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Forschungsstelle Deutscher Orden

Seelenheil und Ritterehre

24.07.2019

Die Identität des Deutschen Ordens im Spiegel seiner Symbolhandlungen, DFG Projektnummer 376776809

Porträt Nicholas W. Youmans
Porträt Nicholas W. Youmans

Mit dem Projekt wird das Ziel verfolgt, die doppelte soziokulturelle Einbindung der geistlichen Ritterorden am Beispiel des Deutschen Ordens näher zu beleuchten, deren Mitglieder sowohl zum Stand der Kämpfenden als auch dem der Betenden zählten. Forschungsleitend ist dabei die Annahme, dass aus der ständischen Dualität der geistlichen Ritterorden, die jeweils verschiedene Funktionen wie Leitideen umfasste, ein institutionelles Spannungsfeld erwuchs, das seien Ausdruck in simultanen Symbolhandlungen fand. Dessen Untersuchung stellt den Kern des Projektes dar. Durch sie soll ein Beitrag zur Klärung der Frage nach der Identität dieser hybriden Orden innerhalb des Spektrums mittelalterlicher Gemeinschaftsformen geleistet werden. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass vor allem der Deutsche Orden aufgrund seiner ausgeprägten Institutionalität, die auch eine umfängliche Landesherrschaft einschloss, sowie seines einst hohen identitätsstiftenden Renommees geeignet ist für eine exemplarische Analyse symbolischen Handelns in geistlichen Ritterorden und er wegen seines vergleichsweise überschaubaren Quellenbestandes sichere Resultate in dem begrenzten Rahmen der Projektdauer verspricht.

Es lassen sich bei der Projektarbeit zwei spezifische, dennoch sich durchaus auch überschneidende Dimensionierungen symbolischen Handelns herausschälen: repetitive Rituale und einmalige performative Akte. Dabei wird davon ausgegangen, dass Rituale und performativen Akte der geistlichen Ritterorden auf übergeordnete Leitideen sowohl des Mönchs- als auch des Ritterstands verweisen.

Um die geplante analytische Deutungslinie des Projekts forschungspragmatisch sinnvoll zu gestalten, sollen bestimmte funktionelle Wirkmechanismen symbolischen Handelns unterschieden werden. Hierbei scheinen folgende Typen in besonderer Weise geeignet: Gemeinschaftliche symbolische Handlungen können zu einem Selbstvergewisserungseffekt beitragen bzw. ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln. Einen der sichersten Wege zur dauerhaften Legitimitätsbehauptung im Mittelalter stellt die Identitätsstiftung durch bereits etablierte Legitimationsmuster dar. Wiederum andere Symbolhandlungen zeigen das enorme Potential der Ritterorden zur Konstruktion eines ordensimmanenten Legitimationsmusters. Weiterhin erbringen symbolische Handlungen bedeutende interne Integrations- und Stabilisierungsleistungen. Ebenso erfolgt symbolisches Handeln durch Abgrenzung vom und Delegitimation des Anderen. Nicht zuletzt handelt es sich um eine Form der (repräsentativen) Interaktion mit der Außenwelt.

Nach erster Sichtung des Materials ist erkennbar, dass die symbolischen Handlungen entweder das Ritter- oder das Mönchsein, aber auch beide Identitätsmodelle gleichzeitig betreffen. Durch eine Untersuchung dieser verschiedenen Bezüge kann ein besseres Verständnis der personellen und damit auch funktionalen Eigenart des Deutschen Ordens und - im breiteren Sinne - der geistlichen Ritterorden allgemein gewonnen werden.

Von Nicholas W. Youmans

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