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    Occupational Health and Safety, Animal Welfare and Environmental Protection

    RSI-Syndrom

    "Repetitive Strain Injury" oder "Repetitive Stress Injury"

    RSI auch als „Sekretärinnenkrankheit“ oder „Mausarm“ bezeichnet – entsteht durch eine Schädigung des Bewegungs- apparates vor allem im Hand-, Arm-, Schulter- und Nackenbereich infolge langanhaltender, monotoner Bewegungen und/oder falscher Sitzhaltung.

    Ein klinisches Wörterbuch beschreibt RSI als "eine Bezeichnung für überbealstungsbedingte schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der oberen Extremitäten infolge jahrelanger Tätgikeit an Tastenschreibgeräten".

     

    Krankheitsbild

    Es handelt sich beim sogenannten RSI-Syndrom nicht um ein medizinisch klar definiertes, einheitliches Krankheitsbild. Unter diesem Begriff werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, die durch chronische monotone Belastungen entstehen: Erkrankungen der Sehnen (z. B. Sehnenscheidenentzündungen), Nervenkompressionssyndrome, komplexes regionales Schmerzsyndrom, Verschleißerscheinungen der Gelenke und/oder der Wirbelsäule oder Fehlstellungen einzelner oder mehrerer Wirbel (Halswirbelsäule). Eine Therapie bzw. eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes ist daher nur nach einer genauen Untersuchung möglich, um welche Störung es sich im vorliegenden Falle genau handelt.

    Es gibt zwei Formen der RSI:

    RS-1 = chemisch-physiologischer Typ. Durch lang andauernde, niedrig tonischeMilchsäure kann nicht abtransportiert werden → man bewegt sich weniger, weil es schmerzt → Teufelskreis Kontraktionen im Nacken-Schulterbereich (durch erhöhte Muskelkraft) kommt es zu lokalen Durchblutungsstörungen.

    RS-2 = Cinderella-Syndrom. Durch zu viel kurzzyklische, hochfrequente, repetitiveKarpaltunnelsyndrom (CTS, Carpal-Tunnel-Syndrom) (wiederholende) Bewegung.

     

    Symptome

    Erste Anzeichen eines RSI-Syndroms sind spontaner Kraftverlust und Missempfindungen in den belasteten Bewegungsorganen; Schmerzen treten erst später auf. Häufig ändern sich die Beschwerden und können über das gesamte belastete Organ wandern. Nur bei ca. 10% der RSI-Patienten wird den Beschwerden eine medizinische Bezeichnung (Krankheit) zugeordnet. Auch dieses gelingt nur mit eingegrenzter Sicherheit, weil die Diagnose sich häufig aus (subjektiven) Symptomen, wie z. B. Schmerz, denn aus objektiven Zeichen, z. B. verringerte Nervenleitungsgeschwindigkeit, ableitet.

    Subjektive Beschwerden

    • Verlust an Kraft, Beweglichkeit und Sensibilität (Taubheitsgefühl)

    • Missempfindungen (Kribbeln, Ziehen, Kältegefühl)

    • Fehlbewegungen

    • Muskelkrämpfe, sowie

    • Schmerzen bei Bewegung und Ruhe

    Medizinische Bezeichnungen, die auf ein RSI-Syndrom hinweisen können

    • Bursitis [Schleimbeutelentzündung]

    • Epicondylitis lateralis bzw. ulnaris [Tennis- bzw. Golfellenbogen]

    • Insertionstendopathie [allgem. Bezeichnungen, häufig bei unklarem Befund]

    • Ganglionzyste [Überbein]

    • Karpaltunnelsyndrom [Kompressiondes Nervus medianus]

    • Raynaud-Syndrom [Hand-Arm-Vibrationssyndrom]

    • Styloiditis ulnaris bzw. radialis [Entzündung des Griffelfortsatzes]

    • Tendovaginitis stenosans [Quervain-Krankheit]

    • Tendopathie, Tendomyalgie,Tenosynovitis, Tendovaginitis, Kettentendinose

     Medizinische Bezeichnungen, die nicht auf ein RSI-Syndrom hinweisen

    • Chronische Polyarthritis und andere rheumatische Erscheinungen, die sich als Systemerkrankungen auch in gänzlich anderen als den belasteten Gliedern ausdrücken.

    • Fibromyalgie, Fibrositis oder auch generalisierte Tendomyopathie

    • Zervikalsyndrom oder auch Zervikobrachialsyndrom: Veränderungen in der Halswirbelsäule, die zu Nervenwurzel-Reizungen führen und subjektiv als Arm/Handbeschwerden erlebt werden können. Sehr beliebte Anhiebsdiagnose aufgrund zusätzlicher Schulter - Nackenbeschwerden; ist jedoch sehr selten durch Befunde an der Halswirbelsäule belegbar.

