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Research Data Management

Datenmanagementplan

Erstellung eines Datenmanagementplans

Anhand eines DMPs können Sie systematisch darstellen, wie Sie im Laufe eines Projektes mit Ihren Daten umgehen wollen. Ausgehend von der Überlegung, welche Forschungsdaten erzeugt werden, enthält der Plan eine Dokumentation hinsichtlich der Verarbeitung, Pflege, Speicherung, Archivierung und Nutzungsmöglichkeiten Ihrer Daten. Ein gewinnbringendes FDM beginnt mit der Erstellung des DMPs bereits in der Planungsphase des Projektes, also vor Generierung der Daten und nicht erst nach Projektabschluss. Nur so kann die dauerhafte Nutzung der Daten erleichtert oder gar ermöglicht werden. Warum die Datenerhaltung und -pflege während sämtlicher Phasen eines Forschungsvorhabens und darüber hinaus wichtig sind, lässt sich anhand des Begriffs des „Daten-Lebenszyklus“ (Data Curation Life Cycle) des Digital Curation Centers und der Hinweise des Leitfadens des WissGrid-Projektes klären:

 

  • Planung: Zu Beginn des Zyklus stehen die Planung des Forschungsprojektes, die Erstellung eines DMPs und die Erhebung von Daten, wobei neue Primärdaten erzeugt, aber auch häufig bereits vorhandene Daten aufgegriffen werden. Die nachfolgende Datenauswertung wiederum generiert die weiteren wesentlichen Daten des Forschungsprojektes.
  • Auswahl: Es ist weder zielführend noch möglich, alle gewonnen Forschungsdaten aufzubewahren. Deshalb müssen vor der Archivierung alle erhobenen Daten dahingehend bewertet werden, ob ihre Aufbewahrung sinnvoll oder eine bewusste Löschung (beispielsweise von im Nachhinein unnötigen Zwischenstufen) angebracht ist. Auch eine Entscheidung hinsichtlich der Aufbewahrungsdauer ist notwendig.
  • Ingest/Übernahme: Gemeint ist hier die Überführung der aufzubewahrenden Daten in ein Datenarchiv. Zuvor bedarf es einer meist aufwendigen Aufarbeitung und Strukturierung der Daten, beispielsweise um ihre Homogenisierung und Anreicherung mit geeigneten Metadaten zu erreichen. Es sollte auch daran gedacht werden, notwendige Verarbeitungsschritte zu dokumentieren und die dazu erforderliche Software-Umgebung zu bewahren.
  • Speicherung: Die Langzeitarchivierung (LZA) über die Projektlaufzeit hinaus bedarf einer entsprechenden Infrastruktur, die von erfahrenen Speicherdienst-Anbietern angeboten werden. Forschungsdaten sind für mindestens 10 Jahre zu archivieren.
  • Erhaltungsmaßnahmen: Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass digitale Daten außerhalb ihrer ursprünglichen Erstellungs- bzw. Nutzungsumgebung nutzbar bleiben. Deshalb sollte festgeschrieben werden, welche Anforderungen an die technische Umgebung gestellt werden, um die Nutzbarkeit der Daten sicherzustellen und wie mit technischen Veränderungen umgegangen werden soll.
  • Zugriff und Nachnutzung: Die besten Daten sind nutzlos, wenn sie nicht auffindbar sind. Folglich muss in der letzten Phase festgelegt werden, wie die Daten aufgefunden werden können, wem eine Zugriffsberechtigung eingeräumt wird und mit welchen Mitteln zugegriffen werden kann.

 

Leitfragen

Insgesamt geht es bei der Erstellung eines DMP darum, Arbeitsabläufe für den gesamten Lebenszyklus von Forschungsdaten zu definieren sowie grundlegende Fragen zu Zuständigkeiten, Prozessen und Technologien zu klären.
Der folgende Fragenkatalog bietet Ihnen dabei einige Ansatzpunkte:

  • Welches Ziel hat das Projekt?
  • Welche Einrichtungen und Personen sind involviert?
  • Welche Art von Daten wird erzeugt und genutzt?
  • Auf welche Art und Weise werden die Forschungsdaten erzeugt bzw. genutzt?
  • Welche fachspezifischen Standards werden dabei angewendet (Dateiformate, Ontologien etc.)?
  • Welche Methoden werden zur Qualitätssicherung der Daten eingesetzt?
  • Welche Zusatzinformationen sind zum Verständnis der Daten erforderlich?
  • Welche Daten müssen aus welchem Grund aufbewahrt werden?
  • Wann werden die Daten ausgewählt?
  • Wie lange dürfen und sollen die Daten aufbewahrt werden?
  • Wer darf die Daten nutzen (rechtliche oder anderweitige Einschränkungen)?

Die unterschiedlichen Erfordernisse und Standards innerhalb der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen machen es unmöglich, die Erstellung eines DMPs abschließend schematisch darzustellen. Die bereitgestellten Planungsinstrumente müssen in jedem Einzelfall hinterfragt und an die einzelnen Gegebenheiten angepasst werden.

 

Vorgaben von Forschungsförderern

Förderorganisationen wie die DFG, das BMBF oder die EU fordern immer häufiger schon bei der Beantragung von Drittelmitteln die Einreichung eines Datenmanagementplans oder zumindest eine Stellungnahme zum Umgang mit gewonnenen Daten. Zudem erhalten viele Inhalte des FDM und ihre Projekt spezifischen Vorgehensweisen eine verstärkte Gewichtung in der Evaluierung von Projektvorschlägen. FDM ist Bestandteil erfolgreicher Projekte.

Open Data Management in EU-Projekten
Die Europäische Kommission fordert im Rahmen von Horizon 2020 eine öffentliche Zugänglichkeit von Forschungsdaten (open access to research data). Um Sammlung, Abspeicherung und öffentliche Zugänglichkeit von Forschungsdaten für ein EU-Projekt zu planen und vorzubereiten, sind Antragsteller verpflichtet, einen Data Management Plan zu erstellen, und zwar in allen Programmteilen und Ausschreibungen der neuen Arbeitsprogramme 2017. Für Förderungen im Rahmen des Horizon2020-Programms der EU existiert ein offizieller Leitfaden zur Erstellung der benötigten Datenmanagementpläne in englischer Sprache. Das Online-Tool DMPonline hat die entsprechenden Vorgaben der Europäischen Kommission explizit eingearbeitet.

BMBF-Förderungen
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung verlangt in den jeweils einschlägigen (Neben-) Bestimmungen für Fördervorhaben die Vorlage eines "Verwertungsplans", der u.a. wissenschaftliche und technische Nachnutzungsmöglichkeiten darzustellen hat.

DFG-Förderungen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat 2015 „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“  für Antragsteller/innen verabschiedet. Erwartet wird, dass sich Antragsteller/innen bereits bei der Projektplanung mit der Frage befassen, ob und welche der aus einem Vorhaben hervorgehenden Forschungsdaten für andere Wissenschaftler/innen relevant sein können und wie deren Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit erreicht werden kann. Entsprechende Erläuterungen zur Art von und zum Umgang mit Forschungsdaten sind im Antrag darzulegen. Gleichzeitig können projektspezifische Kosten, die anfallen, um eine Nachnutzung der Daten durch Dritte zu ermöglichen, mit dem Antrag eingeworben werden. In Sonderforschungsbereichen kann ein Teilprojekt zur Informationsinfrastruktur beantragt werden. Forschungsdaten sind für mindestens 10 Jahre zu archivieren. Weitere Erläuterungen und fachspezifische Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten finden Sie auf den Seiten der DFG.