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    Beeindruckt von den historischen Handschriften

    02/27/2008

    Sie durfte das Kiliansevangeliar ganz aus der Nähe anschauen – das Symbol für die Christianisierung und den Beginn der Buchkultur in Franken schlechthin. Auch die Paulusbriefe und das Matthäusevangelium betrachtete Mary McAleese mit großem Interesse: Während sich die Iren auf die Volksabstimmung über den Reformvertrag der Europäischen Union vorbereiten, knüpft ihre Präsidentin neue Kontakte und wandelt auf den Spuren jahrhundertealter, tief verwurzelter Bindungen zwischen Irland und Europa. Im Rahmen ihres dreitägigen Aufenthalts in Deutschland besuchte die irische Präsidentin Mary McAleese am 27. Februar auch die Universität Würzburg. Dabei legte sie großen Wert darauf, in der Universitätsbibliothek die historischen Handschriften aus dem sechsten bis neunten Jahrhundert, der Zeit der Missionierung Mainfrankens durch die aus Irland stammenden Frankenapostel um Kilian, Kolonat und Totnan, zu besichtigen.

    Die irische Präsidentin Mary McAleese beim Betrachten des Matthäusevangeliums mit Dr. Hans-Günter Schmidt, dem Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Universitätsbibliothek, und Staatsministerin Christa Stewens. Foto: Margarete Pauli
    Mary McAleese (Mitte) beim Betrachten des Matthäusevangeliums mit Dr. Hans-Günter Schmidt (rechts), dem Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Universitätsbibliothek. Staatsministerin Christa Stewens (links) begleitete als Stellvertreterin des Bayerischen Ministerpräsidenten die irische Präsidentin. Foto: Margarete Pauli

    Begrüßt wurde Mary McAleese vom Präsidenten der Universität Würzburg, Professor Axel Haase, und von Dr. Karl Südekum, dem Direktor der Universitätsbibliothek. Darin sprach Axel Haase auch von der sehr einflussreichen Beziehung zwischen Irland und Würzburg. Eine Beziehung, die die ganze Region beeinflusst habe – auch die Universität.

    Tatsächlich kam mit dem Christentum auch die lateinische Buchkultur der katholischen Kirche nach Franken, wie Dr. Hans-Günter Schmidt, der Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke, der irischen Präsidentin erläuterte. „Insofern sind die irischen Missionare des sechsten bis neunten Jahrhunderts auch Vermittler und Lehrer der spätantiken Kultur in Mitteleuropa.“

    Gerade auch davon zeigte sich Mary McAleese sehr beeindruckt. „Es ist sehr bewegend“, sagte sie beim Betrachten der Paulusbriefe, „wie diese Leute hier her kamen: Sie sind zu Fuß gekommen – mit dem Buch unter dem Arm. Sie brauchten viel Mut. Sie sind gekommen, um ihr Wissen, ihre Wissenschaft, zu teilen.“

    So sind die Paulusbriefe eines der wichtigsten Zeugnisse für die irische Kloster- und Buchkultur des achten Jahrhunderts. Weltweit, erklärte Bibliotheksmitarbeiterin Kerstin Dößel, gibt es keine andere Handschrift, „die so deutlich die wissenschaftliche Arbeitsweise dieser frühen Zeit widerspiegelt“. Das im achten Jahrhundert in Irland geschriebene Manuskript war von Anfang an als wissenschaftliche Handschrift angelegt – zweispaltig, mit viel Raum für Anmerkungen und Notizen. Bei den Paulusbriefen zum Beispiel waren es drei irische Mönche, die die verschiedenen Aspekte des Textes kommentierten und mit anderen Texten verglichen. Die Anmerkungen weisen zudem mit die frühesten Zeugnisse der altirischen Sprache auf.

    Beim Matthäusevangelium wiederum  - die dritte Handschrift, die Mary McAleese gezeigt wurde – begegnet man einer anderen Form der wissenschaftlichen Kommentierung. Der Handschrift sind eine Vielzahl von Kommentarzetteln beigeheftet, die in längeren Passagen Querverweise und Vertiefungen des Haupttextes bieten. Der Zettel mit der Nummer 29 zum Beispiel kommentiert die Erwähnung des Osterfestes mit Hinweisen zur Berechnung des kalendarischen Datums.

    Zum Abschluss ihres Besuches bedankte sich Mary McAleese bei der Universität, dass sie dieses irische Erbe so fürsorglich bewahre und trug sich ins Gästebuch ein. Auf dem weiteren Programm der Präsidentin in Würzburg stand unter anderem die Besichtigung der Kiliansgruft, des Doms und der Alten Mainbrücke.

     

    Tauschen sich über Handschriften aus dem frühen Mittelalter aus (von links): Dr. Hans-Günter Schmidt, der Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke, Universitätspräsident Professor Axel Haase, Würzburgs Oberbürgermeisterin Pia Beckmann und die Präsidentin von Irland Mary McAleese mit ihrem Ehemann Dr. Martin McAleese. Foto Margarete Pauli

    By Margarete Pauli

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