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    Saskia Czimenga: "Die Herausforderungen in Entwicklungsländern sind sehr komplex"

    02/08/2018

    Unsere Alumna hat in Würzburg „Political and Social Studies“ studiert und arbeitet heute für eine Hilfsorganisation in Lesotho – einem Land, in dem beinahe jeder vierte Einwohner HIV-infiziert ist. Parallel macht sie ihren Master in „Nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit“.

    Foto: Privat

    Saskia, warum hast Du Dich für Lesotho entschieden und wie hast Du diese Stelle gefunden? Im August 2014 bin ich mit dem internationalen Kultur-Freiwilligendienst >kulturweit< das erste Mal nach Lesotho gereist, um ein Jahr lang als Freiwillige bei der Unesco National Kommission für Lesotho zu arbeiten. Diese Zeit war für mich wahnsinnig wertvoll, da ich das erste Mal mit vielen internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zu tun hatte. Durch diese Arbeit lernte ich auch meine aktuelle Chefin kennen. Nach Beendigung meines Freiwilligendienstes schlug sie mir vor, mich für einen Job bei Action Lesotho zu bewerben.

    Wie kann man sich Deinen Arbeitsalltag dort vorstellen? Der normale Arbeitsalltag unterscheidet sich, glaube ich, nicht so stark von einer Arbeit in Deutschland. Im Bereich Monitoring und Evaluation verbringe ich momentan 70 Prozent meiner Zeit im Büro und schreibe Berichte und Analysen über die Fortschritte und Auswirkungen der verschiedenen Programme der Organisation. Spannend wird es, wenn ich Zielgruppen oder einzelne Personen treffe und Interviews führe, um herauszufinden, ob unsere Arbeit sinnvoll ist und die Zielgruppen dabei unterstützt, nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten und Einkommensquellen zu erschließen. Wer sich im Detail für die Projekte interessiert findet mehr Informationen auf Facebook und unter http://www.actionlesotho.ie./

    Was gefällt Dir besonders gut an Deiner Arbeit, am Land und seinen Leuten? Der offensichtliche Erfolg, den wir mit unseren Programmen haben. Es ist wunderbar zu sehen, dass meine Arbeit sinnvoll ist und die Projektmanager mit wichtigen Informationen füttert, die eine einfachere und bessere Implementierung möglich machen.

    Und was an Land und Leuten? Das Land hat eine einmalig weitläufige Landschaft und liegt komplett über 1400 Meter Höhe. Wenn man in die Berge fährt, hat man das Gefühl, statt in einem Auto, in einem Flugzeug zu sitzen. An den Menschen erstaunt mich immer wieder ihre Freundlichkeit und Warmherzigkeit, mit der man auch in der kleinsten Hütte begrüßt wird.

    Bei Wikipedia liest man, dass Lesotho als „Kingdom in the Sky“ auf dem Index der menschlichen Entwicklung auf Platz 161 von 188 liegt. Was bedeutet das konkret? Der Human Development Index (HDI) ergibt sich aus drei Hauptfaktoren: Lebenserwartung, Schulbesuchsdauer und Bruttonationaleinkommen. Bei solchen Messwerten sollte man immer beachten, was und wie gemessen wird, aber insgesamt bedeutet die Platzierung, dass die Lebenserwartung, die Dauer des Schulbesuchs und das Bruttonationaleinkommen im globalen Vergleich sehr gering ausfallen.

    Welche Faktoren sind Deiner Meinung nach dafür verantwortlich? Lesotho hat mit fast einem Viertel der Bevölkerung eine unglaublich hohe Rate an HIV-Infizierten, und dies hat Auswirkungen auf alle anderen Bereiche. So gibt es eine große Anzahl an kindergeführten Familien. Mädchen brechen oft frühzeitig die Schule ab, damit sie sich um die Familie kümmern können. Aber auch viele Jungen müssen schon im Alter von fünf oder sechs Jahren auf die Weide, um Schafe und Kühe zu hüten.

    Wie bemerkst Du das in Deinem Alltag? Glücklicherweise gibt es in Lesotho kaum Slums, wie man sie aus anderen Ländern kennt. Aber die Lebensbedingungen sind weit unter einem westlichen Niveau. Straßen, sauberes Wasser, Elektrizität und Internet sind vor allem in peripheren Räumen selten gegeben. Infrastruktur und Bildungsniveau sind die zwei wesentlichen Aspekte, die hier vorangetrieben werden müssen, da sie Möglichkeiten schaffen. Und Menschen brauchen diese Möglichkeiten, um sich zu entfalten.

    Was ist aus Deiner Erfahrung wichtig für eine gelingende Entwicklungszusammenarbeit? Zeit, Geduld und der Wille, Probleme zu verstehen. Eine große Anzahl an Entwicklungsprojekten ist auf kurzfristige Erfolge ausgelegt, um Spender zu motivieren, mehr Geld zu stiften. Leider sind dadurch sehr wenige Projekte auf Nachhaltigkeit ausgelegt, und sobald diese eingestellt werden, landet man wieder bei Punkt Null. Die Herausforderungen in Entwicklungsländern sind sehr komplex und nicht mit einfachen und standardisierten Mitteln zu lösen. Da braucht es manchmal Jahre, bis man erkennt, wo und warum ein Problem besteht.

    Was würdest Du Studierenden raten, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten? Macht Praktika und lernt Menschen aus diesem Bereich kennen. Außerdem braucht man gute Nerven, denn vieles funktioniert nicht so, wie man es sich wünschen würde, und es begegnen einem immer wieder neue Herausforderungen, bevor eine Idee umgesetzt werden kann.

    Welche Würzburg-Erinnerung gefällt Dir besonders gut? Am schönsten waren die warmen Sommerabende mit Freunden auf der Festungsmauer oder am Main sitzend und ein kühles Bier trinkend.

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