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    M.p.th.f.40

    Von Hufen und Handschriften

    Augustinus – Katalogfragment der Würzburger Dombibliothek um 1000 – Güterverzeichnis der Würzburger Domkustodie

    Würzburg, 1. Drittel 9. Jahrhundert (mit Nachträgen bis ins 11. Jahrhundert); Pergament, Halbledereinband, Holzdeckel, 46 Blatt

    Herkunft: Dombibliothek Würzburg

    Signatur: M.p.th.f.40

    Inhalt: Die aus dem 1. Drittel des 9. Jahrhunderts stammende Pergamenthandschrift enthält die sogenannten Retractationes des berühmten Kirchenvaters Augustinus. Darin überprüfte und – wo er es für nötig erachtete - korrigierte der betagte Bischof jedes einzelne Werk seines überaus umfangreichen literarischen Schaffens. Zusätzlich versah er viele Schriften mit Anmerkungen hinsichtlich Zeit, Dauer und Ort des Entstehens sowie über den Beweggrund zur Abfassung eines Textes. Damit verraten uns diese Zusatzinformationen eine Fülle von autobiographischen Daten zu Augustinus und helfen bei der Datierung seiner Schriften.

    Doch weiteres Spektakuläres findet sich in diesem Codex: ein Bibliothekskatalog aus der Zeit der Jahrtausendwende und somit ein einzigartiges Zeugnis der Bibliotheksbenutzung in frühester Zeit. Dieser schließt direkt an den Augustinus-Text an und ist in Tabellenform angelegt: In der ersten Spalte sind alle Bücher der Bibel aufgelistet, ihnen gegenübergestellt finden sich die Namen der Autoren, die den jeweiligen Text kommentiert haben. Der Katalog war nicht als Bestandsnachweis geplant, sondern er sollte als Repertorium dienen, als Nachschlagewerk zur Bibelexegese. Ohne Absatz folgt ein zweiter Teil, der die in der Dombibliothek vorhandenen Bibelhandschriften, patristische Literatur und sonstige theologische Literatur wie Kanoniker- und Klosterregeln oder Canones-Sammlungen auflistet. Allerdings ist der Katalog unvollständig, der tatsächliche Bestand des Domstifts umfasste viel mehr Bände als der Katalog verzeichnete. Lückenhaft war der Katalog auch dahingehend, dass er die liturgischen und die weltlichen Texte wie z. B. die Werke des klassischen Altertums nicht erfasste. Nach wenigen Jahren allerdings war das ambitionierte Katalogprojekt vergessen, stattdessen wurde eine freie Ecke des letzten Blattes unserer Handschrift für den Eintrag eines Güterverzeichnisses der Würzburger Domkustodie benutzt - das älteste in Franken erhaltene Besitzverzeichnis überhaupt!

    Schadensbild:

    Einband:

    Das Bezugsleder ist stark abgerieben, darüber hinaus weist es zahlreiche Wurmfraßlöcher auf. Die Kettenöse, die früher im Rückdeckel angebracht war, hat auf diesem und den vorhergehenden Blättern Rostspuren hinterlassen; auf dem Vorderdeckel sind starke Wasserränder zu sehen. Verlust des greifenden Schließenteiles und des zugehörigen Lederriemens. Der Buchblock ist mit dem Holzdeckel nur noch minimal mit einem Faden über das obere Kapitalband verknüpft, allerdings ist sowohl der obere als auch der untere Kapitalkern im Falz gebrochen. Am Buchrücken oben sind größere Risse im Bezugsleder sichtbar.

    Buchblock:

    Die Pergamentblätter des gesamten Buchblocks sind verformt und gewellt. Das erste Blatt der ersten Lage ist sehr verschmutzt und zeigt starke Spuren von Wurmfraß. Neben einer enormen Fehlstelle auf Blatt 3 finden sich bei den Blättern der ersten und letzten Lage im Falz unten weitere Fehlstellen und Risse. Die Blätter der letzten Lage weisen eine starke partielle Verbräunung auf.

    Kosten (Restaurierung inkl. Digitalisierung): 2290,- €