piwik-script

Deutsch Intern

    Kontakte nach Dakar geknüpft

    02/18/2020

    Die Amerikanistik und die Romanistik bahnen eine Kooperation mit der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar im Senegal an. Studentische Pionierin ist Luisa Moser: Sie verbringt das Sommersemester 2020 in Dakar.

    Blick auf den Campus der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar im Senegal.
    Blick auf den Campus der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar im Senegal. (Image: Julien Bobineau / Universität Würzburg)

    Für längere Zeit in eine andere Kultur eintauchen, in der eine andere Sprache gesprochen wird: Diese Erfahrung möchten viele junge Leute machen. Wer Französisch studiert, wird tendenziell nach Frankreich gehen wollen. Er kann aber auch in andere Länder reisen, so wie die Würzburger Lehramtsstudentin Luisa Moser: Sie hat sich für Senegal entschieden. In dem westafrikanischen Land, das bis 1960 unter der Kolonialherrschaft Frankreichs stand, ist Französisch die Amtssprache.

    Luisa Moser wird das Sommersemester 2020 an der Université Cheikh Anta Diop in der Landeshauptstadt Dakar verbringen. Vor ihr waren noch keine Würzburger Studierenden dort. Das liegt daran, dass die Julius-Maximilians-Universität (JMU) die Kooperation mit der dortigen Universität eben erst aufbaut. Die Initiative dazu stammt aus der Amerikanistik und der Romanistik.

    Sklaverei und Kolonialismus als verbindende Themen

    Die Kontakte nach Dakar entstanden aus fachlichen Interessen: Dr. Heike Raphael-Hernandez, Privatdozentin in der Amerikanistik, erforscht die Kulturgeschichte der Sklaverei in ihrem transatlantischen Zusammenhang, der Romanist Dr. Julien Bobineau befasst sich kulturwissenschaftlich mit dem Kolonialismus. Beide kennen sich aus ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit am Neuphilologischen Institut der JMU.

    Beide sehen sehr gute wissenschaftliche Kooperationsmöglichkeiten mit Dakar. Seit 2008 unterhält die dortige Universität ein Forschungszentrum zur Sklaverei, das „Centre Africain de Recherches sur les Traites et les Esclavages“. Gründungsmitglied war der Historiker Professor Ibrahima Thioub, der seit Langem über die Geschichte der Sklaverei arbeitet. Seit 2014 ist er Rektor der Universität Dakar.

    Gemeinsam mit Fachkolleginnen und Fachkollegen in Dakar arbeiten die Würzburger nun daran, eine Kooperation in Forschung und Lehre zu etablieren. Erster wichtiger Erfolg: Die Europäische Union fördert das Projekt in ihrem Erasmus-plus-Programm. Das bedeutet, dass es für den wechselseitigen Austausch von Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten zwischen Dakar und Würzburg finanzielle Unterstützung gibt.

    Studienbedingungen an der Universität Dakar

    Im Sommer 2019 waren Raphael-Hernandez und Bobineau in Dakar, um sich dort die Strukturen der Modernen Fremdsprachen anzusehen. Ihr Fazit: „Die Bedingungen sind sehr gut!“

    Die senegalesische Universität biete den Studierenden in Amerikanistik und Romanistik ein sehr gutes und thematisch vielfältiges Studienprogramm. Sie genieße einen hervorragenden Ruf und unterhalte viele internationale Kooperationen – im Rahmen des Erasmus-Mundus-Programms zum Beispiel mit der Universität Bologna oder mit renommierten Hochschulen in Belgien und der Schweiz. Auf dem Campus gibt es ein eigenes Wohnheim für Erasmus-Studierende und flächendeckend WLAN.

    Dakar sei nicht nur für Studierende ein spannender Ort. „Die Stadt ist so etwas wie das kulturelle Zentrum Westafrikas“, sagt Bobineau – gewissermaßen ein afrikanischer Leuchtturm für Kunst, Musik Literatur und Film. Nur ein Beispiel: Anfang 2019 wurde in der Millionen-Metropole das „Museum der schwarzen Zivilisationen“ mit einem weltweit einzigartigen Konzept eröffnet.

    Professoren und Studierende aus Dakar zu Gast

    Im Dezember 2019 waren zwei wichtige Partner aus Dakar zu Gast an der JMU, um hier zu unterrichten und die Kooperation weiter voranzubringen: die Literaturwissenschaftler Professor Louis Mendy (Amerikanistik) und Professor Bacary Sarr (Romanistik). Und wenn Studentin Luisa Moser Richtung Senegal abgereist ist, dauert es nicht lange, bis Gegenbesuch eintrifft. Ab März werden zwei senegalesische Masterstudierende ihr Auslandssemester an der JMU absolvieren.

    Kontakt

    Dr. Julien Bobineau, Französische und Italienische Literaturwissenschaft, T +49 931 31-83826
    julien.bobineau@uni-wuerzburg.de

    PD Dr. Heike Raphael-Hernandez, American Cultural Studies, +49 931 31-81482, heike.raphael-hernandez@uni-wuerzburg.de

    Weblinks

    Université Cheikh Anta Diop de Dakar

    Porträt der Studentin Luisa Moser bei infranken.de

    Historikerstreit: Professor Ibrahima Thioub im Tagesspiegel

    By Robert Emmerich

    Back