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Forschung

Institutionen, Normen und Verhalten

Institutionen, gesellschaftliche Normen und menschliches Verhalten stehen in enger Beziehung zueinander. Diese Zusammenhänge spannen den Forschungsraum dieses Profilbereichs auf, der insbesondere in der Juristischen, der Wirtschaftswissenschaftlichen, der Humanwissenschaftlichen und der Katholisch-Theologischen Fakultät, aber auch in weiteren Fakultäten (Medizin, Biologie), aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Zur Illustration des Potenzials dieses Forschungsprofilbereichs werden im Folgenden aktuelle und geplante Forschungsarbeiten aus den federführend beteiligten Fakultäten exemplarisch skizziert.

Die Grundbegriffe des liberalen Rechts der Moderne beruhen auf der Annahme, dass sich die sozialen und ökologischen Konsequenzen wirtschaftlichen Handelns auch in den rechtlichen Beziehungen widerspiegeln. Hierzu werden an der Juristischen Fakultät Fragestellungen zu „Social and Sustainable Institutions“ verfolgt. In enger Verknüpfung mit dem Forschungsprofilbereich „Globale Herausforderungen“ werden u. a. Fragen der Energiewende und des Klimaschutzes untersucht. Darüber hinaus ist die Notwendigkeit einer Neujustierung der Grenzen von privatem und öffentlichem Recht, z. B. im Zusammenhang mit Konzepten wie „sharing economy“ oder „circular economy“, Gegenstand der aktuellen Forschung.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt der Juristischen Fakultät beschäftigt sich mit „Justiziellen und quasi-justiziellen Formen der Streitbeilegung“. Aus historischer, theoretischer und vergleichender Perspektive befassen sich die Arbeiten dabei mit den säkularen Veränderungen der westlichen Rechtsnormen infolge von sozioökonomischem Wandel, Transnationalisierung und Internationalisierung, welche das idealtypische Modell der Rechtsdurchsetzung grundsätzlich infrage stellen.

Wesentlicher Forschungsbedarf entsteht in den Rechtswissenschaften durch die fortschreitende Digitalisierung und die verstärkte Nutzung von KI-Methoden sowie in Zusammenhang mit der Globalisierung. Der Forschungsschwerpunkt „Verwaltung und Verwaltungsrecht in Zeiten von Digitalisierung, Ökonomisierung und Internationalisierung“ der Juristischen Fakultät widmet sich diesen Herausforderungen, denen Verwaltung und Verwaltungsrecht in der kommenden Dekade ausgesetzt sein werden. Im Forschungsschwerpunkt „Freiheit, Sicherheit und Recht im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung“ werden Fragestellungen untersucht, die sich durch die digitale Transformation für die Rechtwissenschaft ergeben. Hier stehen beispielsweise Fragen der strafrechtlichen Verantwortbarkeit sowie der Missachtung geistigen Eigentums, aber auch der Wahrung staatlicher Sicherheitsinteressen sowie der Cyberkriminalität und ihrer strafrechtlichen Verfolgung im Fokus.

Im Forschungsschwerpunkt „Geld und Finanzen“ der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät werden Veränderungen des Geld- und Finanzsystems erforscht. Ziel ist die forschungsbasierte Ableitung wirtschaftspolitischer Empfehlungen unter Berücksichtigung der mikro- und makroökonomischen Ebenen und ihrer Wechselwirkungen. Neben der Verortung im Profilbereich „Institutionen, Normen und Verhalten“ tragen die Arbeiten dieses Schwerpunkts ebenfalls wesentlich zu den Forschungsprofilbereichen „Digitalität, Datenwissenschaften und Algorithmen“ und „Globale Herausforderungen“ bei.

Menschen sind ihrer Natur nach auf das Leben in sozialen Gemeinschaften ausgelegt. Im Forschungsschwerpunkt „Sozialverhalten“ untersuchen beispielsweise WissenschaftlerInnen des Instituts für Psychologie der Fakultät für Humanwissenschaften die These, dass sich im Rahmen der evolutionären Selektion psychische Prozesse entwickelt haben, die spezifisch das Leben in sozialen Gemeinschaften erleichtern. Hierzu wird u. a. zu den grundlegenden Mechanismen der Verhaltenssteuerung in Zusammenhang mit erfolgreicher Koordination zwischen Menschen geforscht, wie auch zu Mechanismen, durch die Menschen soziale Signale bevorzugt wahrnehmen und zu den kognitiven und biologischen Grundlagen moralischer Reaktionen.

Im Forschungsschwerpunkt „Psychische Gesundheit in Pädagogischen Settings“ der Fakultät für Humanwissenschaften werden präventive Maßnahmen zur Reduzierung psychischer Probleme im schulisch-pädagogischen Kontext von PsychologInnen, PädagogInnen und ExpertInnen der Mensch-Computer-Interaktion in Kooperationen mit Psychiatern und Epidemiologen der Medizinischen Fakultät adressiert.

WissenschaftlerInnen aus der Politikwissenschaft und Soziologie, der Evangelischen Theologie, der Sonderpädagogik, der Psychologie und der Pädagogik arbeiten im Schwerpunkt „Diversity“ der Humanwissenschaftlichen Fakultät an Fragestellungen zur Umsetzung von Chancengleichheit bzw. der Kompensation von sozialer Ungleichheit, um basierend auf empirischen Studien Strategien zu entwickeln, die dazu beitragen sollen, ungleiche Lebenschancen in unterschiedlichen Lebensbereichen zu reduzieren und stattdessen Vielfalt zur Verbesserung von gesellschaftlicher Entwicklung zu nutzen. In den letzten beiden Jahrtausenden hat das Christentum wesentlich zur Ausbildung von Institutionen, Normen und Verhalten in Europa beigetragen. In der Historischen Theologie werden an der Katholisch-Theologischen Fakultät interaktionstheoretische und strukturtheoretische Ansätze verfolgt. Interaktionstheoretische Ansätze betreffen beispielsweise das Verhältnis von Landesherrschaft zum geistlichen Wirken in der Gesamtschau der staatlichen, sozialen, ökonomischen, kirchlichen und religiösen Entwicklungen. Das Verhältnis von Kirche, Staat, Wissenschaft und Gesellschaft seit der Aufklärung wird mit Fokus auf die Säkularisation und katholischen Reaktionen auf Säkularisierungsvorgänge analysiert. Katholische Schriftstellerinnen in der Modernismuskontroverse sowie Katholische Theologie und Kirche im Nationalsozialismus stellen weitere Beispiele für Forschungsthemen in diesem Forschungsprofilbereich dar.