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    Hohes Therapieniveau bei Bipolaren Störungen

    04/29/2014

    Menschen mit einer Bipolaren Störung wurden früher als „manisch-depressiv“ bezeichnet. Bei der Behandlung dieser Krankheit ist die Würzburger Uniklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie führend. Dafür hat sie ein Qualitätssiegel erhalten.

    Gereizt, euphorisch, depressiv – ein Wesenszug der Bipolaren Erkrankungen sind starke Stimmungsschwankungen. (Bild: Universitätsklinikum Würzburg)
    Gereizt, euphorisch, depressiv – ein Wesenszug der Bipolaren Erkrankungen sind starke Stimmungsschwankungen. (Bild: Universitätsklinikum Würzburg)

    Schätzungsweise eine Million Deutsche leiden an einer Bipolaren Störung. Bei dieser psychischen Erkrankung wechseln sich depressive Phasen, Zeiten gehobener oder gereizter Stimmung sowie gesunde Perioden ab. Früher wurden die Betroffenen als „manisch-depressiv“ bezeichnet.

    „Die Bipolare Störung führt zu großem individuellem Leid und ist diejenige psychische Krankheit mit dem höchsten Suizidrisiko. Außerdem führt sie über die häufig eintretende Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen zu starken sozio-ökonomischen Belastungen der Gesellschaft“, sagt Professor Andreas Reif. Der stellvertretende Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg gilt als bundesweit anerkannter Experte für diese Krankheit.

    „Viele Probleme in Verbindung mit Bipolaren Störungen wären durch die richtige Therapie zu verhindern. Allerdings bieten in Deutschland wie auch international derzeit noch viel zu wenige Einrichtungen eine spezialisierte Behandlung an“, so Klinikdirektor Professor Jürgen Deckert. „Daher sind wir froh, dass Professor Reif und sein Team zumindest im Einzugsgebiet des Würzburger Universitätsklinikums versuchen, diese Versorgungslücke zu schließen.“

    Schwerpunktstation mit Fachambulanz

    Klinikdirektor Deckert spielt damit auf den im Jahr 2008 etablierten Behandlungsschwerpunkt „Bipolare Störung“ an. Für diesen wurde eine psychiatrische Allgemeinstation zu einer Schwerpunktstation weiterentwickelt. Ihr angegliedert ist eine Fachambulanz, die vom Ärzteteam der Schwerpunktstation geführt wird.

    „Gerade die Leistungen der Fachambulanz sind für viele Patienten von entscheidender Bedeutung“, betont Reif. „Hier können sie nach ihrem stationären Aufenthalt ohne Therapiebruch weiterbehandelt werden. Außerdem gewährleisten wir so im Fall des Falles eine schnelle Intervention oder Wiederaufnahme.“ Weiterhin könnten die in der Regel 50 bis 70 Patienten der Fachambulanz wesentlich engmaschiger betreut werden als bei niedergelassenen Psychiatern.

    Ausgezeichnet mit dem Qualitätssiegel der DGBS

    Zu diesen Pluspunkte kommen weitere dazu, etwa Betreuungsangebote für Angehörige und die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen. All das trug dazu bei, dass die Würzburger Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im März 2014 mit dem Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) ausgezeichnet wurde.

    Das Siegel wird parallel an insgesamt zwölf Einrichtungen in Deutschland vergeben. Es bescheinigt nicht nur hohe klinische Standards, sondern auch jahrelanges wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement für Patienten mit Bipolaren Störungen. „Unter den ausgezeichneten Kliniken nimmt das Universitätsklinikum Würzburg eine Sonderstellung ein, denn viele bieten zwar eine Fachambulanz an, aber die Kombination mit einer ausgewiesenen Schwerpunktstation gibt es sonst nur noch sehr selten“, wie Professor Reif sagt.

