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    Nebennierenkrebs: Studie mit Linsitinib

    03/24/2015

    In einer vom Universitätsklinikum Würzburg und der University of Michigan in Ann Arbor (USA) geleiteten Studie wurde das experimentelle Medikament Linsitinib bei 90 Patienten mit Nebennierenkrebs getestet. Nur vier Patienten sprachen auf die Behandlung an – das allerdings bemerkenswert gut.

    Waren am Uniklinikum Würzburg an der Studie zu Linsitinib bei Nebennierenkrebs beteiligt: Prof. Martin Fassnacht, die Study Nurse Michaela Haaf, Dr. Matthias Kroiss und Dr. Cristina Ronchi. (Foto: Uniklinikum Würzburg)
    Waren am Uniklinikum Würzburg an der Studie zu Linsitinib bei Nebennierenkrebs beteiligt (von links): Prof. Martin Fassnacht, die Study Nurse Michaela Haaf, Dr. Matthias Kroiss und Dr. Cristina Ronchi. (Foto: Uniklinikum Würzburg)

    Das Nebennierenkarzinom ist eine bösartige und sehr aggressive Tumorerkrankung. Trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren stirbt weiterhin fast die Hälfte der Betroffenen in den ersten vier bis fünf Jahren nach der Erstdiagnose. In Deutschland erkranken pro Jahr zwischen 80 und 120 Menschen, was den Nebennierenkrebs zu einer seltenen Krankheit macht. Mit Ausnahme einer Kombinations-Chemotherapie, die maßgeblich von Krebsforschern des Universitätsklinikums Würzburg etabliert wurde, gibt es bislang nur wenige gute Therapieoptionen.

    Internationale Studie mit 139 Teilnehmern

    Als neuen Behandlungsansatz erprobte eine internationale Phase-III-Studie zwischen 2009 und 2011 das experimentelle Medikament Linsitinib bei 90 Patienten. Als Kontrollgruppe erhielten 49 weitere Menschen mit Nebennierenkarzinom ein Placebo.

    Die Ergebnisse wurden auf der Homepage der renommierten britischen Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ veröffentlicht und sind auf den ersten Blick ernüchternd: Bei 86 der 90 Studienteilnehmer zeigte sich im Überleben kein Unterschied zur Kontrollgruppe, was die Studie an sich zu einem Fehlschlag macht.

    Jedoch: Vier Patienten sprachen extrem gut auf das Medikament an: Bei ihnen ließ sich die Erkrankung jeweils über mehr als zwei Jahre kontrollieren. Bei drei Patienten kam es sogar zu einer deutlichen Reduktion der Tumormassen, die für über drei Jahre anhielt – und das bei erstaunlich wenig Nebenwirkungen.

    „Eine der Würzburger Patientinnen nimmt das Medikament jetzt schon seit viereinhalb Jahren ein, und die Erkrankung ist auf den CT-Bildern kaum noch zu sehen“, berichtet Professor Martin Fassnacht. Der Schwerpunktleiter Endokrinologie/Diabetologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Uniklinikums ist einer der Hauptkoordinatoren und Erstautor der Studie. „Einen solch erfreulichen Verlauf habe ich bisher bei kaum einer anderen Therapie gesehen und das, obwohl Würzburg zu den wenigen großen Referenzzentren weltweit für diese Erkrankung gehört“, unterstreicht der Internist und Krebsexperte.

    Eine Chance für personalisierte Medizin?

    „In weiteren Studien muss es jetzt darum gehen herauszufinden, welche zum Beispiel genetischen Faktoren bei den ‚erfolgreichen‘ Patienten dazu führen, dass Linsitinib gerade bei ihnen so gut wirkt“, sagt Fassnacht. „Die Hoffnung ist jetzt, dass es uns in der Zukunft gelingt, mit einer noch stärker personalisierten Medizin maßgeschneiderte, individuell wirksame Therapieoptionen zu entwickeln.“

    Musterbeispiel für ein internationales Netzwerk

    Da das Nebennierenkarzinom sehr selten ist, müssen viele klinische Einrichtungen kooperieren, um die für aussagefähige Studien nötigen Patientenzahlen zusammenzubekommen. So waren an der hier beschriebenen Untersuchung insgesamt 35 Institutionen aus neun Ländern beteiligt: Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, den Niederlanden, Polen und den USA.

    Mit 16 bzw. 17 Patienten brachten das Universitätsklinikum Würzburg und die University of Michigan in Ann Arbor (USA) die meisten Teilnehmer ein. Das Würzburger Nebennierentumorzentrum ist Teil des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken und konnte deshalb auf eine sehr gute Infrastruktur zurückgreifen. Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte, integrative onkologische Zentrum zählt zu den von der Deutschen Krebshilfe geförderten deutschen Spitzeneinrichtungen der Krebsbehandlung und -erforschung.

    Der englischsprachige Online-Artikel zu den Ergebnissen der Studie findet sich unter www.thelancet.com/journals/lanonc/onlineFirst

    Kontakt

    Prof. Dr. Martin Fassnacht, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-39202, Fassnacht_M@ukw.de

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