    Betroffene Menschen:

    • Programmierer,

    • Designer,

    • Sekretärinnen,

    • Musiker und

    • teilweise Produktions- und

    • Fließbandarbeiter u.v.m

     

    Diagnostik

    Die diagnostischen Maßnahmen beziehen sich auf die subjektiven Symptome und Beschwerden sowie auf eindeutig erkennbare Krankheitszeichen. Wird dann eine muskuloskeletale Krankheit erkannt, die im Verdacht steht, durch RSI verursacht zu sein, müssen Erkenntnisse aus der beruflichen Tätigkeit hinzugezogen werden. Stimmen diese mit dem organnahen Befund überein, ist das Stadium der Chronifizierung zu erheben und zu beschreiben.

    Symptome

    • Verfahren: Finkelsteintest, Phalens-Test ....ENR, Röntgen, Ultraschall, MRI
    • Ergebnis: Epikondylitis, Karpal-Tunnel-Syndrom, Tendinitis, Tendovaginitis...

    Tätigkeit

    • Verfahren: Arbeitsplatzanalyse, Belastungs-Emg, Bewegungsanalyse
    • Ergebnis: Meßwerte der Belastung, hoch-beanspruchte Organteile, dysfunktionale Ko-Kontraktionsmuster und Arbeitsverhältnisse, biomechanisch ungünstige Bewegungsabläufe und Gelenkstellungen

    Chronifizierung

    • Verfahren: Sensibilitäts-, Kraft- und Konditionierungstests, Verhaltens- und Kognitionsanalyse, Temperatur und Durchblutung, Schmerzschwelle und
    • Toleranz, Behinderungsexploration
    • Ergebnis: Empfindungseinbußen und -verschiebungen, dysfunktionale Verhaltens- und Denkbereitschaften Schmerzskalierung und -beschreibung, Chronifizierungsstadium

     

    Ursachen

    Hauptursache von RSI-Beschwerden ist definitionsgemäß die Wiederholung stereotyper Bewegungen über mehrere Jahre hinweg.

    RSI betrifft - wie jede Krankheit auch - nicht alle gleichermaßen belasteten Personen. Individuelle Eigenarten, die außerhalb der bewußten Kontrolle der Person liegen und für sich keinen Krankheitswert haben, tragen zum Entstehen der Beschwerden bei: Dies sind neben speziellen Reaktionsbereitschaften bestimmter Organe in bezug auf leistbare Bewegungsfrequenz, Eigenarten bei der Regelung der peripheren Körpertemperatur, besondere Verteilung von slow- und fast-twitch Muskelfasern, geringe Radii der Handgelenke, vorzeitiges Aussetzen der Antagonistenhemmung, reduzierte Synovia-Produktion, erhöhte Schwellungsfähigkeit des umliegenden Gewebes von Nerven und Sehnen usw. Auf psychischer Seite sind gesteigerte Leistungsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit, verringerte Interferenztoleranz sowie reduzierte Körperwahrnehmung anzuführen.

    Im Folgenden werden organische Bereiche genannt, bei denen der schädliche Einfluß massierter Bewegungswiederholungen höchst wahrscheinlich und zumindest in Tierversuchen wiederholt aufgezeigt werden konnte: Muskelfasern, Sehnen und Sehnenscheiden, Nerven, Gelenkoberflächen

    Diese Organschäden, zumeist Verletzungen auf zellulärem Niveau, führen zu Gewebsreaktionen, die kurzfristig der Schadensbegrenzung dienen sollen, aber, weil durch weitere Tätigkeiten häufig unterbrochen, langfristig neue Schädigungen hervorrufen. Ko-kontraktion einzelner Muskelstränge und Muskelverkürzungen zum Schutze verletzter Muskelfasern, nozizeptive Fehlregulationen und Schutzreflexe, neuroplastische Sensibilitätseinbrüche und kognitive Schmerzunterdrückung wären hier zu nennen.

     

    Behandlung

    Ein allgemeiner Überblick über die Erfolge der verbreitetsten Behandlungsverfahren steht nicht zur Verfügung. Die eher negativen Ergebnisse unserer eigenen Erhebungen können auf einem Selektionseffekt beruhen, der die Behandlungserfolge zu pessimistisch darstellt. Da aber auch viele renommierte Autoren zu ähnlichen Schlußfolgerungen kommen, nach denen ein chronifiziertes RSI-Syndrom kaum heilbar ist, müssen die aktuellen ärztlichen Bemühungen dann skeptisch beurteilt werden, wenn sie nur auf die Verringerung der Beschwerden aber nicht auf die Beseitigung der Krankheitsursachen ausgerichtet sind. Die folgenden Stellungnahmen sind daher nur als Hinweis zu verstehen, die Änderung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsverhaltens nicht wegen eines kurzfristigen Behandlungserfolgs zu unterlassen, sondern genau dann verstärkt zu betreiben.

