piwik-script

Intern

     

    Ansprache des Präsidenten

    Den doppelten Abiturjahrgang von 2011 in Bayern hat die Universität gut bewältigt. Doch die Studierendenzahlen werden weiter steigen, was zusätzliche Anstrengungen erforderlich macht, wie Universitätspräsident Alfred Forchel in seiner Rede beim Stiftungsfest sagte. Der Präsident ging außerdem auf Forschungserfolge, Drittmitteleinwerbung und die wichtige Rolle der Studienbeiträge ein.

    Das Redemanuskript von Universitätspräsident Alfred Forchel zum Stiftungsfest ist hier auszugsweise dokumentiert:

    „… Das zurückliegende Jahr hat die Universität vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Bevor ich einige davon kurz ansprechen will, möchte ich allerdings um einen Moment des Innehaltens zum Gedenken an die im letzten Jahr verstorbenen Angehörigen unserer Alma Julia bitten. Wir haben liebe Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Förderer verloren und wollen uns in dieser Feierstunde gemeinsam an Sie erinnern. Dazu bitte ich Sie, meine Damen und Herren, sich in ihrem Gedenken zu erheben:

    • Prof. Hans-Werner Altmann
    • Prof. Wilhelm Börner
    • Prof. Detlef Busche
    • Prof. Franz-Christian Czygan
    • Prof. Erwin Eder
    • Herman Firsching
    • Dr. Werner Giesebrecht
    • Anneliese Haut
    • Prof. Otto Heller
    • Alfred Ifftner
    • Helmut Johnsen
    • Vera Kraus
    • Franz Märtirer
    • Frank Möller
    • Prof. Rainer Paulus
    • Prof. Horst Pfrang
    • Dr. Heinz Pritzl
    • Dorothea Reichelt-Ahlert
    • Dr. Norbert Wilken.

    Ich bitte um eine Schweigeminute im Gedenken an die von uns Gegangenen. …

    Doppelten Abiturjahrgang bewältigt

    Bei den Herausforderungen des letzten Jahres ist an erster Stelle der Doppelte Abiturjahrgang zu nennen, in dem wir insgesamt 8577 Anfänger aufgenommen haben, mehr als 1700 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2010, und in dem wir die Zahl von 24.000 Studierenden deutlich überschritten haben.

    Ich danke allen Lehrenden, Studierenden und der Verwaltung der Universität ebenso wie der Staatsregierung für die gründliche Vorbereitung und das flexible Reagieren, durch das wir diese Herausforderung gemeinsam bewältigen konnten. Eine wichtige Rolle hat hierbei das Ausbauprogramm der Staatsregierung gespielt, durch das wir über 200 neue Stellen an die Universität bekommen haben, sowie die Erweiterungen im Baubereich, ich nenne nur das neue Zentrale Hörsaalgebäude und die Eröffnung des neuen Campus Nord auf dem Gelände der ehemaligen Leighton Barracks.

    Weiter steigende Studierendenzahlen

    Allerdings, die Herausforderung ist noch nicht zu Ende: Durch Nachwirkungen des doppelten Abiturjahrgangs in Bayern, den doppelten Jahrgang in Baden-Württemberg, die Aussetzung der Wehrpflicht und die demographische Entwicklung erwarten die Julius-Maximilians- Universität ebenso wie die anderen bayerischen Universitäten auch in den kommenden Jahren weiter steigende Studierendenzahlen.

    Der Freistaat hat hierfür weitere Stellen in Aussicht gestellt, und wir werden durch den Ausbau von Flächen im Bereich Hubland Nord zusätzliche räumliche Möglichkeiten für die Betreuung der Studierenden schaffen.

