Latinum

Das Latinum (von Examen Latinum, "lateinische Prüfung") ist ein Nachweis über lateinische Sprachkenntnisse.

Nach der neuen Lehramtsprüfungsordnung (LPO I) von 2008 und den fachspezifischen Bachelor-Bestimmungen wird in zahlreichen Studienfächern nicht mehr das Latinum als Zulassungsvoraussetzung gefordert, sondern ein Nachweis der so genannten „Gesicherten Lateinkentnisse“ (GLK), die dem früheren „Kleinen Latinum“ entsprechen.

Dieser Nachweis wird durch eine Feststellungsprüfung erbracht.

Vorbereitung auf die Latinumsprüfung

1. Sprachunterricht mit dem Ziel des Erwerbs der GLK (Kleines Latinum) am Institut für Klassische Philologie:

1 Kurs "Lateinischer Sprachunterricht zur Vorbereitung auf das Latinum Stufe I" im Wintersemester (4 SWS) +

1 Kurs "Lateinischer Sprachunterricht zur Vorbereitung auf das Latinum Stufe II" im Sommersemester (4 SWS) +

1 Kurs "Lektürekurs zur Vorbereitung auf die Prüfung über gesicherte Lateinkenntnisse" am Ende des Sommersemesters (2 SWS, Blockkurs) oder im Wintersemester (4 SWS)

Die Gesamtdauer beträgt somit 1 oder 1,5 Jahre.

Im Anschluss erfolgt die so genannte Feststellungsprüfung. Diese wird schriftlich und mündlich an einem dafür jeweils bestimmten und per Aushang bekannt gegebenen Gymnasium abgenommen (staatliche Feststellungsprüfung nach § 97 GSO; Mitteilung des Bayer. Staatsmin. f. Unterr. u. Kultus vom 19.9.2008, Az. VI.3-5. S 5510-6. 93164).

Seit dem Ende des WS 2009/10 ist auch eine Prüfung durch die Universität möglich.

 

2. Sprachunterricht mit Ziel des Erwerbs der GLK am Zentrum für Sprachen:

1 Intensivkurs „Latein – Grundstufe“ (3 Wochen während der vorlesungsfreien Zeit im August / September, montags bis freitags jeweils 4 Stunden)

1 semesterbegleitender Kurs „Latein – Mittelstufe“ (4 SWS im Wintersemester)

1 Intensivkurs „Latein – Oberstufe“ (3 Wochen während der vorlesungsfreien Zeit im Frühjahr, montags bis freitags jeweils 4 Stunden)

Die Gesamtdauer beträgt somit 1,5 Semester.

Im Anschluss erfolgt die so genannte Feststellungsprüfung (Details siehe oben).



3.
Sprachunterricht mit dem Ziel des Erwerbs des Latinums am Institut für Klassische Philologie:

1 Kurs "Lateinischer Sprachunterricht zur Vorbereitung auf das Latinum Stufe I" (4 SWS) +

1 Kurs "Lateinischer Sprachunterricht zur Vorbereitung auf das Latinum Stufe II" (4 SWS) +

1 Kurs "Lateinischer Sprachunterricht zur Vorbereitung auf das Latinum Stufe III" im Wintersemester (4 SWS).

Die Gesamtdauer beträgt somit 3 Semester; die Prüfung wird im Frühjahr wie bisher schriftlich und mündlich an dafür jeweils bestimmten und per Aushang bekannt gegebenen Gymnasien abgenommen (staatliche Prüfung nach § 96 GSO).

ACHTUNG: Die Anmeldefrist für die Ergänzungsprüfung ist der 15. Januar!

Darüber hinaus bieten einige externe Anbieter kostenpflichtige Vorbereitungskurse, so z.B.

das Pädagogium Zachar in München,

das Heidelberger Pädagogium,

das Sprachcaffe mit Kursen in Frankfurt und Malta,

in Dr. Fritz Bleienstein in Grafenau,

bei Artes Bonae in Hamburg,

oder Fundamentum Latinum

Die ausgestellten Zertifikate dieser Privatanbieter gelten nicht als Nachweis gesicherter Kenntnisse in Latein!
Die angebotenen Kurse können lediglich als Vorbereitung belegt werden. Es muss eine Feststellungsprüfung an einem öffentlichen Gymnasium folgen.
Die Prüfung kann grundsätzlich nur einmal wiederholt werden.

Viele Informationen -z.B. Übungsaufgaben, alte Prüfungsaufgaben, eine Liste erlaubter Hilfsmittel und viele weitere Infodateien- finden Sie auf einer speziellen Seite des Kultusministeriums (dort -> "Fachinformationen Latein und Griechisch").


Wichtiger Hinweis für Studierende, die das Studium nach alter LPO (2002) aufgenommen haben und sich zurzeit in der Vorbereitung auf das Latinum befinden:

Laut der Übergangsbestimmung (§ 123 Abs. 3 Nr. 2 LPO I) kann bereits jetzt eine Prüfung über GLK absolviert werden.

