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    Studierende wollen mehr Europa

    11/27/2018

    Wie soll Europa in Zukunft gestaltet sein? Dieser Frage gingen etwa 100 Studierende und Forschende beim GSiK-Tag an der Universität Würzburg nach. Dabei zeigte sich: Die Studierenden wünschen sich mehr Europa.

    Landkarte von Europa
    „Thinking Europe“ hieß das Thema bei der Tagung des Würzburger Lehrprojekts Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“. (Image: Lehrprojekt GSiK / Uni Würzburg)

    An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) gibt es seit zehn Jahren das Lehrprojekt „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenzen“ (GSiK). Sein Ziel ist es, die Diskussion über interkulturelle Phänomene und globale Zusammenhänge zu stärken.

    In seinem Jubiläumsjahr widmet sich das mehrfach ausgezeichnete Lehrprojekt einem aktuellen Problem: der Zukunft Europas. Seminare und Vorträge hierzu werden noch bis in den Februar 2019 hinein angeboten. Außerdem fand am 17. November die Tagung „Thinking Europe!“ statt. Auf ihr diskutierten Studierende mit Fachleuten der JMU und anderer Universitäten.

    Der Brexit als „Nachhilfestunde“

    Ausgehend von der historischen Katastrophe des Ersten Weltkrieges erläuterte der Historiker Michael Gehler von der Universität Hildesheim die Notwendigkeit der EU als Projekt der Friedenssicherung. Im Zuge der Debatte um den Brexit verwies er darauf, dass Großbritannien erst 1973 Bestandteil der europäischen Integration wurde, die sich bereits ab 1951 entwickelt hatte.

    Den Brexit selbst bezeichnete Gehler als „Nachhilfestunde“ für alle Länder, die mit dem Gedanken spielen, aus der EU auszutreten. Selbst nationalistische Populisten wüssten nun, dass ein Austritt aus der EU keine kluge Idee sei. Historisch gesehen verteidige das aktuelle Konstrukt der EU zudem die Idee des Nationalstaats gegen weitreichendere Integrationsbemühungen.

    Vision von einer Europäischen Republik

    Die weitreichendere Vision eines nationalstaatenfreien Europas vertritt die Politikwissenschaftlerin und proeuropäische Aktivistin Ulrike Guérot. Sie fordert die Gründung der Republik Europa, mit gleichen Rechten für alle Bürger Europas.

    Ihre Idee beinhaltet ein einheitliches Steuer- und Sozialsystem, eine demokratische Grundordnung im Rahmen eines Zwei-Kammern-Systems und die direkte Wahl eines europäischen Präsidenten. Dabei sollen die regionalen Identitäten erhalten bleiben und sogar gefördert werden.

    In der Diskussion fand Gehler lobende Worte für die Bemühungen Guérots. Er machte aber auch klar, dass er deren Vorschlag momentan für unangebracht hält: Er berge die Gefahr, den antieuropäischen Kräften Aufwind zu geben.

    Studierende fordern: Mehr Europa wagen!

    Die Studierenden der JMU gingen in sieben Workshops noch viel detaillierteren Fragen nach. Dabei wurde deutlich: Viele fordern vor allem ein Mehr an europäischem Denken und Handeln. Ein Einwanderungsgesetz beispielsweise müsse auf europäischer Ebene verankert werden, um Migration fair und transparent regeln zu können.

    Die Studierenden forderten außerdem ein staatenübergreifendes europäisches Waffenembargo gegen Unrechtsstaaten, eine an Nachhaltigkeit orientierte europäische Agrarpolitik und die Ausschreibung eines Wettbewerbs für einen neuen Text für die Europahymne.

    Auch innovative Konzepte wurden diskutiert. So beschäftigten die Studierenden sich mit den Vor- und Nachteilen alternativer Währungen, die parallel zum Euro in einzelnen Regionen eingesetzt werden könnten. Sie kritisierten auch den Ausschluss von Frauen aus den Machtpositionen in Europa. Zwar sei hier einiges erreicht, aber von einer Gleichstellung der Geschlechter sei der Kontinent weit entfernt.

    Merkel und Macron sollen Initiative zeigen

    Erstaunt zeigte sich der Moderator des Tages, JMU-Alumnus Stefan Groß, von den Forderungsschwerpunkten: Nicht über migrations- und wirtschaftspolitische Fragen sei am häufigsten diskutiert worden, sondern über Umwelt, Bildung und Demokratisierung.

    Bei der Frage, wie all das umgesetzt werden könne, verwiesen die Studierenden wieder auf die Geschichte Europas: Deutschland und Frankreich waren der Motor der europäischen Integration. An die derzeitigen Staatschefs ging daher auch ihre Forderung: Merkel und Macron müssten nun Initiative zeigen.

    Bilder von der Tagung

    Kontakt

    Dominik Egger, GSiK-Koordinator, dominik.egger@uni-wuerzburg.de,
    GSiK-Sekretariat: T +49 931 31-86867, gsik@uni-wuerzburg.de

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