piwik-script

Intern
    Würzburger Altertumswissenschaftliches Zentrum

    WS 2014/15

    Ringvorlesung im Wintersemester 2014/2015

    Residenzen. Herrschaftssitze und Hauptstädte im Altertum

    Zu den folgenden Vorträgen möchten wir Sie herzlich einladen!

    Ort und Zeit: Toscanasaal in der Residenz (Tor 2A, 2. Etage) jeweils um 18:15 Uhr.

    Montag, den 27. Oktober 2014

    Prof. Dr. Klaus Bieberstein (Universität Bamberg)
    König Salomos Jerusalem. Zwischen fact und fiction

    König Salomon wird in jüdischen, christlichen und muslimischen Traditionen als mächtiger König gerühmt, der seine Hauptstadt mit Palast und Tempel zu höchster Pracht geführt habe.

    Doch die Auswertung der archäologischen Grabungen der letzten Jahrzehnte erfordert einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Rekonstruktion nicht nur der Baugeschichte Jerusalems, sondern der gesamten Frühgeschichte Israels und Judas.

     Montag, den 10. November 2014

    Prof. Dr. Heidemarie Koch (Universität Marburg)
    Persepolis glanzvolles Zentrum des Perserreichs

    Die Perser, ein indo-europäisches Volk, wanderten von Zentralasien in das Gebiet des heutigen Iran ein. Erstmals werden sie 843 v.Chr. in assyrischen Quellen erwähnt. König Kyros (559-530 v. Chr.) konnte ein Reich gründen, das von der Westküste Kleinasiens bis nach Zentralasien und an die Grenzen Indiens reichte. Unter König Dareios (522-486 v.Chr.) erreichte das persische Großreich seine größte Ausdehnung, und seine Gliederung und Verwaltung wurden zu höchster Perfektion ausgebildet. Als glanzvolles Zentrum dieses Riesenreiches ließ Dareios seine Hauptstadt Persepolis erbauen, die nicht nur der Zurschaustellung seiner Macht, sondern gleichzeitig als Sitz der Verwaltung dienen sollte.

    Im Vortrag soll gezeigt werden, wie der Plan der Residenz des Dareios aussah, für dessen Ausführung er Handwerker und Künstler aus vielen Teilen des Reiches einsetzte. So entstand eine völlig neuartige Anlage auf einer hohen Terrasse, dem Ankommenden schon von weither sichtbar. Hunderte von Metern an Relief-Darstellungen, die einst in leuchtenden Farben erstrahlten, lassen ein bis dahin im Orient unbekanntes Herrschaftsideal erkennen. Zum Schluß wird kurz auf die weitreichenden Änderungen der Nachfolger, insbesondere des Xerxes (486-465 v.Chr.), bis hin zu der Eroberung durch Alexander den Großen (336-323 v. Chr.) eingegangen.

    Montag, den 24. November 2014

    Prof. Dr. Stefan Pfeiffer (Universität Halle-Wittenberg)
    Alexandria in Ägypten, Ägypten in Alexandria. Das kulturelle Erbe der Pharaonen in einer griechischen Weltstadt

    Nach dem Tod Alexanders des Großen etablierte sich in Ägypten die Dynastie der Ptolemäer. Aus dem einst strikt sich nach außen abschließenden Ägypten wurde ein Einwanderungsland. Zahlreiche Menschen aus den umliegenden Ländern des Mittelmeers suchten in Ägypten und insbesondere in Alexandria ihre neue Heimat. Anders als heute waren die Menschen mit Migrationshintergrund aber nicht die Unterprivilegierten und Bittstellenden, sie stellten vielmehr die Herrscherschicht des Landes und Alexandria wurde zu einer multikulturellen Metropole.

    In der altertumswissenschaftlichen Forschung findet sich nun häufig die Ansicht, dass Alexandria trotz seiner Lage in Ägypten keine ägyptische Stadt war, man spricht, wie schon in der Antike, gerne von „Alexandria bei Ägypten“, die Stadt sei eine Art griechische Enklave im Land am Nil gewesen. Mit Blick auf die Selbstinszenierung des Herrscherhauses in der Stadt postulieren manche sogar eine Politik „kultureller Apartheid“, die die Ptolemäer betrieben hätten. Anders als in Ägypten wollten die Ptolemäer also in Alexandria selbst nicht ihr Doppelgesicht zeigen und nicht als Pharaonen auftreten.

