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    Preis für Integrationsprojekt

    10/29/2013

    M4all – Migranten-Mädchen machen mit im Alltagssport: Das Projekt des SC Heuchelhof hat den diesjährigen Integrationspreis der Regierung von Unterfranken erhalten. Daran beteiligt sind auch Bildungsforscher und Sportwissenschaftler der Universität Würzburg.

    Heinz Reinders, Bildungsforscher an der Uni und Jugendleiter beim SC Heuchelhof. (Foto: Gunnar Bartsch)
    Heinz Reinders, Bildungsforscher an der Uni und Jugendleiter beim SC Heuchelhof. (Foto: Gunnar Bartsch)

    Der Würzburger Stadtteil Heuchelhof, vor allem sein Kernbereich, H1 genannt, hatte lange Zeit keinen guten Ruf. Selbst die Stadt Würzburg schreibt auf ihrer Homepage: „Aufgrund der hohen Konzentration von Sozialwohnungen (ca. 1.200) sowie der anonymen und heute unattraktiven, dichten Bauweise entstand zum umgebenden Einfamilienhausgürtel mit gut situierten Besitzern ein starkes soziales Gefälle innerhalb des H1. Die einseitige Besetzung des Hochhausgebietes mit Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er-Jahren führte zu sozialen Spannungen, Unzufriedenheit und Ängsten im Quartier. Diese Situation förderte Vandalismus und gewaltbereites Verhalten und trug zum schlechten Image des Heuchelhofs bei.“

    Migranten-Mädchen machen mit

    Inzwischen hat sich diese Situation dank vieler Aktionen und Maßnahmen deutlich verbessert. Eine dieser Maßnahmen ist das Projekt „M4all – Migranten-Mädchen machen mit im Alltagssport“ des SC Heuchelhof. Der Sportclub kooperiert dafür mit Kindertageseinrichtungen und Grundschulen in ganz Würzburg sowie mit den Lehrstühlen für Bildungsforschung und für Sportwissenschaft der Universität Würzburg. Jetzt wurde das Projekt mit dem Integrationspreis der Regierung von Unterfranken ausgezeichnet.

    Vor gut zwei Jahren ist M4all an den Start gegangen. „Die Idee ist in der Jugendabteilung unseres Vereins entstanden. Wir haben festgestellt, dass Mädchen bei uns unterrepräsentiert sind, und haben deshalb beschlossen, spezielle Angebote für Mädchen auf die Beine zu stellen“, sagt Professor Heinz Reinders. Reinders ist Jugendleiter beim SC Heuchelhof und Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Bildungsforschung an der Würzburger Universität.

    Mädchen trainieren lieber ohne Jungs

    Über die Gründe, weshalb Mädchen seltener am Vereinssport teilnehmen als Jungs, kann der Bildungsforscher nur spekulieren. „Der Einfluss der Familie und der Freundinnen spielen dabei vermutlich eine große Rolle“, sagt er. Aber eben auch die Angebote der Vereine: „Mädchen wollen nicht zusammen mit Jungen trainieren“, so Reinders. Biete man jedoch spezielle Teams nur für Mädchen an, sei der Platz voll.

    Selbstverständlich dürfen nicht nur Mädchen mit Migrationshintergrund beim Sportprogramm des SC Heuchelhof mitmachen. Derzeit weisen von den 45 aktiven Spielerinnen im Verein 29 einen Migrationshintergrund auf. Ein spezielles Konzept oder gar pädagogisches Programm für diese Form der „interkulturellen Begegnung“ verfolgt der Verein nach Reinders Worten nicht. „Integration machen die Mädchen ganz von alleine. Wir stellen dafür nur den Sozialraum zur Verfügung“, sagt er. Wobei das Thema „Integration“ gerade die, die es betrifft, anscheinend überhaupt nicht interessiert. Den Mädchen sei es egal, woher die Eltern ihrer Teamkameradinnen stammen; „für sie spielt die Herkunft keine Rolle“, so Reinders.

    Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung

    Mittlerweile beschränkt sich M4all nicht nur auf den Sport. Mit im Angebot für die Mädchen ist inzwischen eine Hausaufgabenbetreuung in den Vereinsräumen an drei Nachmittagen der Woche; darüber hinaus bietet das Projekt Nachhilfe für die Besucher des benachbarten Jugendzentrums an. Verantwortlich dafür sind Pädagogikstudierende der Universität Würzburg; ihr Engagement läuft unter dem Stichwort „Service Learning“. In den USA ist Service Learning längst fester Bestandteil des Campuslebens an vielen Hochschulen, in Deutschland sind einzelne Universitäten mit dabei, in Würzburg hat Heinz Reinders im Jahr 2007 das Programm initiiert.

    Beim Service Learning setzen Studierende das theoretische Wissen, das sie in speziellen Seminaren erwerben, unmittelbar in die Praxis um – zum Wohle sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Beispielsweise wenn sie Kinder mit Migrationshintergrund im sprachlichen Bereich fördern – oder wenn sie ihnen am Heuchelhof drei Mal pro Woche bei den Hausaufgaben helfen.

    Der Beitrag der Sportwissenschaft

    Neben speziellen Fußballangeboten für Mädchen organisiert der SC Heuchelhof inzwischen auch Sport-AGs an Kindertageseinrichtungen und Grundschulen – und das nicht nur am Heuchelhof. Dort leiten Sportstudenten der Universität Würzburg die Kurse und nutzen die Möglichkeit auch für wissenschaftliche Projekte. So untersucht derzeit eine Sportwissenschaftlerin die Frage, wie sich Mädchen, die Fußball spielen, motorisch entwickeln, verglichen mit Fußball-Jungs und mit Mädchen, die andere Sportarten betreiben.

    „Der Sportclub Würzburg-Heuchelhof und die Universität Würzburg motivieren im Rahmen des Projekts ‚M4all‘ die Mädchen zur Teilnahme am Sport und fördern damit gleichzeitig deren Integration. Das Projekt trägt zum interkulturellen Miteinander im Stadtteil erheblich bei“, heißt es in der Begründung der Regierung von Unterfranken für die Verleihung des Integrationspreises für gelungen Integrationsarbeit.

    Drei Integrationspreisträger

    Insgesamt hat das Unterfränkischen Integrationsforum in diesem Jahr drei Preisträger ausgewählt: Den mit 2500 Euro dotierten ersten Preis erhielt die katholische Kindertagesstätte „KiZ St. Maximilian Kolbe“ aus Schweinfurt; den dritten Preis und damit 1000 Euro sprach die Jury dem Afrika-Freundeskreis Aschaffenburg zu. M4all landete auf Platz 2. Was mit dem Preisgeld von 1500 Euro passieren soll, weiß Heinz Reinders ganz genau: „Davon schaffen wir neue Trainingstrikots für die Mädchen an und mit dem Rest neue Bälle und Trainingsgeräte.“

    Links

    Mehr Infos zum Thema „Service Learning“ an der Uni Würzburg

    Zur Homepage des Projekts

    Hintergrundinformationen zur „Aktion Integration“

    „Die Integration der dauerhaft und rechtmäßig bei uns lebenden Ausländerinnen und Ausländer sowie der Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler ist von großer Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft“, schreibt die Regierung von Unterfranken in ihrer Pressemitteilung. Gemeinsam mit dem Unterfränkischen Integrationsforum will sie „im Dialog mit unseren zugewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern“ deren Eingliederung in die Gesellschaft fördern. Die Unterstützung und der Erfahrungsaustausch von Personen, die sich dieser Aufgabe widmen, sei dabei ein zentrales Anliegen des Regierungspräsidenten. Mit der Auslobung des Integrationspreises will die Regierung weitere Anreize schaffen, „damit die Teilhabe der Zuwanderer in unserer Gesellschaft in noch größerem Maße gelingt und die geleistete Arbeit und damit einhergehend die Motivation für weitere kreative Ideen gefördert werden“.

    Kontakt

    Prof. Dr. Heinz Reinders, T: (0931) 31-85566, heinz.reinders@uni-wuerzburg.de

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