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    Inklusion gelungen

    09/24/2013

    Inklusion stand am vergangenen Samstag auf dem Sportgelände der Universität Würzburg im Mittelpunkt. Beim nolimits!-Sportfestival gingen behinderte und nicht behinderte Menschen verschiedenen Sportarten nach. Miteinander, aber auch im Wettkampf gegeneinander.

    Matthias Schumacher (li.) drehte den ganzen Tag mit dem Handbike seine Runden, um Menschen mit und ohne Behinderung zu begleiten. "Ich finde es genial", sagt Schumacher. Er fährt übrigens 90 Kilometer in knapp vier Stunden. (Foto: Marco Bosch)
    Matthias Schumacher (li.) drehte den ganzen Tag mit dem Handbike seine Runden, um Menschen mit und ohne Behinderung zu begleiten. "Ich finde es genial", sagt Schumacher. Er fährt übrigens 90 Kilometer in knapp vier Stunden.

    Von dem Angebot machten Würzburger und Menschen aus der Umgebung reichlich Gebrauch. "Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden", sagt Olaf Hoos, der wissenschaftliche Leiter des Sportzentrums. Uni-Präsident Alfred Forchel sagte bei der Eröffnung: "Sehen Sie das als Indiz, dass wir von einem exklusiven Bild zu einem inklusiven Bild der Gesellschaft kommen, wo alle ihren Möglichkeiten gemäß partizipieren können."

    Dreirädrige Rennmaschinen aus Carbon

    Sowohl die behinderten Athleten als auch die Menschen, die einmal in die Rolle der Gehandicapten schlüpfen konnten, zeigten sich begeistert. "Ich finde das richtig genial", sagt Matthias Schumacher. Er drehte mit seinem Handbike Dutzende Runden auf der Tartanbahn. "Alle sind sehr interessiert. So ein Event – davon gibt es viel zu wenige. Hier werden Schranken und Hemmnisse abgebaut", sagt Schumacher, der oberschenkelamputiert ist.

    Schumacher findet es wichtig, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung ohne Tabus austauschen können. "Man kann eigentlich einem Behinderten nicht das Falsche sagen – es wird eher zu wenig gesprochen", so Schumacher und weiter: "Ich trage meine Prothese offen, auch im Sommer. Warum soll das anders sein?" Kinder würden ihn manchmal fragen: 'Warum ist denn dein Bein abgebrochen?' Danach seien es die Eltern, die verstört reagierten und Kindern die Antwort verwehren.

    Konzept findet Nachahmer

    Die schnittigen Sportgeräte, oft mehrere Tausend Euro teuer, sind teilweise regelrechte Rennmaschinen mit Rahmen aus Carbon. Sie werden individuell auf den einzelnen Handbiker angepasst. "Damit fahre ich Distanzen von 80 oder 90 Kilometer in etwa vier Stunden", sagt Matthias. Matthias’ nur knapp über zehn Kilo schweres Dreirad begeistert aber auch die nicht-behinderten Besucher.

    "Ich finde das echt cool", sagt Anna-Lena vom Rhön-Gymnasium in Bad Neustadt. Die liegende Position, nur wenige Zentimeter über dem Boden und die Belastung der Arme sind für sie ungewöhnlich: "Man merkt auf jeden Fall, dass man etwas für die Arme tut", sagt sie nach drei Runden mit einem leicht gequälten Lächeln. Das inklusive Sportfest ist für sie und ihre Schulkameraden ein Vorbild "Wir wollen in Bad Neustadt auch so einen Tag gestalten."

    „Ein gänzlich anderer Sport“

    Eine ungewöhnliche Position nehmen auch die gehandicapten Fechter ein. Nicht auf einer Planche balancierend, sondern mit dem Rollstuhl auf einem Podest, ist die Freiheit sehr eingeschränkt. Die Kämpfe mit Florett und Co sind aber keineswegs weniger schnell. "Es ist ein ganz anderer Sport. Bei uns liegt viel in der Beinarbeit. Im Sitzen sind die Bewegungen jedoch auf den Arm und minimal auf den Oberkörper beschränkt", sagt Rita König-Römer vom Fechtzentrum Tauberbischofsheim. Sie holte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney die Silbermedaille. Gegen Simone Briese-Baetke hat sie im Rollstuhl keine Chance. Briese-Baetke ist Silbermedaillengewinnerin der Paralympics 2012 in London und König-Römer überlegen. "Man hat viel weniger Zeit, der Aufbau des Gefechts ist komplett anders", sagt König-Römer, die mit der Resonanz der Veranstaltung "sehr zufrieden" war.

    Basketball und Blindenfußball als Highlight

    Auch die Regionalliga-Basketballer der TG Würzburg, dabei auch ehemalige Profis von Bundesligist s.Oliver Baskets, mussten schnell erkennen, welche Leistungen behinderte Sportler erbringen können. In Rollstühlen hatten sie nicht den Hauch einer Chance gegen die RSG Würzburg und verloren das abschließende Duell bei gut gefüllten Rängen in der Halle des Sportzentrums. "Was die Jungs leisten ist schon Wahnsinn. Wir haben zu Recht ganz schön Respekt gehabt", sagt Christoph Henneberger, der an der Uni Sport studiert und in der vergangenen Saison noch in der Bundesliga für die Baskets auf Korbjagd ging.

    Auch der Blindenfußball war ein Zuschauermagnet. Die Erfahrung, sich auf dem Feld nur auf sein Gehör und die Geräusche des Balls und der Mitspieler verlassen zu müssen, reizte viele Interessierte. Beim Sommer-Biathlon mit Rollschuhen nebenan war ebenfalls schnell eine Stimmung wie bei einem Wettkampf. Die Läufer werden hier von einem Guide begleitet und schießen dann nach Gehör. Ein Ton gibt an, ob man den Lauf in die richtige oder falsche Richtung bewegt.

    Fortsetzung im Gespräch

    "Wir werden beim nächsten Mal wieder da sein", sagt Katrin, die mit ihrem Mann und Kindern zu der Veranstaltung gekommen ist. Sie hat das Rollstuhlfahren ausprobiert. "Aber es war auch schön, danach wieder aufstehen zu können. Genau das ist der Punkt. Das war eine besondere Erfahrung."

    Auch Dieter Schneider, der das Fest mit Partner Thomas Lurz und der gemeinsamen Sportstiftung und der Uni ins Leben gerufen hatte, war zufrieden und ging von etwa 1000 Besuchern aus. "Ich habe den ganzen Tag nur glückliche Gesichter gesehen. Alles war entspannt und lief harmonisch ab", sagte Schneider. Nach der gelungenen Premiere des Events denkt Olaf Hoos bereits an eine mögliche Fortsetzung: "Wir müssen natürlich erst einmal abwarten. Aber es ist durchaus denkbar, dass die Veranstaltung in einem festen Rhythmus alle paar Jahre wieder aufgelegt wird."

     

    Weitere Bilder des Events gibt es auf den facebook-Seiten der Universität Würzburg:
    Album nolimits!

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