    Bipolar-Roadshow am 18. Mai in Würzburg

    Würzburg ist auch der Startpunkt der so genannten „Bipolar Roadshow“: Am Sonntag, 18. Mai, treten um 20:00 Uhr Künstler im Felix-Fechenbach-Haus im Würzburger Stadtteil Grombühl auf, die selbst an einer Bipolaren Störung erkrankt sind. Die Musiker Martin Kolbe, Peter Autschbach und Rudolf Holgerson sowie der Schriftsteller Sebastian Schlösser wollen das Publikum auf einer emotionalen Ebene erreichen und für die besondere Problematik von Menschen mit dieser Erkrankung sensibilisieren.

    Nach dem Auftakt in Würzburg sind im Mai Auftritte in Kempten, Augsburg, Essen, Bonn, Stuttgart, Berlin und Hamburg geplant. Mehr dazu steht im Internet unter www.bipolar-roadshow.de

    Jahrestagung der Fachgesellschaft im Herbst

    Im Herbst 2014 kommt das Thema „Bipolare Störungen“ in Würzburg dann erneut auf die öffentliche Agenda: Vom 18. bis 20. September findet hier die 14. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen statt. Das Motto der Veranstaltung lautet „Bipolare Störung – jetzt wird’s persönlich“. Verschiedene Aspekte der personalisierten Medizin in Diagnostik und Therapie stehen im Mittelpunkt.

    Zielgruppen der dreitägigen Tagung sind nicht nur Mediziner, Therapeuten und Pflegepersonal, sondern gerade auch Betroffene und ihre Angehörigen. Veranstaltungsort ist die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Mehr dazu im Internet unter www.dgbs.de

     

    Prof. Andreas ReifInterview: „Gefragt ist ein individualisiertes Vorgehen“

    Drei Fragen an den Würzburger Professor Andreas Reif (Foto: privat), der Experte für die richtige Behandlung von Menschen mit Bipolarer Störung ist:

    Was sind die besonderen Herausforderungen bei der Therapie von Menschen mit Bipolarer Störung?

    „Grundsätzlich gilt es, die Gesundheit des Patienten, wenn er aus einer depressiven oder manischen Phase herauskommt, möglichst lange zu erhalten. Wegen der vielen Spielarten der Krankheit muss dabei sehr individualisiert vorgegangen werden. Besonders schwierig zu therapieren sind Menschen, die an einem sogenannten rapid cycling leiden: Hier wechseln die Patienten schnell zwischen den Polen der Erkrankung hin und her. Eine therapeutische Herausforderung sind außerdem Kranke, die sich in einem Mischzustand befinden, in dem Symptome der Manie und Depression gleichzeitig vorhanden sind.“

    Was sind die Grundzüge einer erfolgversprechenden Behandlung?

    „Von großer Bedeutung ist die Selbstschulung des Patienten durch Psychotherapie und Psychoedukation. Dabei versuchen wir, den Betroffenen zum Experten für seine Krankheit zu machen. Weiterhin setzen wird auf evidenzbasierte Psychotherapie und medikamentöse Therapie auf dem Stand der Wissenschaft. Und schließlich bieten wir je nach Krankheitsschwere eine engmaschige ambulante Betreuung an, denn gerade bei Bipolaren Erkrankungen ist eine schnelle Intervention oft entscheidend.“

    Wie sehen die Kapazitäten des Würzburger Behandlungsschwerpunkts „Bipolare Störung“ derzeit aus und wie kann man mit ihm in Kontakt treten?

    „Wir haben derzeit einen Einzugsbereich von rund 100 Kilometer um Würzburg. Entsprechend stark sind wir in der Fachambulanz ausgelastet. Hier behandeln wir in erster Linie nur noch Patienten weiter, die von unserer Schwerpunktstation kommen. Für stationäre Behandlungen versuchen wir, wenn möglich, jeden Bipolar-Erkrankten, der sich bei uns vorstellt oder zu uns überwiesen wird, aufzunehmen. Für eine erste Kontaktaufnahme empfehle ich unsere Telefonsprechstunde, immer dienstags von 16 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 0931 20 17 65 21.“

    By Susanne Just

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