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Richard Strauß ELEKTRA - Eine Kritik

06.11.2023

Tragödie von Hugo von Hofmannsthal

Odysseus, auch Kampfgenosse von König Agamemnon, Gemahl von Klytämnestra musste bei seiner Rückfahrt nach dem Trojanischem Krieg circa 1200 vor Christus an der Insel der Sirenen vorbeifahren. Deren Gesang war auf Grund ihrer betörenden Klänge bei allen Seefahrern befürchtet, da sie die Vorbeifahrenden in einen Sinnenrausch versetzten, der sie an der Weiterfahrt hinderte. Deshalb ließ sich Odysseus an den Mast seines Schiffes binden. Zudem verstopfte er die Ohren seiner Männer mit Wachs, damit sie nichts hören und verführt werden konnten. So ruderten sie gefahrlos vorbei.
Der Gesang der Sirenen musste so überirdisch schön gewesen sein, dass auch Cavaradossi davon Kunde hatte und seine geliebte Tosca mit “la mia Sirena“ umschmeichelte.
Ähnlichem Sinnenrausch, aber nicht so gefahrenträchtig war das Publikum bei der Prämiere der Oper ELEKTRA am 08. Oktober 2023 verfallen, denn auf der Bühne waren sirenenartige Klänge zu vernehmen. Dies waren die Stimmen von Sanja Anastasia als Klytämnestra, Elena Batoukova-Kerl als Elektra und Margarita Vilsone als Chrysothemis (am 31.Oktober Ilia Papandreou). Allen voran die Interpretin der Elektra. Was für eine Ausdruckskraft in der Stimme - Töne aus dem Unendlichen kommend anschwellend und wiederum gefühlvoll entschwebend. Das alles gepaart mit einer überzeugenden Körpersprache. Ihr sehr nahekommend auch die stimmlichen ausdrucksstarken Darbietungen der Interpretinnen der Klytämnestra und Chrysothemis. Beeindruckend war das orchestrale Umfeld unter der packenden und faszinierenden Leitung des Dirigenten Enrico Calesso.
Die Straußsche Elektra-Musik setzt sich überwiegend aus arienartigen Vorträgen und Duetten zusammen. So bietet schon jede Arie für sich musikalisch-dramaturgische Höhepunkte. Trotzdem kommt es zu einem erneut dramaturgischen Höhepunkt bei der Szene, wo Orest (überzeugend Kosma Ranuer Kroon) sich Elektra als ihren Bruder zu erkennen gibt. Hier führt Calesso das Orchester zur verstärkten Ausdrucksform und brillanten Lautstärke. Das um die kleine Bühne herumplatzierte Orchester folgte überzeugend seinem Dirigenten.
Die Handlung spielt an sich im Hof des Königspalastes vom Agamemnon statt. Hier war geschickt eine kleine Bühne mit einer Drehwand aufgebaut, die für den Szenenwechsel sorgte. Unter der Bühne war ein Verlies artiger Raum ( sehr gut gestaltet von Julia Katharina Berndt ). Dort hauste die von ihrer Mutter Klytämnestra verhasste Tochter Elektra, denn Klytämnestra fürchtete die Rache ihrer Tochter weil sie zusammen mit ihrem Geliebten Aegisth ( Brad Cooper) ihren Gemahl Agamemnon, Elektras Vater töten ließ. Denn Klytämnestra konnte ihrem Mann nicht verzeihen, dass dieser nach ihrer Tochter, Elektras Schwester Iphigenie geschickt hatte, da der größte Held der Antike Achill sie zum Weibe begehrte. Voller Stolz schickte die Mutter ihre Tochter zu den Griechen auf der Insel Aulis. In Wirklichkeit folgte Agamemnon dem Orakelspruch des Sehers Calchas die Tochter Iphigenie zu opfern, damit Poseidon den Griechen günstige Winde für ihre  Segelschiffe zur Weiterfahrt nach Troja schickte. Da Iphigenie nie geopfert wurde sondern von der Göttin Artemis auf die Insel Tauris entrückt worden war hatte Klythämnestra nie erfahren. Auch die Mägde, von Klytämnestra versklavt durften Elektra nicht wohlgesinnt sein. Doch die Schwester Chrysothemis hielt zu ihr, und beide träumten von der ersehnten Rückkehr ihres Bruders Orest. Nach dessen Rückkehr beschlossen er und Elektra den Tod an ihrem Vater Agamemnon zu rächen und töteten daraufhin ihre Mutter. Das brachte ihnen den Fluch der Rachegeister, den Eurynien ein.
Hohes Lob verdient die Regie von Nina Russi. die für die optische Unterhaltung verantwortlich zeichnete. Ebenso überzeugend auch die dramaturgische Gestaltung des Szenenablaufs von Berthold Warnecke.

Beifall wem Beifall gebühret!

Horst Schäfer-Schuchardt

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