    Medikamentös wird mit Schmerz- und Rheumamitteln sowie mit Kortison-Injektionen und Antidepressiva behandelt. Diese Methoden sind geeignet, die Empfindung der aktuellen Beschwerden zu reduzieren. Wird aufgrund der "künstlichen" Beschwerdefreiheit unvermindert weitergearbeitet, fördert dies die Chronifizierung des Syndroms. Eine langfristig angelegte analgetische Grundbehandlung kann sich jedoch bei deutlich verminderter Tätigkeit langfristig positiv auswirken, da sie eine Entkoppelung zwischen Tätigkeit und Schmerzempfindung bewirkt. Gewöhnungs- und Abhängigkeitseffekte von Analgetika sollten dabei beachtet werden.

    Physiotherapeutisch stehen neben der Symptomreduktion durch Wärme, Kälte, Bestrahlungen remobilisierende Maßnahmen (Muskeldehnung, Gymnastik) im Vordergrund. Während bei beschwerdenreduzierenden Maßnahmen dieselben Einschränkungen gelten wie für medikamentöse, sind remobilisierende Übungen als Grundlage von Behandlungserfolgen weiterer Maßnahmen zu betrachten.

    Chirurgische Eingriffe haben bei akuten, eindeutig diagnostizierbaren tendomyalgischen Beschwerden eine bessere Prognose als bei sich schleichend entwickelnden oder chronifizierten Hand/Arm-Schmerzen. Zwar wird häufig von einer kurzfristigen Besserung berichtet, nach wenigen Jahren kann sich aber der chirurgische Eingriff als Schwächung des Bewegungsapparates erweisen.

    Psychotherapeutische Verfahren zielen auf Änderung der krankheitsbedingten Abnahme von Selbstwertgefühl und Leistungsbereitschaft. Langandauernde, tätigkeitsbegleitende Schmerzzustände können die Entwicklung depressiver Syndrome einleiten oder beschleunigen. Diese werden durch Alltagsprobleme und frühere Konflikte verstärkt. Eine Aufarbeitung der aktuellen und vergangenen Lebensumstände führt in der Regel zu einer besseren Schmerzbewältigung und damit Steigerung der Lebensqualität. Kognitivbehaviorale Verfahren waren hierbei langfristig erfolgreich.

    Eine Psychologische Schmerztherapie sollte möglichst viele der am RSI-Syndrom und seiner Chronifizierung beteiligten pathophysiologischen und psychologischen Faktoren einbeziehen. Als Beipiel eines solchen Behandlungsprogramm kann die von uns so bezeichnete physio-behaviorale RSI-Behandlung gelten, die sich noch in der Erprobungsphase befindet. Der Ansatz versteht sich primär als verhaltenstherapeutisch, bezieht aber gezielt pathophysiologische Faktoren der Verhaltenssteuerung mit ein.

    Unser physio-behaviorales Behandlungsprogramm für RSI-Patienten zielt auf die Änderu

    • des individuellen biomechanischen Bewegungsmusters am Arbeitsplatz,

    • der Ergebnisse von inzidentellen, RSI-gesteuerten Lernprozessen,

    • algogener Neuroplast-Systeme auf sensorischer und neuromuskulärer Ebene.

    • der krankheitsbedingten kognitiven Bewertungsprozesse.

    Dadurch soll einmal eine merkliche Reduktion der Beschwerden erreicht werden, zum anderen soll durch Etablierung verhaltens- und geräteergonomischer Prinzipien am Arbeitsplatz die Symptomreduktion stabilisiert und Rückfällen vorgebeugt werden.

    Behandlungsmittel:

    Je nach individuellen Arbeitsgewohnheiten wird aus einem Katalog von diagnostischen Verfahren, Übungen und Geräten ein individuelles Behandlungsprogramm erstellt. Ein Teil dieser therapeutischen Werkzeuge leitet sich aus Verfahren und Konzepten medizinischer und verwandter Disziplinen ab, andere sind der klassischen und kognitiven Verhaltenstherapie entlehnt.

    Die Behandlung setzt wegen ihres einübenden Charakters eine hohe Motivation bei Patienten voraus. Diese wird durch begleitende Rückmeldungen während der Behandlungszeit unterstützt. Bei der Umsetzung verhaltens- und geräteergonomischer Prinzipien am Arbeitsplatz wird auf geeignete Informationsquellen und Verordnungen verwiesen.

