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    Mit Schirm, Charme und Methode

    09/24/2013

    Der Arbeitsplatz Hochschulbüro steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Lichthof der Universität am Sanderring. Sie beschäftigt sich mit der Rolle der Sekretärin in Instituten und Lehrstühlen und hinterfragt kritisch die Chancengleichheit in diesem Berufsfeld.

    Adelgunde Wolpert (l.), Gleichstellungsbeauftragte der Uni, hat die Ausstellung nach Würzburg geholt; Vizepräsidentin Barbara Sponholz sprach das Grußwort. (Foto: Marco Bosch)

    Sie sollen jeder Herausforderung gewachsen sein, flexibel in Denken und Handeln sowie sozial kompetent. Sie sollen mindestens eine Fremdsprache beherrschen, über eine hohe Problemlösungskompetenz verfügen und auch im größten Stress immer ausgeglichen und freundlich sein: Die Sekretärinnen an der Universität. Zum Ausgleich sollten sie sich mit einer Bezahlung zufrieden geben, die sich noch immer an dem Berufsbild orientiert, das vor etlichen Jahrzehnten zutreffend war, das allerdings mit der heutigen Realität und den immens gewachsenen Aufgaben nur noch wenig gemein hat.

    Ohne Sekretärinnen wäre eine funktionierende Hochschule undenkbar. Und trotzdem bleiben die Expertinnen des universitären Verwaltungsapparates in der Regel im Hintergrund. Das will die Wanderausstellung „Mit Schirm, Charme und Methode – Arbeitsplatz Hochschulbüro“ ändern. Sie rückt das „unterstützende Management“ in den Vordergrund und richtet gleichzeitig den Fokus auf die Chancengleichheit in den Büros. Jetzt ist die Ausstellung im Lichthof der Universität am Sanderring zu sehen.

    Grußwort der Vizepräsidentin

    An Emma Peel fühlt sich Barbara Sponholz erinnert, wenn sie sich das typische Bild einer Sekretärin vor Augen führt. Emma Peel war in der Fernseh-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ als Amateur-Agentin für den britischen Secret Service im Einsatz – „immer cool, immer tough, heute würde man wohl sagen: emanzipiert“, erinnert sich die Vizepräsidentin der Universität Würzburg. Die Agentin konnte schießen, verstand was von Wissenschaft, war immer wie aus dem Ei gepellt, und wenn es darum ging, wer die Kinder hütet, war sie auch zur Stelle. „Das weist schon starke Parallelen zum Idealbild der heutigen Sekretärin auf“, sagte Sponholz in ihrem Grußwort zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Donnerstag.

    Und dass eine Sekretärin auch heute noch beinahe ausschließlich in weiblicher Form existiert – „bei einem Sekretär denken die meisten Menschen nur an ein altertümliches Möbelstück“, so Sponholz – bereitet der Vizepräsidentin, die lange Jahre auch Frauenbeauftragte der Universität Würzburg war, „ein Kribbeln im Hinterkopf“. Ihr Wunsch: „Männer könnten sich auch mit dem Arbeitsplatz Hochschulsekretariat identifizieren.“

    Impulsreferat der Gleichstellungsbeauftragten

    Adelgunde Wolpert, Gleichstellungsbeauftragte der Universität, hat die Ausstellung nach Würzburg geholt. Sie wolle damit auf die Bedeutung der Sekretärinnen für eine funktionierende Universität aufmerksam machen und gleichzeitig das Bewusstsein für eine Aufwertung typischer Frauenberufe wecken.

    Denn zum einen seien Sekretärinnen Expertinnen mit einem breiten Spektrum an Fähigkeiten, ohne dass dies in der Bezahlung berücksichtigt werde. „Im nicht-wissenschaftlichen Bereich sind die tariflichen Voraussetzungen für die Eingruppierung entscheidend. Diese orientieren sich an der Tätigkeitsbewertung. Nicht die Person, sondern die auszuübende Tätigkeit wird bewertet.

    Ungeachtet vielfältiger Aktivitäten, auf diese Tatsache hinzuweisen, fehlt nach wie vor ein, die gesamte Tätigkeit umfassendes, transparentes ,durchlässiges und diskriminierungsfreies Entgeltsystem“, kritisierte Wolpert in ihrem Impulsreferat zur Ausstellungseröffnung.

    Zum anderen würden Frauen in Deutschland prinzipiell deutlich schlechter bezahlt als Männer für vergleichbare Tätigkeiten. Dabei sei die Gleichbehandlung von Frauen und Männern durch Grundrechte und Gesetze schon seit Langem geboten. „Helfen Sie, ein breiteres Wissen über diese Ungerechtigkeit zu schaffen. Vielleicht profitieren wir alle ja selbst noch davon“, richtete die Gleichstellungsbeauftragte deshalb ihren Appell an das – fast ausschließlich weibliche – Publikum.

    Die Ausstellungsmacher

    2011 hatte sich eine Gruppe von Hochschulsekretärinnen der Leibniz Universität Hannover an die Arbeit gemacht, eine Ausstellung zum Arbeitsalltag von Hochschulsekretärinnen zu erarbeiten. Unterstützt wurden sie dabei vom dortigen Gleichstellungsbüro. Nach gut einem Jahr waren die 15 Roll-up-Banner fertig. Sie beschäftigen sich mit vier Themenfeldern: Arbeitsinhalte und Anforderungen - Geschichte und Entwicklung - Wertschätzung und Bezahlung - Perspektiven und Visionen.

    Die Ausstellung „Mit Schirm, Charme und Methode“ kann noch bis einschließlich 25. Oktober im Lichthof der Universität, Sanderring 2, zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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