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    Depression: 44 Genorte identifiziert

    05/29/2018

    Ein internationales Konsortium hat 44 Genorte identifiziert, die mit schweren Depressionen im Zusammenhang stehen. Maßgeblich beteiligt waren Forscher der Psychiatrischen Uniklinik.

    Das Logo des Würzburger Bündnisses gegen Depression

    „Der Zusammenhang von genetischen Faktoren und Depressionen ist mittlerweile unbestritten“, sagt Professor Manuel Mattheisen. Der Humangenetiker leitet die Arbeitsgruppe für Psychiatrische Genetik und Epigenetik an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg. Trotz dieses klaren Zusammenhangs gilt aber auch: „Da die Erkrankung klinisch und genetisch sehr komplex ist, müssen für jeden weiteren Wissensgewinn möglichst vielen Personen untersucht werden. Voraussetzung dafür sind neben nationalen Bemühungen die Zusammenarbeit in großen, internationalen Forschungskonsortien“, so Mattheisen.

    Ein solches Konsortium unter Beteiligung von Professor Mattheisen hat jetzt die Gene von fast 500.000 Menschen untersucht – 135.000 Patienten mit Depressionen und mehr als 344.000 Kontroll-Personen. Die Ergebnisse der Studie wurden im April dieses Jahres in der US-amerikanischen Fachzeitschrift Nature Genetics publiziert. „Es ist uns gelungen, 44 Genorte zu identifizieren, die mit schweren Depressionen im Zusammenhang stehen“, berichtet Mattheisen, einer der Erstautoren der Studie. Mit Genort wird die genaue Lage eines bestimmten Gens oder eines genetischen Markers auf einem Chromosom bezeichnet. Von den identifizierten Genorten wurden 30 erstmals beschrieben, während 14 schon in früheren Studien entdeckt worden waren.

    Die Tür zu den biologischen Ursachen aufstoßen

    Die neuen Erkenntnisse sind die direkte Folge einer beispiellosen globalen Anstrengung von über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die im internationalen Psychiatric Genomics Consortium (PGC) zusammenarbeiten. „Menschen, die eine höhere Zahl an genetischen Risikofaktoren in sich vereinen, tragen auch ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Wir wissen, dass viele weitere Faktoren eine Rolle spielen, aber die Identifikation dieser genetischen Zusammenhänge kann die Tür zu den biologischen Ursachen aufstoßen“, unterstreicht Dr. Naomi Wray von der University of Queensland in Australien. Sie hat zusammen mit Dr. Patrick F. Sullivan, Direktor des Zentrums für Psychiatrische Genomik an der University of North Carolina School of Medicine (USA), und einem Team von weiteren Autoren die Studie geleitet.

    „Mit weiteren zukünftigen Forschungsbemühungen sollten wir in der Lage sein, Instrumente zu entwickeln, die für die Behandlung von schweren Depressionen wichtig sind“, sagt Dr. Sullivan. Und Professor Mattheisen ergänzt: „Im Bereich der Pharmakogenetik eröffnen die publizierten Befunde in der Zukunft neue Möglichkeiten, das Ansprechen von Therapien mit Antidepressiva vorherzusagen.“

    Finanziert wurden die Metaanalyse und die darin enthaltenen Primärstudien vom US-amerikanischen nationalen Institut für psychische Gesundheit und dem nationalen Institut für Drogenmissbrauch, der niederländischen Wissenschaftsorganisation, der Dutch Brain Foundation und der VU Universität Amsterdam, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Deutschland), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem National Health und Medical Research Council (Australien).

    Über Depressionen

    Eine deutlich verminderte Lebensqualität, Arbeitsunfähigkeit, stationäre Behandlungen und Frühverrentung sind nur einige der Komplikationen im Zusammenhang mit Depressionen. Sie sind die Folge von typischen Merkmalen wie Antriebshemmung, Gedankenschleifen und vermindertem Selbstwertgefühl, die im Extremfall zu Todesgedanken und Suizid führen können.

    Die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie bemüht sich durch Angebote wie Schwerpunktstationen und im Rahmen des Würzburger Bündnisses gegen Depression zu einer besseren Therapie und Vorbeugung von Depressionen beizutragen. Dennoch: „Das persönliche Leid der Betroffenen und ihres Umfelds, wie Familie und Freunde, ist dramatisch und die volkswirtschaftlichen Folgen sind erheblich“, sagt Professor Jürgen Deckert, Direktor des Zentrums für Psychische Gesundheit am Uniklinikum Würzburg. Seinen Worten nach helfen die vorhandenen Therapien und Medikamente nach wie vor nicht bei allen Patienten, und der Forschungsbedarf ist deshalb immer noch groß.

    Genome-wide association analyses identify 44 risk variants and refine the genetic architecture of major depression. Nat Genet. 2018 Apr 26. doi: 10.1038/s41588-018-0090-3.

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