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    Das N-Wort

    10/29/2013

    Ist es eine Beleidigung, wenn ein Mensch mit afrikanischen Wurzeln als „Neger“ bezeichnet wird? Ein Fall aus dem Würzburger Fußball hat diese Frage aufgeworfen - wieder einmal.

    Diese Werbung für eine Rasierseife zeigt „den Neger“ als Boy des weißen Mannes. Sie stammt aus den 1920er-Jahren; Urheber war Ludwig Hohlwein. (Aus: Jan Nedersen Pieterse in Yale University Press, 1992)
    Diese Werbung für eine Rasierseife zeigt „den Neger“ als Boy des weißen Mannes. Sie stammt aus den 1920er-Jahren; Urheber war Ludwig Hohlwein. (Aus: Jan Nedersen Pieterse in Yale University Press, 1992)

    Ein Fußballspiel zwischen dem Würzburger Verein TSV Grombühl und der Mannschaft aus Buchbrunn/Mainstockheim hat in der vergangenen Woche für Diskussionen gesorgt. Der Grund: Während des Spiels soll ein Zuschauer den Grombühler Torwart als „Neger“ tituliert haben.

    Kommt die Verwendung des „N-Worts“ einer rassistischen Beleidigung gleich? Über diese Frage wurde nach dem Vorfall intensiv diskutiert – in Fußballvereinen, in Leserforen, an Stammtischen.

    Eindeutig abwertend

    Dr. Karin Sekora vom Afrikazentrum der Universität Würzburg hat dazu eine eindeutige Meinung: „Das Wort ‚Neger‘ sollte tunlichst nicht mehr verwendet werden. Denn es war über Jahrhunderte hinweg eindeutig abwertend gemeint, und das ist auch heute noch so.“

    Nach wie vor sei das Wort „Neger“ stark mit der Sklaverei assoziiert, gibt Sekora zu bedenken. Davon zeugen zum Beispiel Redewendungen, die auch im Jahr 2013 noch gebräuchlich sind, etwa „seinen Neger haben“ oder „schuften wie ein Neger“.

    Krude Rassentheorien

    „Auch in den Rassentheorien, die im 19. Jahrhundert in Europa und den USA entwickelt wurden, waren ‚die Neger‘ stets auf der untersten Stufe des Menschseins angesiedelt“, sagt Sekora.

    In diesen kruden Theorien, die bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts als Wissenschaft galten, machte man zusätzlich noch subtile Unterschiede zwischen Schwarzen: „Einige Völker wie etwa Nubier, Äthiopier und Massai galten als edle ‚Rassen’. Es wurde behauptet, sie seien nur äußerlich schwarz, seien aber die Nachfahren von hellhäutigen, kulturell überlegenen Eroberern.“ Diesen Völkern habe man die sogenannten „wahren Neger“ gegenübergestellt. Diese galten als primitiv, zu keiner eigenen kulturellen Entwicklung fähig – und als hässlich.

    Auferlegte Bezeichnung

    „Es ist also mehr als nachvollziehbar, wenn Menschen mit dunkler Hautfarbe sich dagegen wehren, ‚Neger‘ genannt zu werden“, so die Wissenschaftlerin. Denn „Neger“ sei eine von außen auferlegte Bezeichnung. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten habe sie Rassentheoretikern ganz offiziell dazu gedient, Menschen aufgrund ihres Äußeren abzuwerten und ihnen als Kollektiv negative Eigenschaften zu unterstellen.

    Sicher könne man nicht jedem, der das Wort „Neger“ verwendet, weil er es so gewohnt ist, Rassismus unterstellen. Dennoch gebe es Menschen, die den Ausdruck bewusst als Schimpfwort einsetzen. „Schon um sich nicht auf diese Stufe zu stellen, sollte man sich das Wort abgewöhnen“, meint Sekora.

    Zur Person

    Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Karin Sekora ist Mitglied im Forum Afrikazentrum der Universität Würzburg. Sie befasst sich unter anderem mit der Geschichte der Sklaverei und deren Folgen. In den vergangenen Jahren hat sie auch Ausstellungen zu diesem Thema erarbeitet, die im Universitätszelt auf dem Würzburger Africa Festival gezeigt wurden.

    Link

    Jonas Hampl ist schwarz.
    Warum er kein "Neger" sein will, erklärt er bei ZEIT online.

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