    Weiter sollte eine

    • medizinische Vorabklärung zum Ausschluß konkurrierender Diagnosen erfolgt sein

    • Berufstätigkeit am Bildschirmarbeitsplatz noch bestehen

    • private Nutzungsmöglichkeit an einem PC vorhanden sein

    • Möglichkeit bestehen, die Tätigkeit am Arbeitsplatz variabel zu gestalten

    Wir gehen weiter davon aus, daß zum Zeitpunkt der Behandlung keine wesentlichen Verletzungen bestehen, deren Heilungsprozess beeinträchtigt werden könnte. Die Maßnahmen sind nicht-invasiv und müssen - nicht nur aus ethischen Erwägungen - so durchgeführt werden, daß dabei keine Schmerzen empfunden werden.

     

    Tipps und Tricks

    In dieser Rubrik finden sich einige kürzere Tipps, mit denen der Alltag am PC und zuhause besser gemeistert werden kann. Sie sind wichtig für das Wohlbefinden jeden Tag, sowie für eine Heilung der RSI-Schmerzen.

    Versuchen Sie mit der Zeit, immer mehr der vorgestellten, und Ihnen sinnvoll erscheinenden Möglichkeiten zu nutzen und in ihrem Alltag zu integrieren. Versuchen Sie nicht, alles auf einmal durchzuführen, sondern machen Sie sich eventuell einen Plan, indem sie jede Woche ein weiteres kleines Werkzeug zur Bekämpfung von RSI hinzufügen.

    Folgende Tipps und Tricks sind bisher vorhanden:

     

    Prävention

    RSI-Prävention zielt auf Veränderungen am Bildschirmarbeitsplatz bei der gerätemäßigen Ausstattung, dem Bewegungsmuster und -ablauf und der inneren wie äußeren Arbeitsorganisation.

    Wie neueste Forschungsergebnisse belegen sind gute Geräte-ergonomische Arbeitsbedingungen und möglichst dauerstressfreie Arbeitsverhältnisse erste Voraussetzung für eine erfolgreiche RSI-Prävention. Weitere Informationen finden sich hierzu bei ergo-online.de

    Als weitere Vorausetzung ist der Veränderungswille beim Betroffenen anzuführen. Jahrelang eingeübte Gewohnheiten, besonders die Bewegungsabläufe betreffend, sind nur langsam zu verändern. Allein der Wille macht aus einem Schlurfi noch keinen Ballettänzer, und ein falscher Aufschlag beim Tennis läßt sich nur mit Fleiß abgewöhnen ... aber es geht.

    RSI-Prävention ist weit mehr als Verbesserung von Möbeln, Bildschirmen, Programmen und Eingabegeräten. Ohne Verhaltensänderung bleiben diese Investitionen nutzlos, so eine frühe australische Erfahrung.

    Verändert werden müssen einmal biomechanisch ungünstige Bewegungsmuster. Dort wo die Sehnen zu stark umgelenkt werden, entsteht zuviel Reibung und die Gefahr von Entzündungen nimmt zu. Wird das Handgelenk stark nach oben oder unten abgeknickt, bedeutet dies eine zunehmende Verschmälerung des Karpal-Tunnels, durch den sowohl sich bewegende Sehnen als auch Nervenfasern laufen. Auch hier können geringe Reibungen ein vermehrtes Austreten von Gewebsflüssigkeit bewirken - und der Tunnel wird noch enger. Auf Dauer nimmt die Leitungsgeschwindkeit der beteiligten Nervenfasern ab, ein Zeichen, daß der Nerv verletzt worden ist.

    Verändert werden müssen auch die Zeitparameter der Bewegungsabläufe. Keine Bewegung ist so ungesund wie hochfrequente Dauerbewegung. Bewegung stimuliert Regenerationsprozesse, diese brauchen aber Bewegungspausen. Rhythmisierte Bewegungsabläufe und aktiv gestaltete Minipausen geben die notwendigen Millisekunden zur Regeneration und Zufuhr neuer Energielieferanten.

    Zu schnelle Bewegungen beanspruchen die dafür vorgesehenen fast-twitch-Fasern so stark, daß diese sich in slow-twitch-Fasern umwandeln. Stehen zuwenig fast-twitch Fasern zur Verfügung greift der Organismus selbst bei hochfrequenten Bewegungen auf langsamere slow-twich-Fasern zurück, die dafür vom Aufbau und der Energieversorgung ungeignet sind. Langsamer arbeiten, wäre eine Lösung.
    Geht dies nicht, müssen Re-Trainings absolviert werden, die wie beim Sportler den genetisch vorgesehenen Anteil an fast-twitch-Fasern wieder herstellen.

     

    Weitere Informationen: