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    Von "obbedobbe" nach "unnehin"

    03/24/2015

    Beim Schülertag des Unterfränkischen Dialektinstituts drehte sich alles um die Verbindung von Dialekt und neuen Medien. Zehn Schulklassen stellten ein besonderes Wort aus ihrer Heimat in Videoform vor, die besten Beiträge wurden ausgezeichnet.

    Die Schüler arbeiteten beim Schülertag an Stationen rund um das Thema Dialekt. (Foto:Patricia Schätzler)
    Die Schüler arbeiteten beim Schülertag an Stationen rund um das Thema Dialekt. (Foto:Patricia Schätzler)

    Am Schülertag des Unterfränkischen Dialektinstituts war der Hörsaal im Philosophiegebäude der Universität Würzburg voll. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden Wolf Peter Klein, gab Dr. Monika Fritz-Scheuplein, ebenfalls vom Unterfränkischen Dialektinstitut, einen kurzweiligen Einblick über die Dialektforschung in Unterfranken.

    Videos erklären sprachliche Besonderheiten

    Statt nur zuzuhören, bearbeiteten die Achtklässler auch selbst Arbeitsaufträge und gingen an verschiedenen Stationen den Dialekten in Unterfranken auf den Grund. Ein besonderer Fokus lag darauf, wie Dialekt und andere sprachliche Besonderheiten in den neuen Medien, wie beispielsweise Facebook oder WhatsApp, auftauchen. Im Unterricht hatten die Schüler zuvor die sprachlichen Besonderheiten ihrer Region untersucht und in Form von Videos dargestellt. Diese Videos stehen nun zu Bewertung an.

    Die Jury, bestehend aus Professor Wolf Peter Klein und Professor Matthias Schulz vom Dialektinstitut,  Roland Baumann und Sara Sophie Schmitt von der Main-Post, musste sich zwischen sehr unterschiedlichen Beiträgen entscheiden. Insgesamt zeichnete sie sechs Klassen mit verschiedenen Preisen für ihre kreativen Ideen aus. Sieger war das Video "Kolder" der Klasse 8b des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld.

    Die Super Grannys sahnen ab

    Angelehnt an das Fernsehformat "Super Nanny" gingen die "Super Grannys" der Herkunft des Wortes „Kolder“ auf den Grund: Aus dem lateinischen von "culcita", für Kissen, Polster oder Matratze abgeleitet, findet man das Wort „Kolter“ bereits im Buch Judith im Alten Testament und im Nibelungenlied wieder.

    Was nun eine Kolder ist, wurde spätestens klar, als eine so im Fränkischen umschriebene Wolldecke in Zeitlupe durchs Bild flog. Der Gewinn der Gymnasiasten ist eine Führung durch das Funkhaus Würzburg und eine Live-Moderation bei den "Charivari-Muntermachern".

    Selbstgemachte Wissenssendungen zur Konsonantenschwächung

    Am Aufbau einer Fernsehsendung orientierten sich auch die Klasse 8c vom Celtis-Gymnasium Schweinfurt und die 8a des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld. Die Schüler der 8c wählten die Sendung mit der Maus. Maus und Elefant halfen zu erklären, wie aus „pappen“ schließlich durch die binnendeutsche Konsonantenschwächung vom p zum b, das unterfränkische "Babberle" zustande kam.

    Dem "Grumbernsaload" aus Michl Müllers gleichnamigem Lied widmete sich die Sendung "Wissen macht 8a". Neben Tipps zur Zubereitung dieses Kartoffelsalates wurde auch die Verbreitung der Dialekt-Hochs im Wetterbericht gezeigt. Zur Belohnung geht es für die Klasse des Celtis-Gymnasiums zur Main-Post und für die 8a aus Elsenfeld ins Studio zum Bayerischen Rundfunk Mainfranken.

    "Gaggerla" ist kein Huhn

    Einen unterhaltsamen Clip zum Wort "Gaggerli" präsentierte die 8d des Celtis-Gymnasiums Schweinfurt. Denn auch wenn Gaggerli, Plural von Gaggerla, in Unterfranken Eier sind, wird dieses Wort in anderen Regionen Deutschlands lautmalerisch für das Huhn verwendet. Ob die Gaggerli in der Kinder- und Jugendliteratur vorkommen, können die ausgezeichneten Schüler bei der Betriebsführung beim Arena-Verlag herausfinden.

    Dem Ursprung des Wortes "Moggerle" ging die 8d des Gymnasiums Gerolzhofen auf den Grund. Der Kosename leitet sich aus dem keltischen Begriff "Mocke" für Zuchtschwein ab. Für diese Erklärung, untermalt mit Interviews, erhielt die Klasse einen Satz Bücher aus dem Echter-Verlag.

    Rapunzel in Aschaffenburg

    Schließlich ging auch die Klasse 8b vom Dalberg-Gymnasium Aschaffenburg nicht leer aus und darf demnächst hinter die Kulissen des Mainfranken Theaters schnuppern. Denn auch wenn sich die Schüler nicht nur ein Wort, sondern den Ausdruck "von obbedobbe nach unnehin" vornahmen, konnten sie mit ihrem Video die Jury überzeugen. Schließlich sagte in Aschaffenburg schon der Prinz aus einem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm "Rapunzel, lass dein Haar von obbedobbe nach unnehin."

    Mehr über das Thema Sprache in neuen Medien gibt es im Artikel "Läuft bei denen - Sprache in Sozialen Medien".

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    By Patricia Schätzler

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