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    Professional School of Education

    Herbsttagung 2017

    Fake News und Stracciatella-Hunde

    350 Pädagogen diskutieren in Würzburg über digitale Medien in Schule und Kita

    Würzburg. Beim Stichwort „Klassenzimmer“ fällt den meisten Menschen wahrscheinlich als Erstes eine Tafel ein. Nichts scheint selbstverständlicher zu sein. „Dabei waren Tafeln bei ihrer Einführung höchst umstritten“, so der Grazer Bildungsinformatiker Martin Ebner bei der 7. Herbsttagung der Professional School of Education (PSE). Heute wird ähnlich kontrovers über den Einsatz Neuer Medien in Schulen diskutiert. Wobei nach Ebners Überzeugung an Tablet & Co. kein Weg vorbeigeht.

    Rund 350 Erzieherinnen, Lehrkräfte, Studierende und Referendare setzten sich am 5. Oktober in zwei Vorträgen und 19 Workshops mit der Frage auseinander, wie Bildungseinrichtungen auf den digitalen Wandel reagieren können. Organisiert wurde die Fachtagung unter der Überschrift „Digitale Bildung in Kita und Schule“ von der PSE in Kooperation mit der Schulentwicklung Unterfranken. Für die Schulentwicklung ist das Thema von großer Relevanz, betonte Gustav Eirich, Leiter der Schulabteilung der Regierung von Unterfranken. Noch würden die neuen Herausforderungen der digitalen Bildung von Lehrern jedoch falsch eingeschätzt.

    Martin Ebner, einer der beiden Hauptreferenten, gab ihm Recht. „Digitalisierung ist kein Projekt“, unterstrich er. Schulen stünden vielmehr in der Pflicht, junge Menschen zu digital mündigen Bürgern zu erziehen. Was eine vielfache Herausforderung bedeute, die bei der Lehrerbildung beginnt. Medienpädagogik, Mediendidaktik und Bildungsinformatik müssen dem Wissenschaftler von der TU Graz zufolge integrale Bestandteile einer modernen Lehrerbildung werden.

    Neue Medien ermöglichen laut Ebner eine große didaktische Vielfalt. Wobei es auch Klippen zu umschiffen gilt. So setzt das Urheberrecht der Nutzung digitaler Inhalte Grenzen: Arbeitsblätter, auf die ein Lehrer im Internet stößt, dürfen nicht einfach verbreitet werden. Allerdings ist es möglich, auf „Open Educational Resources“ (OER), also freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz, zurückzugreifen.

     YouTube erklärt den Dreisatz

    Kinder und Jugendliche bewegen sich heute ganz selbstverständlich in der digitalen Welt, betonte der Mainzer Medienpädagoge Stefan Aufenanger: „Wer den Dreisatz nicht verstanden hat, lässt ihn sich auf YouTube erklären.“ Was via YouTube gelehrt wird, sei zwar zum Teil fachlich falsch und didaktisch mitunter nicht sinnvoll umgesetzt. Dennoch erwachse der Schule dadurch eine außerschulische Konkurrenz.

    Digitale Medien, so Aufenanger, können den Unterricht für Schüler spannender gestalten. Möglichkeiten, neue Technologien pädagogisch sinnvoll einzusetzen, gibt es nach seiner Überzeugung reichlich: „Kinder können zum Beispiel eine Geschichte mit Hilfe des Tablets als Hörspiel umsetzen.“ Die Entscheidung, welche digitalen Bildungstechnologien konkret in das eigene Klassenzimmer einziehen sollen, sei zweifellos nicht leicht. Lehrerinnen und Lehrer müssten in die neue Rolle eines „Kurators“ schlüpfen. Wie ein Kunstkurator die Werke für eine Ausstellung zusammenstellt, so dass am Ende ein sinnvolles Ganzes herauskommt, so müssten Lehrer Medien sinnvoll auswählen.

    Woher soll das Geld kommen?

    Im Freistaat wird das Lehren und Lernen mit digitalen Medien durch den Masterplan „Bayern Digital II“ vorangetrieben, zeigte Vera Haldenwang vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) auf. Das Potenzial Neuer Medien könne jedoch nur dann komplett entfaltet werden, wenn die Digitalisierung von der ganzen Schulfamilie mitgetragen wird. Schulen sind deshalb aufgefordert, bis spätestens 2019 ein Medienkonzept zu entwickeln. Geplant ist weiter, Informatik als Pflichtfach einzuführen. Außerdem sollen 32 „Profilschulen Informatik“ an Mittel-, Real-, und Wirtschaftsschule, Gymnasium und FOS/BOS eingerichtet werden.

    Kritisch diskutiert wurde im Workshop über die Gefahr, dass die ehrgeizigen Pläne der Staatsregierung mit den finanziellen Möglichkeiten der Kommunen als Schul- und Bildungsträger kollidieren. Schließlich sind mit der digitalen Bildung erhebliche Kosten verbunden. Dabei geht es um einmalige Anschaffungskosten für Lern-Apps, Lernspiele, Endgeräte und die Netzinfrastruktur, aber auch um langfristige Aufwendungen für Betrieb, Wartung, Erneuerung, Updates und Support und vor allem die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte.

    Ein praktisches Beispiel, Schüler zu befähigen, kritisch mit Medien umzugehen, präsentierte Christian Seyferth-Zapf, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Würzburger Lehrstuhl für Schulpädagogik. Unter seiner Leitung beschäftigten sich Gymnasiasten der zehnten Jahrgangsstufe 15 Schulstunden lang mit dem Gefährdungspotenzial historischer und aktueller Propaganda. Die Lerneinheiten waren in den regulären Sozialkunde- und Englischunterricht eingebunden.

    Die Jugendlichen lernten, Nachricht im Netz so weit zu verfolgen, bis sie auf eine vertrauenswürdige Webseite stießen. Sie entdeckten, dass Fake News oft zum Teil aus Wahrheit bestehen, und erfuhren, dass es „Faktenchecker“ gibt. Außerdem drehten sie Videos, die sich kritisch mit den analysierten propagandistischen Inhalten beschäftigten.

    Unterricht mir „Actionbound“

    Wie Smartphones an weiterführenden Schulen kreativ eingesetzt werden können, dazu gab es Tipps von Lambert Zumbrägel, Medienfachberater des Bezirksjugendrings Unterfranken. In seinem Workshop lernten die Teilnehmer unter anderem das medienpädagogische Tool „Actionbound“ kennen. Wichtig sei, so Zumbrägel, nach einer Anwendung von Neuen Medien mit den Schülern darüber zu besprechen, was sie erlebt haben: „Denn Bildung ist nichts ohne Reflexion.“

    Dass Neue Medien selbst in reformpädagogischen Kitas sinnvoll sind, zeigten die Schweinfurter Montessori-Pädagogen Daniela Anton und Alban Schraut. Tablets in Kitas machen den beiden Workshopleitern zufolge immer dann Sinn, wenn dadurch die Kommunikation angeregt wird. In der Schweinfurter Montessori-Kita wird zum Beispiel die Möglichkeit des digitalen Fotografierens genutzt. Anton: „Wir machen ein Foto und sprechen darüber.“ Was ist darauf zu sehen? Die Fantasie der Kleinen wird auf diese Weise stimuliert. So identifizierte eines der Schweinfurter Kinder einen Dalmatiner-Rüden als „Stracciatella-Hund“.

     - PSE -


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    Herbsttagung 2016

    Herbsttagung 2015

    Herbsttagung 2014

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