Dabei gilt folgendes zu beachten:

Der (erfolgreiche) Besuch der Latinums-Sprachkurse I und II berechtigt nicht zur Ablegung der GLK-Prüfung. Die Kurse I und II dienen lediglich dem Spracherwerb; die Prüfung über GLK verlangt jedoch eine Übersetzungsleistung (Aus der Bekanntmachung des Bayer. Staatsmin. f. Unterr. u. Kultus vom 15.2.2008, Az. III.10-5 S 4020-PRA.2516: "Gesicherte Kenntnisse in Latein setzen die Fähigkeit voraus, lateinische Originaltexte im sprachlichen Schwierigkeitsgrad inhaltlich einfacherer Prosatextstellen in Inhalt, Aufbau und Aussage zu erfassen."). Ein Besuch des Kurses III ist daher erforderlich.

Graecum

Für den Nachweis des Graecums (von Examen Graecum, "griechische Prüfung") müssen mindestens 4 aufsteigende Schuljahre Pflichtunterricht in Altgriechisch (mit der Abschlussnote "ausreichend" (5 Punkte) oder besser) nachgewiesen werden. Wurden weniger als vier Jahre Altgriechisch-Unterricht an der Schule besucht, muss zum Erwerb des Graecums eine Ergänzungsprüfung zum Abitur abgelegt werden.

Der Erwerb des Graecums ist im Vergleich mit dem zumeist im Vorfeld erworbenen Latinum eher einfacher.

Vorbereitung auf die Graecumsprüfung

Ein dreiteiliger Kurs (Kurs 1 im Wintersemester, Kurs 2 in den Semesterferien, Kurs 3 im Sommersemester, im Anschluss Prüfung) wird vom Institut für Klassische Philosophie angeboten (im Vorlesungsverzeichnis unter Philosophische Fakultät I - Klassische Philologie - Griechischer Sprachunterricht zur Vorbereitung auf das Graecum). Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Auch zur Vorbereitung auf die Graecumsprüfung gibt es externe Anbieter, diese sind typischerweise die gleichen wie für das Latinum.

Ergänzungsprüfung

Die Ergänzungsprüfung findet analog zum Latinum als Externenprüfung an einem Gymnasium jeweils zum Semesterende statt. In Würzburg ist dies i.d.R. jeweils nach dem Wintersemester das Riemenschneider-Gymnasium und nach dem Sommersemester das Wirsberg-Gymnasium.

Hebraicum

Das Hebraicum ist eine Abitur-(Ergänzungs-)Prüfung, in der ausreichendes Verständnis des alttestamentlichen Hebräischen nachgewiesen wird. Die Prüfung kann auch an der Universität erfolgen und ist an der Universität Würzburg aber nur für den Studiengang Katholische Theologie (Magister Theologiae) relevant; die entsprechenden Kenntnisse können auch durch den universitären Einführungskurs Grundkurs Hebräisch (mit Prüfung) nachgewiesen werden.

 

 

 

Studiengänge mit verpflichtenden Sprachkenntnissen in Latein, Griechisch oder Hebräisch

Der verlangte Nachweis über Sprachkenntnisse steht in den Prüfungsordnungen festgeschrieben, so dass noch fehlende Qualifikationen in der Regel in den ersten Studiensemestern nachgeholt werden können.
Bei einigen Bachelor-Studiengängen kann jedoch in den fachspezifischen Bestimmungen bereits ein Nachweis als Zulassungsvoraussetzung gefordert sein.

Staatsprüfungen

Lehramt an Gymnasien

Nach der bayerischen Lehramtsprüfungsordnung I (LPO I) sind die GLK Zulassungsvoraussetzung zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien in folgenden Fächern:

  • Deutsch
  • Englisch
  • Französisch
  • Geschichte
  • Italienisch
  • Katholische Religionslehre
  • Spanisch

    Für Griechisch ist weiterhin das Latinum erforderlich

Das Graecum ist Zulassungsvoraussetzung für

  • Latein
  • Katholische Religionslehre

In Religionslehre kann das Latinum und das Graecum durch Sprachprüfungen der Theologischen Fakultäten ersetzt werden.

An der Universität Würzburg sind die Sprachnachweise bis zur Anmeldung zum 1.Staatsexamen zu erbringen (Ausnahmen: siehe Fächer).

Lehramt an Realschulen

Französisch: Kenntnisse in Latein oder in einer weiteren romanischen Fremdsprache auf dem Niveau A2 des ,,Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen“

Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie       

In den Fächern Medizin und Pharmazie wird kein Latein mehr verlangt. Alle Studenten müssen aber einen Kurs der medizinischen bzw. der pharmazeutischen und medizinischen Terminologie im Grundstudium erfolgreich absolvieren.       

In Zahnmedizin wird zur Zahnärztlichen Vorprüfung das (Kleine) Latinum verlangt; es kann ersetzt werden durch die erfolgreiche Teilnahme am Kurs der medizinischen Terminologie.  

Hochschulprüfungen

Die Prüfungsordnungen für die Hochschulprüfungen (akademische Prüfungen) werden von den einzelnen Universitäten selbst erstellt. Daher können die Zulassungsvoraussetzungen in den einzelnen Fächern von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich sein. Die nachfolgenden Angaben beziehen sich nur auf die Universität Würzburg.     

