Ziele gesteckt: Mindestens 1.000 speziell ausgebildete Job-Coaches sollen dazu beitragen, dass 20.000 Flüchtlinge schnell eine Arbeit finden ­– ein Beitrag zur Lösung einer gesellschaftlichen Herausforderung. Die öffentliche Hand soll dadurch mindestens 100 Millionen Euro sparen.

    Der Startschuss ist bereits gefallen: „Das Konzept steht, die richtigen Partner sind an Bord; die Umsetzung hat mit dem  Pilotprojekt in der Stadt Alzenau begonnen“, sagt Joscha Riemann von IntegrAi.de.

    "Die Gründung eines sozialen Unternehmens mit der Aufgabe, bei uns lebenden Flüchtlingen eine Arbeit zu vermitteln, ist in der Vorbereitung", sagt Riemann. Die neue Organisation soll für die professionelle, schnelle und nachhaltige Umsetzung des Konzeptes sorgen.

    Zeit ist reif für neue Wege

    Durch das große Engagement von Ehrenamtlichen, Kommunen und Behörden konnten in den letzten Monaten die ersten Herausforderungen in der Flüchtlingsfrage gemeistert werden. Nun geht es um die gesellschaftliche Integration der Flüchtlinge. Eine besondere Rolle spielt dabei die zügige Integration in den Arbeitsmarkt: Die Jobcenter erwarten im Jahr 2016 rund 500.000 Flüchtlinge; gleichzeitig gibt es viele passende offene Stellen.

    Trotz vieler offener Stellen und einer großen Bereitschaft, Flüchtlinge zu beschäftigen, schätzt das Team von IntegrAi.de die Vermittlung in den Arbeitsmarkt als außerordentlich schwierig ein: Kleine und mittelständische Betriebe würden durch die bürokratischen Hürden abgeschreckt und wüssten oft nicht, wie sie geeignete Kandidaten finden sollen. Flüchtlinge dagegen kennen den deutschen Arbeitsmarkt nicht, stehen vor sprachlichen und prozessualen Hürden; so fehlen ihnen beispielsweise häufig notwendige Dokumente.

    Wer bringt beide Seiten zusammen?

    „Die Jobcenter haben ­– trotz ihres hohen Engagements und großer Motivation der Mitarbeiter ­– nicht die Kapazitäten, um diese Aufgabe umfassend bewältigen zu können: Sie haben im Schnitt 15 Minuten pro 'Kunde' und Woche Zeit und sind bereits mit der komplexen Leistungsgewährung nach „Hartz IV“ sehr beschäftigt“, sagt Riemann. Das Resultat: Ein sehr langwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang. IntegrAi.de hat mit seinem Job-Coach-Konzept eine Alternative und Ergänzung entwickelt.

    Die Job-Coaches von IntegrAi.de

    „Job-Coaches sind Ehrenamtliche, die einer anspruchsvollen Aufgabe nachgehen“, erläutert Bianca Heim von IntegrAi.de: Sie planen die Arbeitssuche und -vermittlung von Flüchtlingen, koordinieren diese mit Behörden, schulen Flüchtlinge, helfen ihnen beim Zusammenstellen der richtigen Unterlagen und Dokumente, unterstützen Unternehmen bei der Suche nach und Einstellung von Flüchtlingen und bei der Gewinnung von Fördermitteln.

    IntegrAi.de rekrutiert, schult, betreut und vernetzt die Job-Coaches. Ein Multiplikator-Konzept soll gewährleisten, dass eine schnell wachsende Zahl von Coaches gewonnen und ausgebildet werden kann. In den vergangenen Monaten hat das Team von IntegrAi.de gemeinsam mit Partnern den Bedarf erhoben, mit professioneller Hilfe das Schulungskonzept für die Job-Coaches erstellt und Werkzeuge entwickelt, welche die Arbeit der Job-Coaches erleichtern sollen.

    Pilotgemeinde Alzenau und weitere Partner

     Eine Schlüsselrolle bei der Konzeptentwicklung und -erprobung spielt die Stadt Alzenau, mit der das Team von IntegrAi.de seit Mitte 2015 kooperiert. Dort werden in einem Pilotprojekt ab Anfang Juni die ersten Job-Coaches ausgebildet.

    „Wir sind begeistert vom großen Engagement und der professionellen Herangehensweise des jungen Teams von IntegrAi.de. Ich bin überzeugt, dass das Job-Coach-Konzept einen wichtigen Beitrag zur Integration der bei uns lebenden Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt leisten wird“, sagt Alzenaus Bürgermeister, Dr. Alexander Legler. Er stand dem IntegrAi.de-Team von Beginn an zur Seite. Umfangreiche Unterstützung kommt auch von der Arbeitsagentur, der IHK Würzburg-Schweinfurt, der Handwerkskammer Heilbronn und von Profis aus dem Bereich Coaching und Personalentwicklung.

    Soziales Unternehmen ist in Gründung

    „In kurzer Zeit 1.000 Job-Coaches ausbilden, die 20.000 Flüchtlinge in Arbeit bringen – das geht nur mit professionellen Strukturen und hauptamtlichen Mitarbeitern. Ein Verein, der allein durch ehrenamtliches Engagement getragen wird, kann das nicht bewältigen“, sagt Richard Pibernik, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Würzburg und Mitgründer von IntegrAi.de.

    Daher geht die Verantwortung vom gemeinnützigen Verein, der das Projekt bislang trägt, in ein soziales Unternehmen über, das sich aktuell in Gründung befindet. Es wird sich ausschließlich der Umsetzung des Job-Coach-Konzeptes widmen und dieses langfristig tragfähig machen. Ab dem dritten Jahr soll sich das soziale Unternehmen dann selbst tragen und eventuell anfallende Überschüsse in gemeinnützige Projekte investieren.

    „Für die Gründungs- und Aufbauphase benötigen wir ein Startkapital von 250.000 Euro – das ist ein überschaubarer Betrag angesichts des Mehrwerts, den IntegrAi.de verspricht“, sagt Riemann. In den kommenden Wochen will das Team von IntegrAi.de hierzu potenzielle öffentliche und private Förderer ansprechen.

    Kontakt

    Joscha Riemann, Flüchtlingsinitiative: integrai.de e.V., T (+49) 176-61917846, info@integrAi.de

    Zur Website von Integrai.de: www.integrai.de

    Von Marco Bosch

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