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    Experteninterview mit Dr. Christina Kreibich

    23.11.2017

    Als Leiterin der Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Heinrich-Schmid-Unternehmensgruppe ist die promovierte Germanistin sowohl Pressesprecherin des CEO als auch für den Geschäftsbericht und die Bankenkommunikation ihres Unternehmens verantwortlich.

    Dr. Christina Kreibich

    Dr. Christina Kreibich

    Was haben Sie studiert?
    An der Universität Würzburg habe ich Germanistik, Geschichte und Sozialkunde für das Lehramt an Gymnasien studiert, alle drei Fächer vertieft. Mit I. und II. Staatsexamen habe ich das Studium abgeschlossen. Das Studienreferendariat führte mich vom Würzburger Siebold-Gymnasium (Seminarschule) aus jeweils ein halbes Jahr an Einsatzgymnasien in Mühldorf am Inn und in Neu-Ulm. Im Anschluss absolvierte ich einen Promotionsstudiengang an der Uni Würzburg in Älterer Germanistik (Mediävistik). Die Themenstellung "Der mittelhochdeutsche Minneleich" wurde von Herrn Prof. Dr. Dietrich Huschenbett als Doktorvater betreut.

    Welche Erkenntnisse in Ihrem Studium waren prägend für Ihre heutige Tätigkeit?
    Zweifellos gibt es viele Erkenntnisse, von denen ich bis heute zehre. Eine ganz klare Einsicht hat mir die vertiefte Lektüre von "Die Klage der Kunst" von Konrad von Würzburg (13. Jh.) im Rahmen eines Oberseminars vermittelt. Es geht in diesem allegorisch geprägten Werk darum, dass die Kunst, die personifiziert auftritt, die ihr zustehende Unterstützung ("milte") gerichtlich einfordern möchte. – Fazit: Es gibt im Leben etliche Dinge, von denen man vermeintlich der Auffassung ist, man müsse sie einfordern können. Das ist aber tatsächlich nicht so.

    Was war Ihr „schrägster“ Nebenjob?
    Ich würde es eher als "außergewöhnlich" bezeichnen, weniger als "schräg". In den Semesterferien habe ich mehrmals in den Kernkraftwerken Gundremmingen gearbeitet. Das war ein interessanter Bürojob, um die Revisionsplanung zu unterstützen. Außerdem durfte ich auch die innersten Reaktorbereiche besichtigen.

    Welche Kompetenzen sollte man – aus Ihrer Sicht – bereits vor dem Berufseinstieg trainieren?
    Durchhaltevermögen, das "Bohren dicker Bretter", langen Atem, ein "Jetzt-erst-recht"-Denken. Eigeninitiative und "Think-out-of-the-box"-Denken. Humor und Selbstironie.

    Was würden Sie rückblickend in Ihrem Studium besser planen, wenn Sie dieses noch einmal beeinflussen könnten?
    Ich würde schon viel früher mit Praktika in unterschiedlichen Bereichen und Unternehmen beginnen, um realistische und vielfältige Einblicke ins Berufsleben zu gewinnen und Netzwerke aufzubauen.

    Wie alt waren Sie, als Sie ins aktive Berufsleben eingestiegen sind?
    Ich war 26 Jahre alt, als ich im Jahr 1995 mit dem Studienreferendariat begonnen habe. Ich war 30 Jahre alt, als ich 1999 meine erste "normale" Stelle in der Papierindustrie im Bereich Personalwesen angetreten habe.

    Was war das prägendste Erlebnis / ein Schlüsselereignis in Ihrer bisherigen Karriere?
    Als junge Mitarbeiterin habe ich in der Papierindustrie nach zwei Berufsjahren miterlebt, wie ein traditionsreiches deutsches Familienunternehmen mit über 150 Jahren Geschichte und ca. 4.200 Mitarbeitern im Rahmen einer freundlichen Übernahme an einen großen finnischen Papier- und Forstkonzern mit über 36.000 Mitarbeitern verkauft wurde. Über Nacht war die Konzernsprache Englisch; die Zentrale lag nicht mehr in Augsburg, sondern in Helsinki. Von der Verkaufssumme in Milliardenhöhe schüttete die Inhaberfamilie Haindl/Holzhey einen Anteil von 1 % in Form von Treueprämien an die "verkauften" Mitarbeiter aus. Das war ein Zeichen sozialen Unternehmertums und bisher einmalig in dieser Form in der Industriegeschichte.

    Wenn Sie noch einmal ein Praktikum machen könnten, was würden Sie gerne ausprobieren?
    Ich würde mich gern in den Bereichen "Zukunftsforschung" und "Glücksforschung" orientieren. Das wären allerdings keine herkömmlichen Praktikumsplätze, die hier erforderlich wären.

    Was für Herausforderungen sehen Sie auf Ihre Branche in den nächsten 20 Jahren zukommen?
    Gegenwärtig bin ich bei der Heinrich-Schmid-Unternehmensgruppe beschäftigt. Das ist der größte Ausbau-Dienstleister Europas mit ca. 5.000 Mitarbeitern. Wir bieten alle Gewerke an und auch Komplettbaulösungen. Da ja Handwerk "goldenen Boden" hat und die Baubranche gerade boomt, wäre es wichtig, das starke Unternehmenswachstum beizubehalten, gleichzeitig aber auch die Konsolidierung und notwendige Anpassung der Strukturen in der Zentrale parallel nicht zu vernachlässigen. Wir sehen im Bereich Handwerk ein großes Thema im Bereich Fachkräftemangel. Obgleich Heinrich Schmid eine eigene Bildungsakademie mit attraktiven Entwicklungsperspektiven bietet, fehlen uns Nachwuchskräfte.

    Was geben Sie Ihren Praktikanten für deren Zukunft mit auf den Weg?
    In fachlicher Hinsicht zeige ich ihnen die riesige Bandbreite an Themen und Aufgabenstellungen, die das Spektrum eines Unternehmenskommunikators so facettenreich und spannend machen. In persönlicher Hinsicht versuche ich, den Praktikanten, wenn ein Vertrauensverhältnis gegeben ist, sehr eng und "off records" an meinen Einschätzungen, Gedanken und Entscheidungsüberlegungen teilhaben zu lassen, damit er bei all dem professionell wirkenden Business auch "hinter die Kulissen" blicken kann. Auf diese Weise kann sich ein Praktikant für sich selbst ein klares Bild davon machen, ob er auf so einer "Bühne" als "Industrieschauspieler", wie das ein Kollege von mir einmal treffend ausgedrückt hat, mitwirken möchte.

    Von Dominik Wenske

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