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    Viel Freude am Hubland

    11.06.2007

    Vor knapp einem Jahr war Baubeginn; jetzt konnten die Verantwortlichen Richtfest feiern. Der Neubau des Instituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg am Hubland nimmt Gestalt an. Bis Studierende und Dozenten das Gebäude beziehen können, werden allerdings noch einmal rund zwei Jahre vergehen.

    Richtfest am Hubland
    Am 11. Juni war Richtfest am Hubland. Zum Sommer 2009 soll der Neubau des Instituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie bezugsfertig sein. (Foto Gunnar Bartsch)

    22 Millionen Euro wird der Neubau am Hubland am Ende gekostet haben (wenn alle Vorgaben eingehalten werden). Auf rund 3700 Quadratmetern Nutzfläche werden hier ab dem Sommersemester 2009 die drei Lehrstühle des Instituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie modernste Bedingungen für Lehre und Forschung vorfinden. Studierenden und Wissenschaftlern werden an Labortischen mit einer Gesamtlänge von rund 750 Metern nach neuesten Standards arbeiten können. Und der Umzug wird erst der Startschuss für eine ganze Kette von Sanierungsarbeiten sein, an deren Ende sämtliche Gebäude der Fakultät in neuem Glanz erstrahlen werden. Dementsprechend stolz traten denn auch jetzt die Verantwortlichen beim Richtfest in den neuen Räumen auf.

    Ein Meilenstein für Fakultät, Uni, Stadt und Land

    „Dies ist ein erster großer Baustein in dem Gesamtvorhaben ‚Sanierung der Chemie’“, sagte Baudirektor Dieter Maußner, Bereichsleiter Universitätsbau des Staatlichen Bauamtes Würzburg in seiner Begrüßungsrede. Sein Dank ging an alle am Bau Beteiligte, die dazu beigetragen hätten, „die Nutzerwünsche im Rahmen des Möglichen“ umzusetzen, insbesondere aber an die Geldgeber aus dem bayerischen Wissenschafts- und dem Finanzministerium sowie vom Bund.

    Als „wichtigen Beitrag für die Infrastruktur Bayerns“ bezeichnete Georg Schmid, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium und damit Vertreter der obersten Baubehörde, den Rohbau am Hubland. Aber auch für die Chemie – und letztendlich die gesamte Universität – sei das Haus ein „wichtiger Meilenstein“. Die Universität bekomme damit die Möglichkeit, auch weiterhin national und international an der Spitze stehen zu können.

    Würzburg ist auch international spitze

    Dass die Universität Würzburg sich tatsächlich unter die führenden Namen weltweit einreiht, erläuterte Unipräsident Axel Haase den rund 150 Gästen in seinem Grußwort. Haase zitierte als Beleg die neueste Veröffentlichung des international renommierten Shanghai-Rankings; dort finden sich unter den ersten Hundert von insgesamt 1000 Spitzenuniversitäten aller Länder dieser Erde gerade einmal sechs Vertreter aus Deutschland. „Natürlich ist Würzburg eine dieser sechs Hochschulen“, sagte der Unipräsident. Das Bauvorhaben in der Fakultät für Chemie bietet nach Haases Worten die Möglichkeit, auch weiterhin in der Forschung ganz oben zu stehen. Für die gerade laufende zweite Runde der Exzellenzinitiative sei der Neubau ein wichtiger Beitrag, schließlich verbessere er die Chance der Julius-Maximilians-Universität, das Wilhelm-Conrad-Röntgen-Forschungszentrum genehmigt zu bekommen. In diesem Zentrum sollen unter intensiver Beteiligung der Fakultät für Chemie neue Materialien mit speziell angepassten Eigenschaften entwickelt werden, beispielsweise als Bauelemente für die Informations-, Energie- und Medizintechnik.

    Gleichzeitig erinnerte Haase daran, dass im Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen an die Hochschulen auch weiterhin „alle Kräfte gebündelt und die räumlichen Kapazitäten aufgestockt“ werden müssten. Doppelte Abiturjahrgänge und steigende Studierendenzahlen würden die Verantwortlichen vor enorme Aufgaben stellen, zu deren Bewältigung nicht mehr viel Zeit bleibe. „Wir hoffen, dass wir schon bald weitere Grundsteine legen können, damit wir bis 2010 fertig sind“, sagte Haase. Denn dann könnte die Zahl der Studierenden in Würzburg binnen kurzem von jetzt 20.000 auf dann 30.000 steigen. Natürlich dankte auch Haase den Vertretern der Politik für ihre bisherige Unterstützung: „Das Richtfest heute ist der beste Beweis dafür, dass Sie uns die Werkzeuge in die Hand geben, mit denen wir im internationalen Wettbewerb bestehen können“, sagte er.