Bachelorstudiengänge

  • Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft (85 und 60 ECTS): Latinum sowie Graecum für den Studienerfolg unabdingbar
  • Geschichte (120 und 85 ECTS): Gesicherte Lateinkenntnisse für den Studienerfolg unabdingbar
  • Geschichte (60 ECTS): Lateinkenntnisse wünschenswert

Katholisch-Theologische Fakultät       

Das Latinum und das Graecum (und das Hebraicum) sind Zulassungsvoraussetzung zur Diplom-Vorprüfung (und zur Diplomprüfung) in katholischer Theologie. Anstelle des Graecums kann eine Prüfung in neutestamentlichem Griechisch abgelegt werden, anstelle des Hebraicums eine Prüfung über den Einführungskurs in das biblisch-semitische Denken. Die Katholisch-Theologische Fakultät bietet als Vorbereitung einen zweisemestrigen studienbegleitenden Griechischkurs an.       

Das Latinum und das Graecum bzw. die entsprechenden Sprachprüfungen für Theologen sind Zulassungsvoraussetzung zum Lizentiatsexamen in katholische Theologie. (Das Lizentiat - Lic.theol. - ist ein akademischer Grad zwischen Diplom-Theologe und Dr. theol).

Für die Zulassung zum Doktorexamen in katholischer Theologie gelten die Sprachanforderungen wie zur Diplom-Vorprüfung.

Juristische Fakultät       

Die Juristische Fakultät verleiht die akademischen Grade eines Doktors der Rechtswissenschaft (Dr. iur.) und eines Doktor für "beiderlei Rechte", also des weltlichen und des kirchlichen Rechts (Dr. iur. utr.). Für die Zulassung zur Prüfung zum Dr. iur. utr. ist das Latinum erforderlich.        

Philosophische Fakultäten

Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf die Magisterprüfungsordnung vom 11. Dezember 2003. Sollten Sie Ihr Magisterstudium bereits vor dem Sommersemester 2004 begonnen haben, so informieren Sie sich bitte direkt in derjenigen Magisterprüfungsordnung, die für Ihr Studium gültig ist.

Für die Magisterprüfung ist das Latinum erforderlich bei den Fächern           

  • Griechische Philologie           
  • Lateinische Philologie           
  • Klassische Archäologie           
  • Vor- und frühgeschichtliche Archäologie           
  • Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft           
  • Musikwissenschaft           
  • Alte Geschichte           
  • Mittelalterliche Geschichte           
  • Neuere und Neueste Geschichte (nur wenn das Fach als Hauptfach gewählt wird)
  • Geschichtliche Hilfswissenschaften           
  • Landesgeschichte           
  • Kunstgeschichte           
  • Galloromanische Philologie (nur wenn das Fach als Hauptfach gewählt wird)
  • Italoromanische Philologie (nur wenn das Fach als Hauptfach gewählt wird)
  • Iberoromanische Philologie (nur wenn das Fach als Hauptfach gewählt wird),

das Graecum bei den Fächern            

  • Griechische Philologie
  • Lateinische Philologie
  • Klassische Archäologie (nur wenn das Fach als Hauptfach gewählt wird)
  • Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft (nur wenn das Fach als Hauptfach gewählt wird)

In der Regel muss das Latinum bereits bis zur Zwischenprüfung nachgewiesen werden. 

Über Ausnahmen vom Erfordernis des Latinums bzw. Graecums bestimmen § 13 Abs.1 Satz 2 und 3 der Magisterprüfungsordnung:

"Der Magisterprüfungsausschuss kann im Benehmen mit den Prüfern des betreffenden Faches auf Antrag Ausnahmen (...) zulassen, wenn diese Zulassungsvoraussetzungen in besonders gelagerten Einzelfällen für den Bewerber eine besondere Härte bedeuten würden und somit unzumutbar wären. Ein derartiger Härtefall liegt insbesondere vor, wenn es sich um ausländische Studenten nichtdeutscher Muttersprache handelt und neben der Muttersprache zwei weitere Fremdsprachen nachgewiesen werden."       

Für die Promotion zum Dr.phil. wird das Latinum für folgende Fächer verlangt:

  • Vor- und frühgeschichtliche Archäologie
  • Klassische Archäologie
  • Musikwissenschaft
  • Griechische Philologie
  • Lateinische Philologie
  • Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft
  • Geschichte (alle Teilgebiete)
  • Kunstgeschichte
  • Ältere deutsche Philologie
  • Neuere deutsche Literaturgeschichte
  • Volkskunde
  • Galloromanische Philologie
  • Italoromanische Philologie
  • Iberoromanische Philologie
  • Philosophie

und das Graecum bei der Wahl von

  • Lateinischer oder Griechischer Philologie
  • Vergleichender indogermanischer Sprachwissenschaft oder
  • Klassischer Archäologie.

Über Ausnahmen entscheidet der Promotionsausschuss auf Antrag eines seiner Mitglieder.