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Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz

Männerbund und Männlichkeit (Identitäten und Lebensstile aus europäisch-ethnologischer Perspektive, Gruppe 04)

Datum: 26.04.2019, 10:00 - 12:00 Uhr
Kategorie: (Block-)Seminare, C, D
Ort: Hubland Süd, Geb. Z6 (Zentrales Hörsaal- u. Seminargebäude), Raum 2.006
Veranstalter: Europäische Ethnologie/ Volkskunde// Fachbereich: Ethnologie
Vortragende*r: G. Gerdes

Die Konstitution des modernen Geschlechterverhältnisses in Deutschland ist eng verknüpft mit der Herausbildung des Männerbundes als Gemeinschaftsform, Sozialisationsagentur und ideologisch-theoretischem Bezugspunkt des Antifeminismus. In der Zeit des deutschen Kaiserreichs fand im Zuge der Industrialisierung eine Zuspitzung der Dichotomisierung der Geschlechtervorstellungen statt. Durch das Auseinanderfallen von Erwerbsarbeit einerseits und Haus- bzw. Prokreationsarbeit andererseits entstand eine Aufwertung der Öffentlichkeit und eine Abwertung des privaten Raumes, in dem Frauen verdeckt und unbezahlt die Bereitstellung der für die moderne über den Markt vermittelten Gesellschaft unabdingbaren Ressourcen sicherstellten. Legitimiert wurde diese Praxis einerseits über die Bestimmung einer "Geschlechtsnatur" der Frau, die sie ausschließlich für "pflegende, erzieherische und profane Tätigkeiten" zuständig erscheinen ließ. In Abgrenzung dazu wurde der männliche Charakter als für "staatstragende, gesellschaftserhaltende und berufliche Belange" qualifiziert gesetzt. Abgestützt wurde diese Ideologie des kulturschaffenden Mannes durch (pseudo-)wissenschaftliche Theorien über die herausragende Bedeutung des Männerbundes in Abgrenzung zur Familie. Die symbolische Besetzung der Öffentlichkeit mit "Männlichkeit" bildete sich auch anhand der konkreten Bekleidung aller machtvollen Positionen der Gesellschaft durch Männer aus – in Deutschland blieben Frauen noch länger als in anderen europäischen Ländern von der gesellschaftlichen Machtsphäre ausgeschlossen. In Männerbünden wie Studentenverbindungen oder dem Militär fand unter Ausschluss von Frauen eine für diese Positionen qualifizierende Vergesellschaftung statt, die sich durch eine an Traditionen und Rituale gebundene Sozialisation des Beherrschens und Beherrscht-Werdens auszeichnete. Die Fixierung auf männliche Gemeinschaft und wehrhafte Männlichkeit fand in Deutschland in Form des Männerbundes in besonderer Form statt. Dieses Seminar widmet sich dem Thema als soziohistorischem Phänomen und als ideologischem Begriff in seiner Verbindung mit der Konstitution des spezifisch deutschen Geschlechterverhältnisses. Darüber hinaus beschäftigen wir uns anhand von bspw. Studentenverbindungen mit der männlichen Habitusgenese und dem deutschen Zivilisierungsprozess, männlicher Geschlechtskonstruktion und -konstitution und schließlich mit der Bedeutung von Männerbünden in der Gegenwartsgesellschaft.

Das Blockseminar findet am 17.05. und 05.07. von 10.00-12.00 Uhr sowie 16.00-20.00 Uhr statt, am 18.05. von 09.00-16.00 Uhr und am 06.07. von 10.00-15.00 Uhr.

Die Vorbesprechung ist am 26.04. um 10.00 Uhr.

Weitere Informationen und Anmeldung auf WueStudy!

 

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