    Bedeutung der Studienbeiträge

    An dieser Stelle ist es mir wichtig, die Bedeutung des Finanzierungsbeitrags aus Studienbeiträgen für die Realisierung guter Studienbedingungen zu betonen. Die Universität hat im Studienjahr 2011 Studienbeiträge in Höhe von insgesamt 13,2 Millionen Euro erhalten, aus denen beispielsweise mehr als 200 Stellen zur Verbesserung der Betreuungsrelation in Seminaren, Übungsgruppen und Praktika geschaffen wurden, davon allein im Bereich der Philosophischen Fakultät I rund 50.

    Die Studienbeitragsmittel werden darüber hinaus für die Verbesserung der Ausstattung der Lehrräume, der Universitätsbibliothek und des Rechenzentrums, zusätzliche Angebote im Schlüsselqualifikationsbereich eingesetzt.

    Die Entscheidungen werden von paritätisch durch Studierende und Lehrende besetzte Kommissionen getroffen. In den drei Jahren, in denen diese Hochschulleitung an der Entscheidung über den zentral zu vergebenden 35-Prozent-Anteil der Studienbeiträge beteiligt war, sind alle Entscheidungen zur Verwendung einmütig von Studierendenvertretung, den Fakultätsvertretern und der Hochschulleitung getroffen worden. Darüber bin ich sehr froh.

    Ich hoffe sehr, dass uns dieser ganz wichtige Finanzierungsbestandteil zur Verbesserung der Studienbedingungen weiter erhalten bleibt. Es wäre schlichtweg verheerend, wenn diese Mittel nicht mehr zur Verfügung stünden. Ein solcher Rückschritt würde dem gesamten bayerischen Hochschulsystem nachhaltig schaden und wäre auch der Bevölkerung kaum zu vermitteln.

    Jüngere Studierende als Herausforderung

    Mit dem doppelten Jahrgang müssen sich die Universitäten nicht nur einer quantitativen Herausforderung stellen, sondern auch einer qualitativen. Durch den Wegfall eines Schuljahres und die Aussetzung der Wehrpflicht sind die heutigen Erstsemester im Schnitt ein bis zwei Jahre jünger als 2010 und davor. Ihnen fehlen Teile des bisherigen Schulwissens und auch ein Stück Lebenserfahrung.

    Die Universitäten sind bereit, hierauf durch Anpassungsmaßnahmen zu reagieren. Die entsprechenden Mehraufwendungen erfordern zusätzliche Mittel; hier sind wir auf Unterstützung aus dem politischen Raum angewiesen.

    Weitere Verbesserung der Lehrqualität

    Um die Betreuung der Studierenden zu verbessern, hat uns der Bund neue Möglichkeiten gegeben, für die ich sehr dankbar bin. Die Universität Würzburg hat bei der Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Verbesserung der Qualität in der Lehre im letzten Jahr eine Bewilligung über 12,5 Millionen Euro erhalten, die uns in die Lage versetzt, die Betreuung insbesondere der Studierenden zu verbessern sowie neue Lehransätze zu entwickeln und einzusetzen und uns international mit Universitäten mit den gleichen Zielen zu vernetzen.

    Akkreditierung der Studiengänge

    Auch die Umsetzung der Bologna-Studiengänge stellt die Universitäten weiter vor große Herausforderungen. Ich will hier als Beispiel nur die Notwendigkeit einer Akkreditierung und Reakkreditierung der Studiengänge ansprechen, vergleichbar zur Zertifizierung von Firmen. Die Universitäten müssen ihre Studiengänge durch Agenturen akkreditieren lassen – verbunden mit einem großen Arbeitsaufwand und Kosten in Höhe von 10.000 Euro und mehr.

    Auf diese Einzelakkreditierung kann verzichtet werden, wenn die Universität ein eigenes Qualitätsmanagementsystem für Studium und Lehre aufstellt, und dieses im Rahmen einer Systemakkreditierung positiv evaluiert wird. Die Universität Würzburg hat sich - wie auch andere Universitäten in Bayern – dazu verpflichtet, diese Systemakkreditierung in den nächsten Jahren zu beantragen.

