piwik-script

English Intern

    Wiedersehen beim Alumni-Fest

    04.07.2008

    Sie gehörten zu den allerersten Gästen beim Alumni-Sommerfest der Uni Würzburg. Helma und Dagobert Sitter aus Kahl am Main, begleitet von Wennemar Viefhaus und seiner Frau Irmgard aus Sprockhövel, einer Stadt im Ruhrgebiet. Die beiden Männer hatten 1946, Helma Sitter ein Jahr später mit dem Zahnmedizin-Studium an der Uni Würzburg angefangen. Zum Alumnifest wollten sie sich wiedertreffen und „sehen, was bei dem Fest so Alles los ist“.

    Dagobert und Helma Sitter, Irmgard und Wennemar Viefhaus im Foyer der Sanderring-Uni. Foto Robert Emmerich
    Dagobert und Helma Sitter, Irmgard und Wennemar Viefhaus (von links): Sie sahen sich beim ersten Alumni-Sommerfest der Uni Würzburg 2008 erstmals nach langer Zeit wieder. Foto: Robert Emmerich

    Nach dem Studium hatten sich die Zahnärzte aus den Augen verloren. Dass sie sich jetzt, nach über 50 Jahren, zum ersten Mal wiedersehen, geht auf einen Zufall zurück. Mieter von Viefhaus waren vor Kurzem nach Marktheidenfeld umgezogen. Von ihren Nachbarn bekamen sie dort Gemüse geschenkt, das in Zeitungspapier gewickelt war. Darin entdeckten sie eine Anzeige des Alumni-Sommerfestes, und weil sie wussten, dass ihr früherer Vermieter in Würzburg studiert hatte, schickten sie ihm den Zeitungsausschnitt mit der Post zu.

    Daraufhin war die Lust, nach Würzburg zu fahren, für den über 80-jährigen Viefhaus offenbar groß genug. Seine Nichte recherchierte für ihn im Internet die Telefonnummer der Sitters, und nach einem Anruf in Kahl stand die Verabredung fest. „Ich bin ein Internet-Fan und habe mich dann gleich in der Alumni-Datenbank angemeldet“, sagt Dagobert Sitter.

    Beim Treffen am Freitag in der Sanderring-Uni tauschten die Zahnmediziner Erinnerungen aus. „Wir haben damals in einem Trümmerhaufen studiert“, so Sitter. „Die ersten Vorlesungen 1946 hörten wir im Keller der Alten Augenklinik am Röntgenring“, ergänzt Viefhaus. Erst als die Amerikaner ein Jahr später die Zahnklinik räumten, konnten die Studenten dorthin umziehen. Bücher habe es damals keine gegeben, und wer einen Schreibblock mit Stift sein eigen nannte, habe schon sehr viel besessen, erzählen die Männer. „Fast alle von uns waren vor dem Studium Soldaten, und wir haben den Lehrstoff aufgesaugt wie trockene Schwämme“, sagt Sitter.

    Gewohnt hätten sie damals in Massenquartieren, „mit zehn Mann in einem Labor im Physiologischen Institut“, erinnert sich Viefhaus. Helma Sitter musste mit noch mehr Kommilitoninnen auskommen, „wir waren zu dreißigst in der Mineralogie untergebracht“. „Und die Strohsäcke zum Schlafen mussten wir selbst stopfen, entsprechend war auch die Qualität“, sagt ihr Mann.

    Die beiden Ehepaare wollten am Freitag zur Eröffnung des Alumni-Festes in die Neubaukirche und danach zum Essen in die Mensa gehen. In der Burse des Studentenwerks, die Anfang 2008 zur besten Mensa Deutschlands gekürt wurde, bekamen sie mit Sicherheit bessere Kost geboten als zu ihrer Studienzeit. „Die Mädchen kochten ihr Essen damals auf Bunsenbrennern, und wir liefen vom Röntgenring über die Trümmer zum Studentenhaus, das stand noch“, erzählt Sitter. Die Verpflegungslage habe sich erst deutlich gebessert, nachdem der Schweizer Staat am Pleichertorwall neben der Anatomie eine Baracke als Mensa gebaut hatte und dann über Jahre hinweg Lebensmittel für die Studierenden spendete.

    Der Samstag steht beim Alumni-Sommerfest ganz im Zeichen der Fakultäten, die unterschiedlichste Veranstaltungen organisieren. Dass die Zahnmediziner nichts anbieten, bedauern die beiden von weit her angereisten Ehepaare. Viefhaus und seine Frau überlegen nun, die Führung durch das Zentrum für Innere Medizin mitzumachen, während die Sitters am Samstag bereits die Heimreise antreten. Ein Wiedersehen in zwei Jahren, beim nächsten Würzburger Alumni-Sommerfest, ist nicht ausgeschlossen.

    Das weitere Programm des Festes, das am Sonntagvormittag mit einem Jazz-Frühschoppen im historischen Innenhof der Alten Universität ausklingt, steht im Internet HIER.

     

     

    Von Robert Emmerich

    Zurück