    Auf dem Weg zum Forschungsleuchtturm

    Große Freude – und ein wenig Kritik ließen die Vertreter aus der Fakultät für Chemie in ihren Grußworten anklingen. Schließlich habe er noch vor drei Jahren große Sorgen gehabt, ob die Sanierung überhaupt begonnen werde, sagte Dekan Prof. Holger Braunschweig. Erst nach langen Diskussionen sei das Vorhaben in Angriff genommen worden. Für Ulrike Holzgrabe, Inhaberin des Lehrstuhls für Pharmazeutische Chemie, sei der versprochene Neubau sogar mit ein Grund dafür gewesen, dass sie 1998 den Ruf nach Würzburg angenommen – und dafür Tübingen und Münster abgesagt – habe. „Dieser Tag heute zeigt: Es ist Verlass auf die Zusagen bayerischer Ministerien“, sagte Holzgrabe. Sowohl Holzgrabe als auch Braunschweig betonten, dass es mit Hilfe des Neubaus der Fakultät möglich sei, „Forschungsleuchtturm in Bayern und Deutschland zu werden“. Gerade die Zentrumsstruktur am Hubland biete den Wissenschaftlern die Chance auf „starke Forschung auch interdisziplinär“.

    Natürlich werden auch die Studierenden von dem Bauvorhaben profitieren: „Sie finden dann angemessene und sichere Arbeitsbedingungen an allen Instituten vor“, sagte Braunschweig. Derzeit seien 1350 Studierende im Hauptfach in den acht Studiengängen der Fakultät eingeschrieben, so der Dekan. Weitere 1000 aus anderen Fakultäten erhalten in Vorlesungen und Praktika Grundlagen der Chemie vermittelt, die sie für ihr jeweiliges Studium benötigen. „Und damit liegt ihr Zahl schon heute höher als vom Ministerium für die Zeit nach dem Umbau veranschlagt“, sagte Holzgrabe. Trotzdem waren sich beide in ihrem Urteil einig: „Das ist ein Tag der Freude“.

    Eine Kettenreaktion aus Sanierung und Umzug

    Und so, wie es derzeit aussieht, werden sie auch in den kommenden Jahren noch häufig Grund zu ähnlicher Freude haben. Schließlich wird dann sukzessive der gesamte Chemie-Komplex im Südwesten des Hubland-Campus modernisiert.

    Die Sanierung ist nötig, weil die Bauten schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben: Sie waren von 1969 bis 1972 zusammen mit der Mineralogie und dem Philosophiegebäude die ersten Institute überhaupt, die auf dem Unigelände am Stadtrand errichtet wurden.

    Der zu sanierende Komplex besteht aus den Instituten für Anorganische und Organische Chemie sowie dem Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie. Hinzu kommt das Zentralgebäude, das die einzelnen Institutsblöcke miteinander verbindet. Es beheimatet unter anderem fünf Hörsäle und 13 Praktikumssäle, die Teilbibliothek für Chemie und Pharmazie, Werkstätten sowie ein Chemikalien- und Materiallager. Das Institut für Physikalische Chemie ist von der Baumaßnahme nicht betroffen. Es wurde erst im Jahr 1997 aus der Innenstadt in einen eigenen Neubau ans Hubland verlagert.

    Wenn die Pharmazeuten und Lebensmittelchemiker die neuen Räume bezogen haben, wird ihr Altbau entkernt und saniert. Dieser Block soll im Sommer 2011 fertig sein und dann die Organische Chemie aufnehmen. Ein ganzes Stockwerk im Gebäude ist für Praktikumssäle reserviert, die sich die Chemiker mit den Pharmazeuten teilen.

    Es folgt die Entkernung und Sanierung des Instituts für Organische Chemie. Für diese Maßnahme sind wiederum zwei Jahre eingeplant. Läuft alles glatt, kann die Anorganische Chemie den renovierten Bau im Sommer 2013 mit Leben füllen. Die Sanierung dieser beiden Gebäudeteile ist auf 42 Millionen Euro veranschlagt.

    Die dann leer stehende Anorganik soll der Fakultät für Chemie und Pharmazie als Verfügungsgebäude dienen. Der letzte Baustein im Sanierungsplan ist die Modernisierung des Zentralgebäudes Chemie. Dafür wurde bislang aber noch kein Bauantrag gestellt, mit einem Baubeginn ist frühestens 2015 zu rechnen.

    Von Gunnar Bartsch

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