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Dante-Gesellschaft

LUCIA DI LAMMERMOOR - Eine Kritik

19.04.2023

Tragische Oper in drei Akten von Salvator Cammarano nach einer Vorlage von Walter Scotts "Die Braut von Lammermoor"

Foto: Nik Schölzel Mainfrankentheater Würzburg
Foto: Nik Schölzel Mainfrankentheater Würzburg

GAETANO DONIZETTI

LUCIA DI LAMMERMOOR

Ort, Zeit und Handlung:

Die Kinder zweier verfeindeter Familien des schottischen Hochadels um 1500. Lucia und Edgardo lieben sich, sehr zum Ärger des Bruders von Lucia Enrico. Zahlreiche Intrigen bestimmen das dramatische Geschehen. Es endet wie bei „Romeo und Julia“, und die Liebenden finden erst im Tod zueinander.

Der erste Akt handelt im Wald, der zweite Akt im Schloss vom Lord Enrico Ashton. Der dritte Akt spielt im Schloss vom Sir Edgardo di Ravenswood sowie erneut im Schloss von Lord Ashton. Eine Verwandlung führt uns zu den Gräbern Edgardos. Doch in der Würzburger Präsentation (25.03. und 31.03 2023) war von alldem nichts zu sehen. Stattdessen führten uns farbig funkelnde Leuchtröhren (Ingo Jooß) in das Niveau wie man es von Spielhallen Las Vegas des 20. Jahrhunderts kennt (Pascal Seibicke). Die Regie lag in den Händen Matthew Ferraro.Doch ganz wollte er Schottland nicht verlassen, denn während der Aufführung waren glatzköpfigen Choristen plötzlich rote Haare gewachsen. Sehr lobenswert die Führung und Lenkung des wohlklingenden Chores (Sören Eckhoff) auf der Bühne. Die Kostüme waren entsprechend der Neuzeit ausgewählt. Darbietungen dieser Art passen nicht unbedingt zu einer Oper von Donizetti. Die wären wahrlich besser aufgehoben in Werken von Boris Blacher, Werner Egck oder Bernd Alois Zimmermann. Eine Schweinehälfte, ein Ärzteteam, das wie Marionettenspieler fungierte sowie Knochensammler konnte man kaum als harmonischen Beitrag empfinden. Immerhin scheinen Handys schon damals bekannt gewesen zu sein. Was die Musik Donizettis anbelangt so reiht sich unter der Entfaltung eines melodischen Zaubers ein Belcanto an das andere. Den nun hörbar zu machen war die Aufgabe der Interpreten. Da ist vor allem Akiho Gsujii in der Rolle der Lucia zu nennen. Ihre zierliche Mädchengestalt, ihre Gestik, Mimik und Körpersprache verführten Edgardo glaubhaft und mitfühlsam zu Liebeswahn und leidvoller Eifersucht. Doch alles wurde überstrahlt durch Lucias herrliche Stimme, deren Töne aus dem Unendlichen zu kommen schienen und dorthin wieder entschwebten. Übertrumpft wurden diese Klänge noch durch das Duett der Nachtigall mit der Flöte, der sogenannten Wahnsinns-Arie, wo sie unter den sehr einfühlsamen Händen des Generalmusikdirektors Enrico Calesso in Sphären eintauchte , die man nur mit einem „non plus ultra“ andeuten kann.

Mit seinem wohlklingendem Belcanto-Bariton beherrschte Hinrich Horn als Lord Enrico die Rolle des Bösen meisterhaft. Auch Robert Ortiz war mit seiner rauchig samtenen, teilweise metallisch klingenden Stimme ein wahrer Vertreter des Belcanto.

Die schwarzen Bässe Sejong-Chang Gast aus Leipzig und Bartosz Araszkiewicz Gast aus Coburg als Raimondo Bidebent, auch sie blieben dem Belcanto nichts schuldig. Bewährte Stützen der Aufführung waren Barbara Schöller, Mathew Habib und Yong Bae Shin.

Einfühlsam, der Gestaltung des Belcanto bewusst, führte Calesso sein Orchester mit den unendlichen Melodien in die märchenhafte Welt der Gefühle.

 

Beifall wem Beifall gebühret

Horst Schäfer-Schuchardt

 

Es wurden die Aufführungen am 25. und 31.03.2023 besucht und es bewahrheitete sich, dass die Premiere einer Oper immer die eigentliche Generalprobe sei. Denn es ist der erste Auftritt vor Publikum und das Lampenfieber ist immer gegenwärtig. So wirkten die Darsteller vom 31.03. bei ihrer zweiten Aufführung viel entspannter und gelöster. So ermutigt boten sie ihre Rollen schauspielerisch und gesanglich erheblich unbefangener an.

 

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