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    Bibliothekarische Sensation wieder in Würzburg

    09/28/2006

    Es ist kreisrund, mehr als 400 Jahre alt und das einzige bekannte Werk seiner Art: Ein Sammelband aus der Hofbibliothek Julius Echters. Lange war das Buch verschollen; erst vor kurzem ist es in den USA wieder aufgetaucht; jetzt hat es die Universitätsbibliothek Würzburg auf einer Versteigerung in New York gekauft.

    Ein Buch aus Julius Echters Bibliothek
    Kreisrund und mehr als 400 Jahre alt ist die Neuerwerbung der Unibibliothek Würzburg.

    Das Bietergefecht bei Christie`s in New York war lang und heftig; am Ende erhielt Würzburg den Zuschlag bei einem höheren fünfstelligen Dollarbetrag. Damit war die Universitätsbibliothek um einen Schatz reicher: ein einzigartiges Buch aus Würzburger Provenienz, das einst zur Hofbibliothek des Würzburger Fürstbischofs und Gründers der Universität Würzburg Julius Echter von Mespelbrunn (1545 bis 1617) gehört hatte.

    Der einzige bekannte kreisrunde Einband aus der Renaissance
    In dem Sammelband finden sich fünf Drucke aus den Jahren 1569 bis 1570; doch der Inhalt ist es nicht, was das Buch für die potenziellen Käufer so attraktiv machte. In diesem Fall war die Form ausschlaggebend: Bei dem Objekt handelt es sich um den einzigen bekannten kreisrunden Einband der Renaissance – ein wenig ähnelt es in seiner Gestalt einer Torte. Auf dem vergoldeten und farbig bemalten Buchschnitt ist das fürstbischöfliche Wappen zu sehen, der Einband ist ein Werk von Gregor Schenk dem Jüngeren, der seit 1572 bis 1574 und dann wieder ab 1585 bis 1588 als Hofbuchbinder für Julius Echter in Würzburg tätig war. Der Verbleib des Bandes war seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts unbekannt, ehe er jetzt als Teil einer bedeutenden kulturhistorischen Sammlung in den USA wieder auftauchte.


    Unter normalen Umständen wäre die Unibibliothek wohl nicht in der Lage gewesen, das Buch zu einem solchen Preis zu ersteigern. Glücklicherweise konnte jedoch Walter Eykmann, Landtagsabgeordneter und Professor an der Uni Würzburg, die Bayerische Landesstiftung dazu bewegen, den Aufkauf finanziell zu unterstützen. So war binnen einer Woche das nötige Geld für die Ersteigerung gesichert. Den Erfolg bei der Versteigerung verdankt die Universitätsbibliothek Würzburg außerdem Dr. Claudia Fabian, der Leiterin der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek München, die telefonisch erfolgreich mitgeboten hat.

    Rückkehr an den alten Standort
    Seit einigen Tagen befindet sich das runde Buch wieder in Würzburg – und damit in guter Gesellschaft: Mehrere von Gregor Schenk angefertigte Einbände stehen schon in den Regalen der Universitätsbibliothek. Schließlich ist die Rekonstruktion der Hofbibliothek Julius Echters, die durch die Schwedische Armee im Dreißigjährigen Krieg geplündert wurde, ein wichtiges Anliegen der UB. Schon mehrfach waren die Echter-Bibliothek und die Einbände des Gregor Schenk Forschungsgegenstand von Würzburger Wissenschaftlern und Bibliothekaren, so zuletzt anlässlich der Ausstellung „Abklatsch, Falz und Zwiebelfisch: 525 Jahre Buchdruck und Bucheinband in Würzburg“ im Jahr 2004. Weitere Forschungen zur Echter-Bibliothek in Kooperation mit schwedischen und englischen Bibliotheken sind in Planung. Somit handelt es sich bei dem runden Buch nicht nur um eine einbandtechnische Kuriosität, sondern zugleich um ein für Würzburg ideell und materiell hoch bedeutendes Forschungsobjekt.


    Jetzt hat Öffentlichkeit erst einmal die Gelegenheit, das Werk zu betrachten. Vom kommenden Freitag, 29. September, ab wird es auf der Würzburger Festung im Fürstenbaumuseum präsentiert und kann dort bis Ende Oktober besichtigt werden. Damit kehrt der Band – zumindest für ein paar Wochen – in die Räume, in denen die Hofbibliothek Julius Echters ursprünglich untergebracht war, zurück. Danach wandert das Rundbuch in die Handschriftenabteilung der UB und wird zum Forschungsgegenstand.

    Ansprechpartner: Dr. Karl Südekum, T: (0931) 888-5942; Mail: karl.suedekum@bibliothek.uni-wuerzburg.de

    By Gunnar Bartsch

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