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    Professional School of Education

    Wie man im 21. Jahrhundert lernt


    Über 350 Lehrkräfte diskutieren bei der Herbsttagung der Professional School of Education (PSE) und der Regionalen Schulentwicklung Unterfranken an der Universität Würzburg über Schulentwicklung.

    In den 15 Jahren seit dem Pisa-Schock hat sich in deutschen Schulen eine Menge getan. Doch noch viel mehr muss geschehen, damit Schule Bildungsorte mit hoher Qualität werden. Wie sich Schule weiterentwickeln kann, darüber diskutierten am Donnerstag bei der Herbsttagung der Professional School of Education (PSE) und der Regionalen Schulentwicklung Unterfranken mehr als 350 Lehrkräfte, Beratungslehrkräfte, Schulleitungen und Schulentwicklungskoordinatoren an der Universität Würzburg.

    Die Interessen der Schüler einbeziehen

    Lernen ist dann effektiv und macht dann Spaß, wenn Schüler spüren, dass auf sie persönlich eingegangen wird – also auf das, was sie bereits wissen und können, auf das, was sie interessiert und was sie motiviert. „Wirksame Lernumgebungen gehen sensibel mit menschlicher Individualität um“, betonte Pädagogikprofessorin Anne Sliwka von der Universität Heidelberg in ihrem Vortrag zum Thema „Lernen im 21. Jahrhundert“. Unterschiede zwischen Schülern einer Klasse werden in solchen Lernumgebungen nicht mehr als Problem und stressige Herausforderung, sondern als Lernchance begriffen.

    Gerade Kunst-, Musik- oder Sportunterricht eignet sich dafür, die Interessen der Schüler einzubeziehen. Ihre Motivation, zu lernen und persönlich weiterzukommen, wächst, wenn sie sich etwa entscheiden dürfen, ob sie lieber Basketball spielen oder schwimmen.

    Weiterentwicklung ist notwendig

    In den vergangenen Jahren gab es viele Impulse, Schule so zu verändern, dass sie Kinder und Jugendliche zum eigenverantwortlichen Lernen aktiviert, Individualisierung und gleichzeitig Kooperation fördert. „Doch viele Innovationsprozesse blieben unvollendet“, so Sliwka. Was daran lag, dass die „Logik von Innovationsprozessen“ nicht bedacht wurde. Die lautet: „Bevor es einfacher wird, wird es erst einmal schwieriger.“

    Für die Schulentwicklung bedeutet dies, dass neben anfänglicher Euphorie zunächst auch Unsicherheit und manchmal sogar Chaos auftreten können. Doch mit Blick auf internationale Bemühungen um Bildungssysteme, die auf Diversität, Differenzierung und Inklusion setzen, müssten sich auch deutsche Schulen weiterentwickeln. „Nur Schulen, die sich als professionelle Lerngemeinschaften organisieren, können heute erfolgreich sein“, betonte Sliwka.

    Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg

    „Nichts geht über kollegiale Kooperation“, bestätigte Gabriele Weigand, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Kooperiert werden muss laut der Spezialistin für Schulentwicklung aber nicht zuletzt auch mit den Schülerinnen und Schülern. Lehrkräfte seien nämlich niemals alleine dafür verantwortlich, dass Schule, Unterricht und Lernen gelingt. Auch Kinder und Jugendliche stehen in der Verantwortung, Lernprozesse mitzugestalten.

    Dies ist mit der Idee der „Personorientierung“ im Gegensatz zu Individualisierung gemeint, führte Weigand aus. Bei der vielfach geforderten Individualisierung bleibt die Verantwortung ganz bei den Lehrkräften. Sie allein geben zum Beispiel den inhaltlichen und zeitlichen Rahmen einer individuellen Förderung vor. Weigand: „Personorientierung bedeutet hingegen, dass Schülerinnen und Schüler Gestalter des Geschehens werden.“

    Lehrerinnen und Lehrer werden Weigand zufolge dadurch keineswegs überflüssig: „Sie sind nach wie vor zentral für Lernprozesse.“ Und zwar in vielfacher Hinsicht. Lehrkräfte sind es, die Mut machen, wenn es einmal nicht so gut vorangeht: „Schließlich ist Lernen mühsam und macht nicht immer Spaß.“ Lehrkräfte sind es auch, die Optimismus verbreiten: „Du schaffst es!“

    Unterrichtsmethoden sind zweitrangig

    In einem Workshop mit Armin Hackl, ehemaliger Leiter des Deutschhaus-Gymnasiums, wurde das Thema „Personorientes Lernen“ vertieft. Insgesamt 17 Workshops ergänzten die Hauptvorträge zum Tagungsthema „Bildung mit Qualität“. Die Palette reichte vom „Forschen im Unterricht“ über „Sprachsensibler Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern“ bis hin zur „Eigenverantwortlichen Schule“.

    In vielen Workshops wurde konstatiert, was bereits die beiden Professorinnen Anne Sliwka und Gabriele Weigand in ihren Vorträgen betont hatten: Die Methoden des Unterrichtens sind gegenüber der Haltung der Lehrkräfte in Bezug auf die Schüler zweitrangig. „Es darf keine starren Konzepte geben“, betonte etwa Schulentwicklungsexperte Felix Brümmer. Frontalunterricht kann in bestimmten Situationen und auf bestimmte Schüler bezogen gut, in anderen Situationen und mit Blick auf andere Schüler eher kontraproduktiv sein.

    Gleiches gilt für Frei- oder Gruppenarbeit. Auch das kann bei bestimmten Themen und bezogen auf bestimmte Schüler sinnvoll sein. Während andere Themen und andere Schüler andere Methoden erfordern.

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