    Hierzu werden die Fakultäten und die Zentralverwaltung Qualitätskreisläufe und Regelungsmechanismen etablieren, die so zu gestalten sind, dass sie zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Studienabläufe führen ohne gleichzeitig durch überbordende Bürokratie die verbleibende Zeit für Lehre und Forschung weiter zu reduzieren.

    Rankings und Drittmittel

    Im Bereich der Forschung hat die Julius-Maximilians-Universität in den letzten beiden Jahrzehnten profilbildende Stärken entwickelt. Dies geht beispielsweise aus unseren Platzierungen in internationalen Rankings hervor, bei denen wir häufig in den Top Ten der deutschen Universitäten zu finden sind.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums forschen im Rudolf-Virchow-Zentrum – einem Vorläufer der Exzellenzcluster – sowie in der Graduiertenschule der Lebenswissenschaften aus der Exzellenzinitiative ebenso wie in drei Sonderforschungsbereichen, vier Transregios, sechs Graduiertenkollegs und neun Forschergruppen der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

    Zusammen mit Einzelvorhaben und Projekten in Schwerpunktprogrammen haben wir im Zeitraum 2008 bis 2010 allein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 133 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten. Im Vergleich zum Dreijahreszeitraum davor entspricht dies einer Steigerung etwas mehr als 20 Prozent. Ich danke allen Beteiligten für diesen Erfolg.

    Forschungsstärke weiter entwickeln

    Allerdings dürfen wir uns damit nicht zufrieden geben. Durch die erste Runde der Exzellenzinitiative konnten besonders leistungsfähige Universitäten ihre Drittmitteleinnahmen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft innerhalb von drei Jahren verdoppeln.

    Drittmittel bestimmen in den Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften, aber in zunehmendem Maße auch in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften die Forschungsmöglichkeiten und damit die wissenschaftliche Sichtbarkeit. Wie können wir unsere Forschungsstärke weiter entwickeln, um in diesem Wettbewerb noch besser als bisher bestehen zu können? Die Wege sind klar:

    • durch die Berufung forschungsstarker Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
    • durch die Bildung interdisziplinärer Zentren zu Fragestellungen in Brennpunkten des Interesses der Wissenschaft, aber auch der Öffentlichkeit
    • und durch die Schaffung von Rahmenbedingungen, die besonders erfolgreich forschenden Kolleginnen und Kollegen hierfür die benötigte Zeit einräumen.

    Strategische Berufungen

    Die Universität wird hierzu in diesem und im kommenden Jahr ein auf Dauer angelegtes Programm zur Durchführung strategischer Berufungen einrichten. Dieses Programm betrifft eine Anschubförderung auf Zeit

    • für Leuchtturm- und Schlüsselberufungen und
    • zur Ausbildung neuer Schwerpunkte in bestehenden Zentren, um die sich alle in der Forschung ausgewiesenen Bereiche der Universität bewerben können.

    Eine Eigenbeteiligung der geförderten Bereiche wird vorausgesetzt. Nach fünf Jahren werden diese Stellen von den Fakultäten übernommen werden und stehen für die Förderung weiterer forschungsaktiver Bereiche der Universität erneut zur Verfügung. Durch dieses Programm wollen wir neue Themen in Forschung und forschungsbezogener Lehre schnell aufnehmen und entsprechende Kolleginnen und Kollegen berufen, ohne auf das Freiwerden einer passenden Stelle warten zu müssen.

    Neues Zentrum für Solartechnologien

    Ich freue mich sehr, dass wir bei der Bildung neuer Forschungszentren durch den Landtag und die Staatsregierung tatkräftig unterstützt werden. Im Rahmen des Nachtragshaushalts 2012 wurde im Programm „Energie, Klima und Innovation“ der Staatsregierung die Förderung eines Verbundes zum Thema „Solar Technologies Go Hybrid“ aufgenommen und im vergangenen Monat durch den Bayerischen Landtag beschlossen.

