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Forschung

Kulturelle Sphären

Materielle wie immaterielle Kulturgüter prägen das Selbstverständnis einer Gesellschaft und ihre Praktiken der Kommunikation und Reflexion. Die Erforschung (hoch-)kultureller Sphären wie der Literatur, der Philosophie, der Musik oder der Kunst gehört traditionell zu den wesentlichen Arbeitsgebieten der Geisteswissenschaften. In den vergangenen Jahrzehnten weitete sich der Fokus räumlich wie thematisch. So rückten beispielsweise auch Volkskultur und Alltagskultur, immaterielle Kulturgüter wie oral history und regionale Kulturtraditionen sowie außereuropäische Kulturregionen stärker in den Blickpunkt. Dementsprechend bündelt die Forschung im Profilbereich „Kulturelle Sphären“ ein breites Spektrum an Disziplinen aus der Philosophischen, der Humanwissenschaftlichen und der Katholisch-Theologischen Fakultät und ist sehr facettenreich.

Auch WissenschaftlerInnen und Studierende der verschiedenen Lehramtsstudiengänge der JMU tragen über ein von den Sprachwissenschaften, Geschichte, Geographie bis zu Mathematik, Informatik, den Naturwissenschaften und der Pädagogik reichendes Fächerspektrum, beispielsweise im Rahmen von Promotionen und Zulassungsarbeiten, ganz wesentlich zur Forschung in den Disziplinen wie auch in den Fachdidaktiken und in der Pädagogik bei.

„Bildung und Kommunikation in einer digitalen Welt“ bilden einen hier verorteten Forschungsschwerpunkt der Fakultät für Humanwissenschaften, der deskriptive, präskriptiv-anwendungsorientierte und normativ-analytische Perspektiven auf digital vermittelte Bildungs- und Wahrnehmungsprozesse zusammenführt. Dabei geht es insbesondere um die Rolle der Bildung als zentralem Kulturgut im Kontext der Digitalisierung.

Gerade die international sichtbaren Forschungsleistungen sog. „kleiner Fächer“ unterstreichen den vielseitigen Charakter des Profilbereichs „Kulturelle Sphären“. So umfassen die Forschungsschwerpunkte am Institut für Musikforschung der Philosophischen Fakultät eine große Spannbreite von der lateinischen Musik des Mittelalters über das Leben und Wirken Richard Wagners bis zur Ethnomusikologie und der Musik der Gegenwart. In der Altorientalistik stehen das bronzezeitliche Anatolien und die Religions- und Literaturgeschichte Mesopotamiens im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten. Zur Dokumentation, Analyse und Edition keilschriftlicher Manuskripte werden innovative digitale Methoden eingesetzt.

Am Institut für Philosophie der Humanwissenschaftlichen Fakultät erkunden WissenschaftlerInnen u. a. die kulturellen Wechselbeziehungen zwischen Orient und Europa mit einem besonderen Fokus auf der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte der griechisch-arabisch-lateinischen Tradition.

Die Integration des Faches Geographie in die Philosophische Fakultät der JMU ermöglicht die Basis räumlich-geisteswissenschaftlicher Untersuchungen im Forschungsschwerpunkt „Spatial Humanities, Cultural Heritage and Global Change“. Dabei wird der Begriff „Spatial Humanities“ zum einen ganz breit als raumbezogene Geisteswissenschaften aufgefasst, zum anderen wird auch der engeren Definition Rechnung getragen, bei der die digitalen Formate der Raumdarstellung im Vordergrund stehen. So sollen literarische Werke aus verschiedenen Kulturen und Epochen unter Einsatz von Geoinformationssystem-Daten neu bewertet werden. Darüber hinaus werden vergangene Zukunftsentwürfe städtischer Lebensformen in Bezug auf die historischen Rahmenbedingungen von städtischen Konstrukten der Gegenwart untersucht. Unter „Megastädte als Lebensräume der Zukunft“ werden Methoden der Geographie, der Linguistik und der „Digital Humanities“ transdisziplinär miteinander verbunden, um Abhängigkeitsbeziehungen zwischen physischem und soziokulturellem Raum in urbanen Räumen zu identifizieren, die bevölkerungstechnisch extrem groß und divers sind.

Dieser Forschungsschwerpunkt umfasst unter dem Thema „Cultural Heritage“ darüber hinaus interdisziplinäre Reflexion, Identitäts-/Theoriebildungsprozesse, Erinnerungskulturen und performative Praktiken auf Basis von diskursanalytisch und/oder postkolonial geprägten Ansätzen. Arbeiten betreffen beispielsweise die Veränderung von Naturräumen durch menschliches Handeln am Beispiel der Region Franken. Der „Kulturraum Irland“ wird aus literatur- und kulturwissenschaftlicher sowie sprachwissenschaftlicher Seite beforscht. Darüber hinaus wird Klang als integraler Teil unseres kulturellen Erbes in diesem Forschungsschwerpunkt untersucht.

Die „Local Self-Governance“ bildet einen bereits etablierten Forschungsschwerpunkt in der Philosophischen Fakultät, der auch an der Humanwissenschaftlichen Fakultät verfolgt wird. Da örtliche Selbstorganisierung immer dort vorhanden ist, wo eine größere Zahl von Menschen zusammenlebt, kann sie durch Räume und Epochen hindurch analysiert werden. Mit den „Multispecies Studies“ verfolgt die Europäische Ethnologie Fragen des Zusammenwirkens von Menschen und anderen Lebewesen.

Die Kultur(en) des Westens sind tiefgreifend geprägt durch die christliche(n) Religion(en) und ihre verschiedenen institutionellen und regionalen Ausformungen. So bietet sich der wissenschaftlichen Theologie die besondere Chance, dogmatische, philosophische und ethische Paradigmen neu zu reflektieren und weiterzuentwickeln, um rationale Vertretbarkeit, Inhalts- und Handlungsrelevanz des christlichen Glaubens in einer sich verändernden Welt sichtbar zu machen. Die Katholisch-Theologische Fakultät der JMU macht sich diese Aufgabe u. a. dadurch zu eigen, dass sie unterschiedliche denkformspezifische Modellierungen der Gott-Welt-Relation in theologiehistorischer und/oder in systematisch-theologischer Sicht analysiert bzw. erarbeitet. Einen weiteren Themenschwerpunkt bilden Untersuchungen zur theologischen Grundlegung einer autonomen Ethik im Kontext des christlichen Glaubens. Forschungsthemen der praxisorientierten Fächer der Fakultät mit Bezug zum Profilbereich „Kulturelle Sphären“, wie auch zum Profilbereich „Institutionen, Normen und Verhalten“, betreffen aktuelle kirchliche, rechtliche, soziale, kulturelle und religionsbezogene Transformationsprozesse und die damit einhergehenden Fragen der Pastoral-, Liturgie- und Rechtsentwicklung.