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Ein Student als Rektor

Wie ein 13-jähriger zum Rector Magnificus wurde

Teil 3 von 7

Fürstbischöfe und die hohe Würzburger Geistlichkeit dominierten unter den Rektoren der ersten Jahrhunderte. Knapp 20 Jahre nach der Wiedereröffnung kam es jedoch zur spektakulären Wahl eines 13-jährigen Studenten an die Spitze der Universität, der später europaweit Schlagzeilen machen sollte und die Geschichte Russlands verändert hat.

Besonders viele polnische Studenten besuchen Würzburg

Nach ihrer Wiedereröffnung entfaltete die Würzburger Universität bald internationale Anziehungskraft. Ab 1593 schrieb sich jedes Semester eine größere Gruppe polnischer Studenten ein, die in den Jahren 1593–1619 fast 7% der Neuimmatrikulationen ausmachten. Die tatsächliche Zahl polnischer Studenten lag jedoch höher. Insbesondere Mitglieder des Hochadels trugen sich nachweislich nicht in die Matrikel ein, da sie aufgrund ihres hohen Standes der Privilegierung und des besonderen Schutzes der Universitätsangehörigkeit nicht bedurften.

Der einzige Student auf dem Rektorenstuhl

Auch im Falle des 1601 gewählten Rektors „Nicolaus de Magna Concice Mnischek Palatinides Sendomiriensis“, des einzigen Studenten im Rektorenamt, erfolgte die Immatrikulation erst am Tag seiner Wahl, da die Einschreibung unumgängliche Voraussetzung für das Amt war.

Politische Unruhen rund um die russische Zarenfamilie

Bei dem polnischen Studentenrektor, der bei seiner Wahl 13 oder 14 Jahre alt war, handelt es sich um Mikołaj Mniszech, den Bruder der späteren russischen Zarin Marina. Mikołajs Vater, der Woiwode* von Sandomierz, betrieb im russischen Bürgerkrieg nach dem Tode Ivans des Schrecklichen mit Unterstützung zahlreicher polnischer Adliger zwei Mal die Krönung eines mit seiner Tochter verheirateten angeblichen Thronerben („falsche Dimitris“) zum Zaren. In dieser „Zeit der Wirren“ gelang 1605 die Eroberung Moskaus, einige Zeit später wechselte das Kriegsglück und die Familie Mniszech wurde für einige Jahre eingekerkert. Noch einmal konnten die Mniszechs die Geschicke zu ihren Gunsten wenden und weite Teile Russlands unter ihre Kontrolle bringen. Am Ende gingen jedoch die Romanows siegreich aus dem Thronstreit hervor. Mikołaj Mniszech, sein Bruder Zygmunt, der ebenfalls in Würzburg studiert hatte, sowie sein Vater und seine Schwester die Zarin Marina mit ihrem Sohn kamen in diesen Auseinandersetzungen 1613/14 ums Leben.

Mit der Wahl eines polnischen Magnatensohnes zum Rektor würdigte die Universität die besondere Bedeutung der polnischen Studenten und schuf zugleich einen verstärkten Anreiz zum Studium in Würzburg. Tatsächlich steigerte sich in den Folgejahren der Besuch polnischer Studenten. Der Dreißigjährige Krieg und die Kriege Polens mit Schweden und Russland beendeten diese Phase aber und Mniszech blieb als einziger Student, der in Würzburg das Amt des Universitätsrektors innehatte, eine kuriose Ausnahme.

* Der Begriff „Woiwode“ bezeichnete im Allgemeinen einen Heerführer und wurde im Besonderen für einen slawischen Adelsrang unterhalb eines Fürsten (Knjaz) oder für einen Militärstatthalter genutzt, vergleichbar mit dem Titel eines germanischen Herzogs. An der Militärgrenze zum Osmanischen Reich war der Woiwode der Kommandant einer 50 Mann zählenden Abteilung von Militärdienstpflichtigen, die sich aus der Grenzbevölkerung rekrutierten. Eine solche Einheit bezeichnete man als „Woiwodschaft“.