piwik-script

Deutsch Intern

    Innovationspreis für Würzburger Studierende

    09/21/2006

    Wenn Touristen in Würzburg über den Marktplatz bummeln und sich fragen, vor welcher Kirche sie eigentlich gerade stehen, kann es sein, dass sie in Zukunft nur noch ihr Handy zücken müssen. Das Gerät weiß dank GPS und Netzbetriebsdaten, wo sich sein Nutzer befindet, und liefert die gewünschten Informationen über die Marienkirche.

    Wenn die Besucher Hunger haben, können sie auf dem gleichen Weg Informationen über nahe gelegene Restaurants abrufen. Dank der Kommentare, die andere Besucher zu den Lokalen hinterlassen haben („zu teuer“ –  „unfreundliches Personal“ – „gemütliches Ambiente“) entscheiden sie sich für ein Restaurant und lassen sich eine Wegbeschreibung schicken.

    Solche Szenarien sind noch Zukunftsmusik. Dass diese Zukunft nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt, daran arbeitet ein Team Würzburger Informatikstudenten. Doris Aschenbrenner, Christopher Plunkte und Manuel Stahl haben zusammen mit dem Kölner BWL-Studenten Christoph Günther ein „dynamisches und ortsbasiertes Netzwerk für mobile Endgeräte“ entwickelt. Ihr Projekt, das den Namen „zettelwelten“ trägt, hat jetzt den zweiten Preis beim bundesweiten Ideenwettbewerb „Mobile2morrow“ des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik erhalten. Am 20. September haben die Studierenden in Dortmund ihren Preis für „neue Lösungen für die Mobilität von morgen“ erhalten. Unterstützt wurden sie vom Lehrstuhl für Informatik III „Verteilte Systeme“.

    Als „Location Based Service“, ortsbasierender Dienst, bezeichnet der Fachmann ein Projekt wie „zettelwelten“. Das Prinzip ist einfach: „Mit einem mobilen Endgerät, zum Beispiel einem Handy, kann sein Besitzer digitale Nachrichten, so genannte „zettel“ an beliebigen Orten hinterlassen und wieder abfragen, wenn er sich in der Nähe dieses Ortes befindet“, erklärt Manuel Stahl. Vergleichbare Techniken gibt es heute schon. Das neue an dem Würzburger Modell ist: Die „zettel“ können von jedem Nutzer neu erstellt oder bearbeitet werden – ähnlich wie die Einträge in der Online-Enzyklopädie Wikipedia, wo jeder Artikel einstellen oder verändern kann.

    Diese Grundidee ermöglicht zahlreiche Anwendungen: Privatnutzer können auf die unterschiedlichsten Dienste zurückgreifen, wie zum Beispiel einen Kneipenführer, einen Stadtplan oder Verkehrs- und Stauinformationen. Kommerzielle Anbieter können in direkter, räumlicher Nähe zu ihrem Angebot eine Werbeanzeige schalten – und damit ganz nebenbei das Projekt finanzieren. Für den privaten Nutzer bleibt der Service somit – abgesehen von den Netzgebühren – kostenlos. Die Möglichkeiten der „zettel“ ist nahezu grenzenlos: „Im Prinzip ist jede Anwendungen denkbar; die Beschränkung liegt allein in der Phantasie der Nutzer“, sagt Doris Aschenbrenner. Aus Sicht des Fraunhofer-Instituts ist diese Innovation zukunftsträchtig und trägt zur Steigerung der Mobilität bei.

    „zettelwelten“ entstand im Rahmen der Vorlesung „Professionelles Projektmanagement in der Praxis“, gehalten von Harald Wehnes. „Die Idee gab es aber schon früher und wir haben sie einfach mal eingereicht“, so die Entwicklerin Doris Aschenbrenner. Das Team hatte zunächst aktuelle Entwicklungen und Trends der Telekommunikation betrachtet und kombiniert und dann seine Idee innerhalb eines Semesters um gesetzt. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir es schaffen“, meinte Christopher Pluntke dazu.

    „Professionelles Projektmanagement in der Praxis“ ist eine gemeinsame Lehrveranstaltung der Würzburger Professoren Margit Meyer(BWL/Marketing) und Phuoc Tran-Gia (Informatik). Die Teilnehmer sollten in die Lage versetzt werden, erfolgreich in Projekten mitzuarbeiten und kleinere Projekte selbstständig durchzuführen.

    Eine Umsetzung außerhalb der Universität wünscht sich auch das Fraunhofer-Institut: „Die prämierten Lösungen sollen im Anschluss an den Wettbewerb exemplarisch realisiert und nach Möglichkeit zu marktfähigen Produkten weiterentwickelt werden“, so die Wettbewerbsleiter. Erste Geschäftskontakte haben die Würzburger Entwickler schon geknüpft.

    Mehr Infos gibt es unter www.zettelwelten.de. Dort können sich Interessierte auch die „zettelwelten“-Handyapplikation herunterladen. Infos über den Preis, der den Studenten verliehen wurde, gibt es hier: www.mobile2morrow.de

    Back