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    Dante-Gesellschaft

    PYTHAGORAS

    03.06.2020

    oder: A-quadrat + B-quadrat = C-quadrat - Eine Grabrede zum 2.500sten Todestag (570-480 v. Chr.)

    Die Büste von Pythagoras befindet sich in den Kapitolinischen Museen in Rom
    Die Büste von Pythagoras befindet sich in den Kapitolinischen Museen in Rom


    Wer kennt ihn nicht den berühmten Satz des Pythagoras, jedem Schulkind ist er vertraut:
     In einem rechtwinkeligen Dreieck ist das Quadrat über der Hypotenuse gleich der Summe der beiden Quadrate über den Katheten.
    Mehr ist den Meisten nicht bekannt. Zum Glück gibt es Altphilologen,Historiker und Archäologen. Folgt man ihren Forschungsergebnissen, so breitet sich vor uns die Biographie eines außergewöhnlichen Menschen aus, die Ihresgleichen sucht.
    Schon die Umstände, die zu seiner Geburt führten, können dem Reich der Mythen zugerechnet werden.
    Sein Vater Mnemarchos, ein Handelsreisender auf Samos war mit Parthenis der Jungfräulichen verheiratet, die  als die Schönste unter den Samierinnen galt. Er wollte eine Reise nach Syrien antreten aber vorher das Orakel von  Delphi befragen. Im Apollo-Heiligtum angekommen, verkündigte ihnen Pythia, die Priesterin, dass seine Reise sehr lukrativ sein werde und dass Parthenis, seine Frau, schwanger sei und einen Knaben gebären würde, der wegen seiner edlen und schönen Gestalt und Gelehrsamkeit alle Menschen übertreffen sowie der Menschheit von großem Nutzen sein werde.
    Christliche Parallelen mit Maria, Josef und Heiliger Geist sowie Verkündigung tun sich auf, denn als der ahnungslose  Mnemarchos von der Schwangerschaft erfuhr, änderte er den Namen seiner Frau in Pythais und gab „seinem“Sohn den Namen Pythagoras denn er hatte erkannt, dass die Schwangerschaft auf das Einwirken des  Delphischen Gottes Apollon und auf sein Pythisches Orakel zurück zu führen sei.
    Die Eltern kamen wieder in Samos an und nach einigen Monaten erblickte Pythagoras das Licht der Welt. Dort wuchs er auf und als „Götter gleicher Jüngling“ trat er in die Dienste des auf Samos herrschenden Tyrannen Polykrates. An dessen Hof lernte er den von Goethe und Lessing gleicher Massen geschätzten  Dichter und Komponisten Anakreon kennen und freundete sich mit ihm an.

    Doch wissbegierig und hungrig nach geistigen Disziplinen hielt es ihn nicht länger auf Samos sondern es zog ihn nach Ägypten, das damals als die  Hochburg aller Geistigen Wissenschaften galt. So erbat er sich von seinem Herrn Polykrates ein Empfehlungsschreiben für den ägyptischen Pharao Amasis,  der mal wieder die Gastfreundschaft des Tyrannen genoss. Zur gleichen Zeit musste sich der Vorgang ereignet haben,  den Herodot  in einer Anekdote  überliefert hat, die dann Friedrich Schiller in seiner Ballade „Der Ring des Polykrates“ so treffend schildert.
    Danach war dem Ägypter Amasis die nicht enden wollende Glückssträhne bei allen Taten, die Polykrates beging,   unheimlich geworden.  Er legte ihm nahe, sich von einem sehr lieb gewonnenen Gegenstand zu trennen. Polykrates folgte seinem Rat, fuhr aufs offene Meer hinaus und warf einen kostbaren Ring in die Fluten. Andern tags brachte ein Fischer einen großen frisch gefangenen Fisch dem Polykrates zum Geschenk. Als man den Fisch zerlegte, fand man in seinem Magen den Ring.
    Das war zu viel für Amasis. Er kündigte die Freundschaft mit Polykrates, denn er fürchtete großes Unheil von den Göttern auf ihn zu kommen.
    Und weiter heißt es bei Schiller:

    „Hier wendet sich der Gast mit Grausen:  
    So kann ich hier nicht ferner hausen,  
    Mein Freund kannst du nicht weiter sein.  
    Die Götter wollen dein Verderben;
    Fort eil‘ ich, nicht mit dir zu sterben.
    Und sprach‘s und schiffte schnell sich ein.“

