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Deutsch Intern

    Brasilianisch für Anfänger

    06/24/2014

    Wer Portugiesisch kann und nach Brasilien verreist, muss sich auf Überraschungen sprachlicher Art gefasst machen. Warum das so ist, erklärt Andreia Fernandes vom Zentrum für Sprachen der Uni Würzburg. Sie hat auch Tipps für Brasilien-Reisende parat.

    Brasilianerin mit Faible für bayerische Folklore: Andreia Fernandes trägt gerne Dirndl. (Foto: Angelika Cronauer)
    Brasilianerin mit Faible für bayerische Folklore: Andreia Fernandes trägt gerne Dirndl. (Foto: Angelika Cronauer)

    In Südamerika wird Spanisch gesprochen, außer in Brasilien – dort ist Portugiesisch die Landessprache: Das dürfte den meisten Europäern geläufig sein. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, denn das brasilianische Portugiesisch unterscheidet sich vom europäischen Portugiesisch.

    „Wer hier Portugiesisch gelernt hat, wird in Brasilien beim Lesen von Beschilderungen und anderen Texten keine Probleme haben“, sagt Andreia Fernandes. Die 34-jährige Brasilianerin weiß das genau, denn Sprachen sind ihr Metier: Sie ist Dozentin für Portugiesisch am Zentrum für Sprachen der Uni Würzburg.

    Aussprache unterscheidet sich

    Komplizierter wird es aber beim Sprechen und Verstehen. „Portugiesen haben eine sehr geschlossene Aussprache“, sagt Fernandes. Was sie damit meint, aber nicht so deutlich sagt: Portugiesen nuscheln und „verschlucken“ auch mal Teile dessen, was sie sagen wollen. Brasilianer dagegen pflegen laut Fernandes eine offene, das heißt sehr deutliche Sprechweise. Wer also Brasilianer mit seinem „Schul-Portugiesisch“ anspricht, muss damit rechnen, dass sie ihn nicht auf Anhieb verstehen.

    Mit Englisch klappt’s nicht überall

    Brasilien-Touristen dürften sich im Land der Fußball-WM 2014 aber auch mit nur wenigen Brocken Portugiesisch verständigen können – weil Brasilianer in der Regel gastfreundlich sind und sich Mühe mit Fremden geben, wie Fernandes sagt. Worauf sich Brasilien-Reisende noch einstellen sollten: „Mit Englisch kommt man nicht überall durch, im Alltag auf der Straße ist das nicht so verbreitet.“

    Viele Unterschiede im Vokabular

    Weitere Unterschiede birgt auch das Vokabular. „Frühstück“ zum Beispiel heißt auf portugiesisch „pequeno almoço“ (kleines Mittagessen), auf brasilianisch aber „café da manhã“ (Morgenkaffee). Zu einem Bus sagt man in Portugal autocarro, in Brasilien dagegen ônibus.

    Hier noch mehr Vokabeln, die sich unterscheiden – zuerst die portugiesische, dann die brasilianische Variante:

    Sport: o desporto – o esporte
    Mannschaft: a equipa – o time oder a equipe
    Fan: o adepto – o torcedor
    Eckball: o canto – o escanteio
    Tor: o golo – o gol
    Torwart: o guarda-redes – o goleiro
    Belegtes Brot: a sandes – o sanduíche
    Saft: o sumo – o suco
    Schinken-Käse-Toast: a tosta mista – o misto quente

    Infos über Andreia Fernandes

    Andreia Fernandes (34) ist in der 300.000-Einwohner-Stadt Petrolina im Nordosten Brasiliens aufgewachsen. Die Region ist bekannt für ihre Obstplantagen, die Mangos in deutschen Supermärkten zum Beispiel stammen oft von dort. Nach mehreren kürzeren Aufenthalten in Deutschland kam Fernandes 2004 zum Studium der Fächer Geschichte und Spanisch an die Universität Würzburg. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über ein regionales Thema: „Schäfereien in Unterfranken und ihre ökonomische und ökologische Relevanz im 20. Jahrhundert“.

    Kontakt

    Andreia Fernandes, Zentrum für Sprachen der Universität Würzburg, andreia.fernandes@uni-wuerzburg.de

    Fernandes über Brasilien und die WM

    • „Im Alltag duzt man sich in Brasilien. Entsprechend nennt man die bekannten brasilianischen Fußballer nur beim Vornamen, also Diego, Ailton oder Lucio. Das „Sie“ gibt es aber auch, zum Beispiel an der Arbeitsstelle. In der Regel siezen junge Menschen die älteren, manchmal siezen auch Kinder ihre Eltern und Großeltern.“
    • „Zur Begrüßung in Brasilien gibt es mehr Körperkontakt als nur ein Händeschütteln, üblich sind Umarmungen und mindestens zwei Küsschen auf die Wangen. Man sagt auch, ein drittes Küsschen ist fürs Heiraten.“
    • „Wenn mein Mann und ich nach Brasilien fliegen, bin ich immer wieder erstaunt, wie viel sich dort verändert. Das Leben ist in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Das liegt sicher auch am Wirtschaftsboom und an der Bereitschaft vieler Brasilianer, sich etwas zu leisten.“
    • „Viele Brasilianer werden die Spiele wahrscheinlich in der Öffentlichkeit sehen, zum Beispiel auf der Straße oder am Strand. Die teuren Tickets für die Stadien können sich die meisten wohl nicht leisten.“
    • „Mit normalen Bussen in einer Großstadt zu fahren, kann wirklich gefährlich sein, je nachdem durch welche Viertel die Busse fahren.“
    • „Einerseits ist es schön, dass die WM in Brasilien stattfindet. Andererseits frage ich mich, ob sie diesen riesigen finanziellen Aufwand wert ist. Und wer verdient damit Geld? Auch all die kleinen Straßenverkäufer und Geschäftsinhaber? Vermutlich nicht.“
    • „Als ich jünger war, haben viele Brasilianer Deutschland vor allem mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht. Ich denke aber, dass die Brasilianer heute ein besseres Bild von den Deutschen haben, und das liegt bestimmt auch an der Fußball-WM von 2006. Da haben viele Brasilianer sehr viel Positives über Deutschland erfahren.“

    Portugiesisch-Stammtisch in Würzburg

    Gibt es eine brasilianische Community in Würzburg? Andreia Fernandes zumindest kennt keine. „Es gibt aber einen Portugiesisch-Stammtisch, der von deutschen Studenten organisiert wird.“ Das nächste Treffen des Stammtisches ist am Dienstag, 1. Juli, um 20 Uhr in der Katholischen Hochschulgemeinde KHG in der Hofstallstraße 4. Auf Facebook hat der Stammtisch eine Offene Gruppe namens „Portugiesisch Stammtisch Würzburg“.

    By Robert Emmerich

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