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    Prof. Dr. Peter Hoeres - Lehrstuhl für Neueste Geschichte

    10/01/2013

    Er beschäftigt sich mit der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts – mit einem Schwerpunkt auf einem noch nicht allzu oft vertretenen Fach: der Mediengeschichte. Seit Oktober ist Peter Hoeres neuer Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg.

    Wie beeinflussen Medien und öffentliche Meinung die Geheimdiplomatie? Dieser Frage geht Peter Hoeres nach. (Foto: Hannah Lebershausen)

    Für die einen ist er ein Geheimnisverräter, der seinem Staat geschadet hat. Für die anderen ist er ein Held, der die Wahrheit an die Öffentlichkeit getragen hat: der WikiLeaks-Informant Bradley Manning. Vor kurzem hat ein US-amerikanisches Militärgericht Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt, weil er vor mehr als drei Jahren rund eine Viertelmillion geheimer Dokumente an WikiLeaks weitergegeben hatte, darunter auch ein Video, das zeigt, wie die Crew eines US-Kampfhubschraubers im Irak Jagd auf Zivilisten macht.

    Wie geheim darf Diplomatie sein?

    „Diese Veröffentlichung von amerikanischen Depeschen auf der Plattform WikiLeaks hat den Widerstreit zwischen einem radikalen Publizitätsanspruch und der fortdauernden staatlichen Geheimpolitik wieder ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt“, sagt Peter Hoeres, Historiker und seit Oktober neuer Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg. Hoeres interessiert sich für die Frage, inwieweit die einstige Geheimdiplomatie im Laufe der Zeit zum Gegenstand öffentlicher Erörterungen wurde und wie stark die öffentliche Meinung diese Prozesse beeinflusst hat.

    In seinem Buch „Außenpolitik und Öffentlichkeit“ untersucht der Wissenschaftler diesen Widerstreit genauer. Sein Fokus richtet sich dabei auf die Rolle von Massenmedien, Meinungsforschung und Geheimpolitik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen von Erhard bis Brandt. In dem Buch stellt Hoeres das Spannungsverhältnis von Geheimpolitik und Geheimnisverrat, von den Ansprüchen der Öffentlichkeit und denen der Diplomatie in einen historischen Rahmen.

    Medien konstruieren ein Bild von Geschichte

    „Medien konstruieren nicht nur unser Bild von Geschichte, sondern sie strukturieren unseren Alltag, erschließen uns Politik, Kultur und Wirtschaft und verbinden uns mit entfernten Regionen“, sagt Hoeres. Den Prozess der Medialisierung zu erforschen und damit aktuelle Entwicklungen zu perspektivieren, sei deshalb eine wesentliche Aufgabe des Medienhistorikers.

    Wie kommt ein Historiker dazu, sich mit dem Einfluss der Medien auf politische Prozesse zu befassen? „Ich habe längere Zeit an einem Lehrstuhl für Fachjournalistik Geschichte an der Universität Gießen gearbeitet und diesen dann auch geleitet. Dabei habe ich eine spezifische Kompetenz an der Schnittstelle von Geschichte und Journalismus erworben“, erklärt Hoeres.

    Vom ersten Foto zum Internet

    Selbstverständlich nimmt das Thema auch in Hoeres‘ Lehrangebot einen zentralen Platz ein. „Im Wintersemester steige ich mit einer Vorlesung ein, die den Bogen von der Erfindung der Fotographie bis zum Netz 2.0, dem Internet als Lebens- und Arbeitswelt schlägt“, sagt er. Und was die Forschung betrifft: Da sitze er unter anderem gerade an einem Antrag für ein Projekt, das unter der Überschrift steht: „Geschichte eines Leitmediums. Politischer Journalismus, Wirtschaftsjournalismus und Geschichtspolitik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Außerdem beschäftigt er sich mit der Präsentation von Geschichte im Internet, etwa auf den Seiten von Wikipedia, die eine große Deutungsmacht errungen haben.

    Neben der Mediengeschichte vertritt Peter Hoeres im Rahmen seiner Professur für Neueste Geschichte die internationale Geschichte mit einem transatlantischen Schwerpunkt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Internationale Beziehungen, der Kultur- und Ideengeschichte. In diesem Zusammenhang richtet sich sein Blick bereits auf das kommende Jahr: „2014 steht die hundertjährige Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges an, mit dem ich mich bereits in meiner Dissertation über die deutschen und britischen Kriegsdeutungen beschäftigt habe“, sagt er. Zum Gedenkjahr will er deshalb auch einiges beisteuern.

    Zur Person

    Peter Hoeres (*1971) stammt aus Frankfurt/Main. Er studierte von 1992 bis 1997 Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Frankfurt und Münster. 2002 schloss er seine Promotion mit der Studie „Krieg der Philosophen. Die deutsche und die britische Philosophie im Ersten Weltkrieg“ an der Universität Münster ab. 2011 folgte die Habilitation mit einer Arbeit über „Außenpolitik und Öffentlichkeit. Massenmedien, Meinungsforschung und Arkanpolitik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen von Erhard bis Brandt“. Das Werk ist soeben im Oldenbourg Verlag erschienen und wird am 4. November im Auswärtigen Amt der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr Informationen dazu

    2010 war Peter Hoeres Research Fellow am German Historical Institute in Washington. Weitere Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere waren 2011/12 die Vertretung der Professur für Fachjournalistik Geschichte an der Universität Gießen und seit dem Wintersemester 2012/13 die Vertretung der Professur für Neueste Geschichte an der Universität Mainz. Seit dem 1. Oktober 2013 ist Peter Hoeres Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

    Kontakt

    Prof. Dr. Peter Hoeres, T: (0931) 31-80464, peter.hoeres@uni-wuerzburg.de

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