    Am ägyptischen Hof von Amasis zeigte Pythagoras einen solchen Lerneifer, dass er schnell die ägyptische Sprache  beherrschte. Amasis schickte ihn zu den Priestern, deren asketische Lebensführung er sofort übernahm, so ernsthaft und intensiv, dass ihm der Hohepriester das Privileg einräumte, als einziger Fremder den ägyptischen Göttern in ihren Tempeln opfern zu dürfen. Dort wurde er offensichtlich in die priesterlichen Geheimnisse der religiösen Rituale eingeweiht. Er erfährt von der Wiedergeburtslehre, die ihn fasziniert.
    Auch Zarathustra wird als denkbare Quelle genannt.
    Von ihnen lernte er auch  die Kunst der Geometrie, von  den Phöniziern die der Arithmetik, von den Chaldäern die der Astronomie und von den Juden die Kunst der Traumdeutung.
    Er kehrte wieder nach Samos zurück. Doch dort fiel er in Ungnade und flüchtete nach Italien, wo er sich um 532 v.Chr in der im heutigen Kalabrien  gelegenen griechischen Hafenstadt Crotone nieder ließ.
    Hier gründete  er einen Aristokratisch Philosophischen Geheimbund mit strengen Beitrittsregeln. Ziel des Bundes waren Verschwiegenheit, Gütergemeinschaft, ein besonderer Freundschaftskult, Tugendsames Verhalten, Vegetarische Essensvorschriften oder ausgewählte Tieropfer. Assoziationen mit dem Mithraskult und Mozarts Zauberflöte bieten sich an.

    Erfolgreich erwies er sich im Streit mit der nahen Stadt Sybaris.  Er trat als brillanter Rhetoriker auf und forderte in seinen Predigen von seinen Zuhörern mehr Respekt vor den Gesetzen und der Religion, ernste Arbeitsfreude, größere Bescheidenheit und echte Hingabe zu moralischem Verhalten. Schnell breitete sich sein Ruhm aus und seine Anhänger, die sich Phytagoreer nannten, strömten zu Tausenden aus Magna Grecia zusammen, um den in weiße Gewänder gekleideten und mit einem goldenen Kranz gekrönten Tugendsamen Wunderprediger zu sehen und  zu hören.
    Das schuf leider auch viele Neider und Gegner.
    Als  Kylon, der  Tyrann von Crotone, dem Geheimbund beitreten wollte,
    wies ihn Phytagoras als charakterlich ungeeignet ab. Kylon fühlte sich beleidigt und sann auf Rache. Pythagoras musste erneut fliehen, diesmal nach Metaponto. Hier fand er nun für Jahrzehnte sein wahres Zuhause.
    Dort befasste er sich besonders mit mathematischen Studien und fand heraus, dass alles von Zahlen abhängt. Dies bewiesen ihm seine Forschungen über Geometrie, Astronomie, Arithmetik und Musik. Er beobachtete die Himmelskörper und mutmaßte schon, dass die Erde sich drehen könnte.
     Er entdeckte in der Musik auch den Wohlklang der Zahlen abhängigen Intervalle Quarte, Quinte und Oktave. Auf diese Erkenntnis kam er als er in Metaponto an einer Schmiede vorbei kam und die unterschiedlichen Hammerklänge vernahm. Es zeigte sich, dass der Klangunterschied von den Gewichten der Hämmer abhing. Zu hause befestigte er an einem Balken vier gleich lange Saiten, an die er verschiedene miteinander abgestimmte Gewichte hing. Beim Zupfen der Saiten erklangen dann die Intervalle.
    Ein andermal löschte er seinen Durst am Brunnen vor dem Apollotempel in Metaponto. Dieses Wasser verlieh ihm  die Gabe der Weissagung. So will es die Legende. Und sofort sagte er in drei Tagen ein Erdbeben voraus, was auch tatsächlich statt fand.
    War schon die Geburt Pythagoras‘ mysteriös dann auch sein Ableben. Pythagoras starb hochbetagt wobei die Legenden über die Todesart im Unklaren sind. Sie schwanken zwischen einem normalen Tot, einem Selbstmord oder einem Anschlag. Jedenfalls wandelten die Metapontiner sein Haus in einen Tempel der Göttin Ceres um und weihten seine Straße den Musen.
    Auch nach seinem Tod hielt sich sein Ruhm dank  seiner enormen Anhängerschar, den Pythagoreern, noch einige Jahrhunderte. Dazu trugen auch Größen wie Platon, Aristoteles oder Herodot das Ihrige bei.
    Selbst in der Neuzeit beschäftigen sich so auch der Humanist Johannes Reuchlin und die Astronomen Kopernikus und Kepler noch mit den Lehren des Pythagoras und rückten sie in die Nähe der Kabbala und akzeptierten vorsichtig seine Vermutung  der Erdumdrehung.
    Um mit einem Zahlenbeispiel zu enden. Für Pythagoras war 10 die wichtigste Zahl denn die vier ersten Zahlen 1, 2, 3 und 4 ergeben zusammen die Zahl 10.

    Weitere Bilder

    Von HORST SCHÄFER-SCHUCHARDT

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