    In diesem Programm wird in Würzburg ein Zentrum für „Nanosystemchemie“ unter Leitung von Herrn Kollegen Würthner, Organische Chemie, eingerichtet, und mit einem Laborgebäude, Personal und Sachmitteln ausgestattet. Die Forschung zu neuen Materialien und Bauelementen für die Photovoltaik wird in einer Kooperation von fünf bayerischen Universitäten unter Federführung der LMU erfolgen.

    Wir freuen uns auf diese Beteiligung am bayerischen Energieprogramm und die Wechselwirkung mit den Partneruniversitäten, mit der die Möglichkeit gegeben ist, sich im Bereich der Grundlagenforschung zu alternativen Energien noch stärker zu engagieren.

    Darüber hinaus sind im Rahmen des Nachtragshaushalts von Landtag und Staatsregierung unter anderem auch Vorkehrungen getroffen worden, um die Ansiedlung eines außeruniversitären Instituts im Umfeld der Universität zu erleichtern. Ich danke Parlament und Staatsministerium für diese für die Universität außerordentlich wichtige Unterstützung, ebenso wie für die Finanzierung von für uns essentiellen Bauprojekten beispielsweise in der Chemie, in der Medizin und im Bereich der Medizin.

    Ausgewählte Erfolge in der Wissenschaft

    Zum Abschluss noch eine kleine Auswahl weiterer Erfolge, die die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unserer Universität in den vergangenen zwölf Monaten in allen Bereichen verzeichnen konnten. Aus einer viel längeren Liste kann ich hier nur ansprechen:

    • die Einrichtung des Comprehensive Cancer Centers, Leitung Prof. Ralf Bargou, durch die Deutsche Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum
    • den Start der Fraunhofergruppe zum Thema „Nanoröntgensysteme“ von Prof. Randolf Hanke auf dem Hubland Nord Campus
    • die Einrichtung einer neuen DFG-Forschergruppe zum Thema „Lichtinduzierte Dynamik in molekularen Aggregaten“ bei Prof. Tobias Brixner
    • Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats 2011 für Prof. Holger Braunschweig, Anorganische Chemie, und Prof. Laurens Molenkamp, Physik
    • die Bewilligung einer Heisenberg-Professur der DFG für Prof. Martin Stadler, Ägyptologie
    • positive Entscheidungen zu zwei neuen Akademieprojekten, den Forschungsflaggschiffen der Geisteswissenschaften mit einer Laufzeit von typisch 15 Jahren, eines in der Philosophie zum Thema „Ptolemaeus Arabus et Latinus“, bei Prof. Dag Hasse, und eines in den Musikwissenschaften zu „Historisch kritische Gesamtausgabe der Schriften Richard Wagners“ bei Prof. Ulrich Konrad
    • die Verleihung des Communicator-Preises der DFG an Prof. Dr. Jürgen Tautz im März 2012
    • sowie die Verstärkung unserer Anstrengungen im Bereich Gleichstellung und Familie.

    Gleichstellung und Familie

    Ich bin sehr froh, dass hierfür in den nächsten Monaten zwei Krippengruppen im Rahmen einer Sofortmaßnahme der Hochschulleitung eröffnet werden, und danke der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis ganz herzlich für die Übernahme der Betreuung auch dieser Gruppen und die Weiterführung der guten Zusammenarbeit. Zu unserer großen Freude ist auch die katholische Kirche zur Verstärkung ihrer Kinderbetreuungsmaßnahmen an der Universität bereit. Mit Caritas und Katholischer Hochschulgemeinde finden gegenwärtig Gespräche zur Vorbereitung dieses Engagements statt.

    Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Erfolgen des zurückliegenden Jahres. Ich danke allen Mitgliedern, Freunden und Förderern der Alma Julia für die fruchtbare Zusammenarbeit und Unterstützung.

    Ich wünsche Ihnen allen für das vor uns liegende 611. Jahr nach der Erstgründung unserer Universität gute Gesundheit, viel Erfolg und Freude.“

    Alfred Forchel, Präsident der Universität Würzburg