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    Beharrliche Beziehungsarbeit

    09/24/2013

    Das Konzept der „Neuen Autorität“ stand im Mittelpunkt einer Lehrerfortbildung, die das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung angeboten hatte. Der gute Besuch zeigt: Das Thema stößt bei der Zielgruppe auf großes Interesse.

    Bruno Körner und Barbara Bleibaum setzen sich für das Konzept der Neuen Autorität ein. (Foto: Pat Christ)

    In jeder Schule, in zahlreichen Klassen gibt es Kinder, die schwer lenkbar sind. Sie schwätzen oder schwänzen. Setzen alles daran, die Lehrkraft zu ärgern. Verprügeln ihre Mitschüler. Vorschläge, wie mit diesen Kinder umzugehen ist, gibt es viele. Die „Neue Autorität“ ist ein neues Konzept. Vorgestellt wurde das Modell jetzt bei einer Veranstaltung des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) an der Uni Würzburg. Es referierten Bruno Körner, der Eltern und Lehrkräfte in Neuer Autorität schult, sowie Barbara Bleibaum, Leiterin der Erich-Kästner-Schule, einem privaten sonderpädagogischen Förderzentrum in Kitzingen.

    Die Beziehung steht im Mittelpunkt

    Haim Omer, Professor für Klinische Psychologie an der Universität Tel Aviv, gilt als Begründer dieses Modells für die Begegnung mit hochschwierigen und gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen in Familie und Schule. Das von ihm entwickelte Konzept der Neuen Autorität hebt nicht auf Lenkung, sondern auf Beziehung ab, erläuterten die Referenten im vollbesetzten Hörsaal des Gebäudes Z6 auf dem Unicampus. „Dabei übernehmen Eltern, Lehrer oder Pädagogen die volle Verantwortung für die Beziehung zum Kind“, so der Würzburger Sozialpädagoge Bruno Körner. Doch sind sie allerdings nicht alleine. Die Mutter lässt sich vom Vater unterstützen. Die Eltern holen sich Unterstützung in der Schule. Und die einzelne Lehrkraft weiß sich dem Konzept der Neuen Autorität zufolge eingebettet in ein Lehrerkollegium, das ebenfalls eine gute Atmosphäre in der Schule zum Ziel hat.

    Schluss mit Verweisen

    Menschen, die einen autoritären Stil pflegen, gehen zu ihren Mitmenschen auf Distanz. Ihr Agieren ist auf Kontrolle und Gehorsam ausgerichtet. Im schulischen Kontext bedeutet dies, dass mit Strafen, Verweisen und Schulausschluss operiert wird. „Wir alle, die wir in der Schule tätig sind, stehen in einem traditionellen Autoritätsmodell“, sagte Barbara Bleibaum. Sie selbst beschäftigt sich seit dem Jahr 2006 mit dem Konzept der Neuen Autorität und hat es seitdem schrittweise in ihrer Schule umgesetzt. Verweise hat sie beispielsweise abgeschafft. Zusätzlich wurde das Kollegium ihrer Kitzinger Fördereinrichtung in Fortbildungen geschult, auch mit sehr schwierigen Schülern gemäß dem Konzept von Haim Omer umzugehen.

    Wirkliches Interesse zeigen

    Erziehung im Stile der „Neuen Autorität“ zu praktizieren, bedeutet Körner zufolge, präsent zu sein und offenes Interesse zu zeigen. Die Pause wird dann zum Beispiel nicht mehr nur dazu genutzt, im Lehrerzimmer Kaffee zu trinken – sie wird freiwillig, also auch außerhalb der Aufsichtspflichtzeiten, mit den Schülern auf dem Pausenhof verbracht. Begegnungen am Morgen auf dem Weg ins Schulgebäude dienen dann auch nicht nur dazu, ein „Guten Morgen!“ auszutauschen. „Warum nicht, mit echtem Interesse, danach fragen, was der Schüler am vergangenen Abend erlebt hat? Warum ihm nicht ein Kompliment über seinen neuen Schal machen?“, fragte Körner.

    Keine Kompromisse

    Mit dem Kind Kompromisse über die prinzipiellen Ziele auszuhandeln, das ist bei der Neuen Autorität tabu. Lautet das Ziel zum Beispiel „Gewaltfreiheit in der Schule“, wird es von allen Lehrerinnen und Lehrern konsequent verfolgt. Die Schüler werden nicht gefragt, ob ihnen das behagt. Wird ein Jugendlicher auffällig, verfassen die Lehrkräfte eine schriftliche Ankündigung, in der sie erklären, dass sie dieses Verhalten nicht akzeptieren. Sie wird vor dem Jugendlichen verlesen. Und ihm überreicht.

    Gemeinsame Suche nach einer Lösung

    Benimmt sich der Jugendliche dennoch wieder rowdyhaft, wird er bei einem „Sit-in“, an dem mehrere Lehrkräfte teilnehmen können, in aller Ruhe aufgefordert, sich eine Lösung für das Problem zu überlegen. „Es kommt vor, dass uns die Kinder bei so einem Sit-in zunächst aufs Übelste beschimpfen“, berichtete Bleibaum. Damit müsse das Lehrkräfteteam selbstkontrolliert umgehen lernen. Sie verlassen das Kind. Und kommen nach einem Tag oder einer Woche zum nächsten Sit-in wieder. Bis es „Klick“ macht im Kopf des Kindes. Dieser Weg sei am Anfang hart: „Doch im Rückblick kann ich sagen, dass wir als Schule dadurch viel stabiler geworden sind.“

    Text: Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung

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