    Solche apodiktischen Aussagen gilt es, wie es der Titel des Vortrags nahelegt, zu relativieren. Es soll gezeigt werden, dass Ägypten sehr wohl auch in der scheinbar so griechischen Stadt Alexandria im Rahmen der Selbstdarstellung des Königshauses einen gewissen Entfaltungsspielraum besaß.

    Montag, den 8. Dezember 2014

    Prof. em. Dr. Henner von Hesberg (Universität Köln)
    Rom und die Kaiser. Ihre Wohn- und Herrschersitze auf dem Palatin

    Unter den Wohn- und Residenzbauten der römischen Herrscher (principes) auf dem Palatin lassen sich drei unterschiedliche Konzepte unterscheiden. In einer ersten Phase von Augustus bis Claudius bleibt das Vorbild das Haus (domus) der Senatoren, also der Standesgenossen. Unter Nero wird eine radikale Veränderung erkennbar, in der sich das Konzept des Hauses von einer einzelnen Person löst und stärker an die Institution Herrscher gebunden wird. Die Unausgewogenheit in den Intentionen führte zu einem Scheitern, so dass die Domus Transitoria und die Domus Aurea in der Folge aufgegeben wurden. Unter den Flaviern wurde eine neue Vorstellung verwirklicht, in der die Öffentlichkeit in umfassender Weise in die Domus Flavia (Augustana) einbezogen wurde. Diese Lösung behielt bis in die Zeit der Tetrarchen ihre Geltung.

    In dem Vortrag sollen die Konsequenzen für die Gestaltung der Bauten (Raumkonzepte und Dekor) und daraus folgend der Stil der Kommunikation zwischen Herrscher und ihrem jeweiligen Gegenüber betrachtet werden.

    Montag, den 12. Januar 2015

    Prof. Dr. Joseph Maran (Universität Heidelberg)
    Tiryns. Ein mykenisches Machtzentrum Griechenlands

    Die mykenische Burg und Hafenstadt von Tiryns in der Argolis zählt zu den herausragenden Zentren der ostmediterranen Hochkulturen des 2. Jahrtausends v. Chr. Hier wurden vor allem im 13. Jahrhundert v. Chr. architektonische und ingenieurtechnische Glanzleistungen vollbracht, die auch den heutigen Besucher erstaunen lassen.

    Um 1200 v. Chr. ereignete sich dann eine der folgenschwersten politischen Umwälzungen der Geschichte des frühen Griechenlands. Zu dieser Zeit gingen von Thessalien im Norden bis Messenien im Südwesten alle mykenischen Palastzentren in Feuersbrünsten unter, deren Ursachen kontrovers diskutiert und teils in Erdbeben, teils in Kriegshandlungen gesucht werden.
    Daran anschließend verschwanden eindrucksvolle architektonische Werke wie Paläste, kyklopische Befestigungsmauern, Gewölbebauten und ausgedehnte Straßensysteme ebenso wie Schriftlichkeit, Administration und die Herrschergestalt mit dem Titel wanax, von der uns die Schriftzeugnisse der Palastzeit des 14. und 13. Jahrhunderts v. Chr. berichten. Auch der Palast von Tiryns blieb von dieser Zerstörung nicht verschont, doch entwickelte sich der Ort im weiteren 12. Jahrhundert v. Chr., am Beginn der angeblich „dunklen Jahrhunderte“, gegenläufig zu allen anderen vormaligen Zentren, indem er expandierte, als jene einen Niedergang erlitten.

    In dem Vortrag soll eine Synthese der Ergebnisse der alten und neuen Forschungen in Tiryns gebildet und dabei dargestellt werden, wie Erkenntnisse der Ausgrabungen der jüngsten Zeit helfen, die Hintergründe der Sonderstellung des Ortes in den frühen „dunklen Jahrhunderten“ sowie die sozialen und politischen Veränderungen vor und nach 1200 v. Chr. besser zu verstehen.