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    Wofür die Studienbeiträge verwendet werden

    23.04.2007

    Bis Mitte April haben die Studierenden der Universität Würzburg rund 6,7 Millionen Euro an Studienbeiträgen für das Sommersemester überwiesen. 5.167 Studierende wurden bislang von den Beiträgen befreit – die allermeisten, weil sie aus kinderreichen Familien stammen.

    Medizinstudentin Susanne Keilig übt an einem Phantom-Modell das Abhören, die "Auskultation".
    Im Würzburger SkillsLab übt Medizinstudentin Susanne Keilig an einem Phantom-Modell das Abhören, die "Auskultation". Mit den Studienbeiträgen wird diese praxisorientierte Form der Ausbildung nun weiter ausgebaut. Foto: Gunnar Bartsch

    Die Studienbeiträge wurden in Bayern jetzt erstmals fällig, an der Uni Würzburg sind es 500 Euro pro Semester. Von der Beitragspflicht automatisch befreit waren 1.441 Studierende, die entweder in der Promotionsphase stecken oder derzeit beurlaubt sind. Weitere 3.726 Befreiungen hat die Universität auf Anträge hin ausgesprochen: Gut 2.800 davon gingen an Studierende aus Familien mit drei oder mehr Kindern. Befreit werden außerdem Studierende, die selbst Kinder erziehen, eine schwere Behinderung haben oder chronisch krank sind.

    Zehn Prozent der eingenommenen Summe muss die Universität gesetzesgemäß an den Sicherungsfonds des Freistaates Bayern abgeben. Der Fonds dient der Absicherung von Banken – falls Studierende, die zur Finanzierung der Studienbeiträge einen Kredit aufnehmen, später in Rückzahlungsschwierigkeiten geraten. Das Bayerische Studienbeitragsdarlehen der KfW-Förderbank können die Studierenden über die Universitäten beantragen. An der Julius-Maximilians-Universität haben das bislang 547 Studierende getan.

    Rund 2,6 Prozent der eingenommenen Summe behält die Universität für ihren eigenen Verwaltungsaufwand, der durch die Einführung der Studienbeiträge neu entstanden ist. Unter anderem müssen die Beschäftigten die zahlreichen Anträge auf Befreiung von Studienbeiträgen prüfen und bearbeiten. Auch die Kreditanträge sorgen für zusätzlichen Aufwand.

    65 Prozent des Geldes für die Fakultäten

    Von dem verbleibenden Geld gehen 65 Prozent direkt an die zwölf Fakultäten. So sieht es die Studienbeitragssatzung der Universität vor. Die Finanzabteilung der Uni hat den Fachbereichen bislang rund 3,8 Millionen zur Verfügung gestellt. Je mehr Studierende eine Fakultät hat, desto mehr Geld bekam sie zugewiesen:

    • Katholisch-Theologische Fakultät: 38.178 Euro
    • Juristische Fakultät: 285.340 Euro
    • Medizinische Fakultät: 477.624 Euro
    • Philosophische Fakultät I: 87.427 Euro
    • Philosophische Fakultät II: 761.226 Euro
    • Philosophische Fakultät III: 924.236 Euro
    • Fakultät für Biologie: 172.001 Euro
    • Fakultät für Chemie und Pharmazie: 318.937 Euro
    • Fakultät für Geowissenschaften: 152.456 Euro
    • Fakultät für Mathematik und Informatik: 168.652 Euro
    • Fakultät für Physik und Astronomie: 181.572 Euro
    • Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät: 243.658 Euro

    Wie die Fakultäten mit den Beiträgen die Lehre verbessern wollen, entscheiden sie selbst – jeweils unter paritätischer Mitsprache der Studierenden. Die Philosophische Fakultät II beispielsweise wird laut Studiendekanin Trude Ehlert fast das gesamte Geld in Personal investieren, um die Lehrbedingungen im Grundstudium zu verbessern. Dafür wurden die Beiträge, gewichtet nach der Zahl der Studierenden, auf die einzelnen Fächer verteilt. Am meisten erhalten Anglistik und Germanistik (jeweils rund 160.000 Euro), gefolgt von Geschichte und Romanistik (jeweils circa 100.000 Euro) sowie Volkskunde/Europäische Ethnologie und Kunstgeschichte (beide circa 25.000 Euro).

    Die Mediziner schaffen von den Studienbeiträgen unter anderem zusätzliche Mikroskope an, bezahlen damit die Praktikumsskripten, welche die Studierenden bislang selbst kaufen mussten, und finanzieren zusätzliche Tutoren für die Praktikumsbetreuung. Außerdem investieren sie das Geld in die verbesserte Ausstattung ihres SkillsLab, in dem die Studierenden grundlegende ärztliche Fertigkeiten üben können. Rund 350.000 Euro werden für die Einstellung ärztlicher Mitarbeiter als Lehrkoordinatoren in den großen klinischen Fächern verwendet. Im Auvera-Haus im Stadtteil Grombühl sollen für die Studierenden außerdem Aufenthalts- und Lernräume gemietet werden, weil es solche im Bereich des Uniklinikums bislang nicht gibt.

    Die Juristische Fakultät realisiert mit den Studienbeiträgen unter anderem Sprachkurse in Chinesisch, Koreanisch, Japanisch und Arabisch. Diese Angebote sollen die Chancen der angehenden Rechtsexperten erhöhen, sich später auf dem Arbeitsmarkt von den Mitbewerbern abzuheben. Neben den Fremdsprachen selbst werden in den Kursen auch interkulturelle Kompetenzen und Einblicke in die Rechtssysteme der jeweiligen Länder vermittelt.

    35 Prozent auch für zentrale Bereiche

    Um die restlichen 35 Prozent der Studienbeiträge konnten sich die Fakultäten sowie Unibibliothek, Rechenzentrum, Verwaltung und Sprachenzentrum bewerben. Mit diesem Geld entstehen zum einen neue Arbeitsplätze, etwa in der Studentenabteilung. Dort soll zum Beispiel der Online-Service für die Studierenden weiter ausgebaut werden. Auch die Studienberatung bekommt Verstärkung. Für all das und mehr sind im Sommersemester rund 285.000 Euro vorgesehen.

    Aufgestockt wird das Personal auch im Sprachenzentrum, und zwar im „Wert“ von fast 250.000 Euro je Semester. So können die Studierenden dort künftig in mehr und kleineren Kursen Französisch, Spanisch oder andere Fremdsprachen lernen. Zusätzliche Mitarbeiter sollen auch in der Unibibliothek und dem Rechenzentrum dafür sorgen, dass die Service-Leistungen für die Studierenden – etwa in Form von EDV-Schulungen – weiter wachsen.

    Die Uni investiert das Geld der Studierenden aber nicht nur in Menschen, sondern auch in Sachen. Die Unibibliothek etwa bekommt Mittel, um die EDV-Arbeitsplätze besser auszustatten. Auch Bücher, Zeitschriften, Kopierer und Scanner sollen angeschafft werden. Mehrere Fakultäten wollen gemeinsam das E-Learning an der Uni voranbringen. Dafür bekommen sie gut eine viertel Million Euro im Semester.

    Von Robert Emmerich

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