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    Uni und Unterfranken vereint im Zentrum für Regionalforschung

    06.06.2006

    Forschungsergebnisse, die für Unterfranken von Bedeutung sind, sollen künftig noch besser für die Entwicklung der Region und ihrer Gemeinden nutzbar gemacht werden. Dies ist ein Ziel, das sich das an der Uni Würzburg gegründete Zentrum für Regionalforschung (ZfR) gesetzt hat.

    Als Vorstandssprecher wurde Professor Jürgen Rauh gewählt: "Wir wollen innerhalb der Universität die Zusammenarbeit zwischen Fächern intensivieren, die an regionalwissenschaftlichen Fragen arbeiten", sagte der Geograph bei einem Pressegespräch. Zum Konzept gehört außerdem die Kooperation mit außeruniversitären Einrichtungen in der Region.

    Ein Schwerpunkt soll dabei die "Inwertsetzung" von Forschungsergebnissen mit regionalem Bezug sein. Das Zentrum unterstützt daher die Akteure aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung beispielsweise bei der Durchführung von struktur- und prozessanalytischen Forschungsprojekten, bei Prognosen und Szenarien sowie bei Folgenabschätzungen für die Regionalpolitik. So hat zum Beispiel die Stadt Lohr (Main-Spessart) gemeinsam mit der IHK angefragt, ob eine Struktur- und Image-Analyse erarbeitet werden kann.

    Solche und andere Projekte können beispielsweise im Rahmen von Seminar- oder Diplomarbeiten realisiert werden. Also profitieren auch die Studierenden von der Einrichtung des Zentrums, weil dieses künftig verstärkt praxisbezogene Aspekte und berufsqualifizierende Aufgaben in die Lehre einfließen lässt.

    Ein erstes Projekt des ZfR hat unter der Federführung von Jürgen Rauh und Ralf Klein begonnen: In Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung sowie mit Bürgermeistern und engagierten Bürgern wird für zehn Gemeinden im südlichen Landkreis Hassberge ein integriertes ländliches Entwicklungskonzept erarbeitet. Mit dabei sind die Orte Breitbrunn, Ebelsbach, Eltmann, Kirchlauter, Knetzgau, Oberaurach, Rauhenebrach, Sand am Main, Stettfeld und Zeil am Main. Bei dem interkommunalen Projekt geht es insbesondere um eine Konzeptentwicklung mit anschließenden Maßnahmen vor allem in den Bereichen Verkehr und Infrastruktur, Siedlungsstruktur, Landschaft und Flächennutzung sowie Freizeit, Tourismus und Kultur.

    Mit dem Zentrum soll nach außen auch vermittelt werden, dass die Universität keine "abgehobene" Institution, sondern ein durchaus handfester Dienstleister für die Region ist, so Professor Ulrich Ante. In diesem Zusammenhang ist unter anderem auch über ein Projekt nachzudenken, bei dem die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Uni für die Region umfassend analysiert werden kann.

    Ziel ist es aber nicht nur, die Angewandte Forschung in der Region zu bündeln, sondern auch die regionalwissenschaftliche Grundlagenforschung stärker zu vernetzen. Potenziale bieten hierbei zum Beispiel das bestehende Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für fränkische Landesgeschichte mit dem Archäologischen Spessart-Projekt (Aschaffenburg) zur Erforschung der Kulturlandschaft Spessart oder die vom Lehrstuhl für Volkskunde aus BR-Filmen der Nachkriegszeit erstellte Filmdatenbank. Deren Reportagen und Dokumentationen zu kulturhistorisch-volkskundlichen und kulturwissenschaftlich relevanten Themen können inhaltsanalytisch für die regionalwissenschaftlich arbeitenden Disziplinen eine große Datenquelle bieten. Ein großes Potenzial wird schließlich ein aus den verschiedenen Disziplinen mit Daten gespeistes Geographisches Informationssystem darstellen.

    Dem Zentrum für Regionalforschung gehören bisher Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter aus Geographie, Geschichte, Volkswirtschaft, Soziologie und Ethnologie/Volkskunde an. Der gewählte Vorstand besteht neben Rauh aus den Professoren Ulrich Ante (Geographie), Christoph Daxelmüller (Europäische Ethnologie/Volkskunde), Helmut Flachenecker (Fränkische Landesgeschichte) und Jürgen Kopf (Volkswirtschaft).

    Für die Akteure von außerhalb der Uni ist eine so genannte assoziierte Mitgliedschaft vorgesehen. Rauh ist stolz darauf, dass dem Zentrum derzeit schon ein Dutzend unterfränkische Städte (Alzenau, Aschaffenburg, Elsenfeld, Gemünden am Main, Goldbach, Karlstadt, Kitzingen, Lohr am Main, Marktheidenfeld, Miltenberg, Ochsenfurt, Würzburg) und Landkreise (Schweinfurt), die Regierung von Unterfranken, das Amt für ländliche Entwicklung, der Bayernhafen Aschaffenburg und die IHK Würzburg-Schweinfurt als assoziierte Mitglieder verbunden sind.

    Bei der Planung und Durchführung der regionalwissenschaftlichen Forschungsprojekte wird der Vorstand von einem Beirat unterstützt. Das Zentrum versteht sich laut Rauh nicht als geschlossene Gesellschaft. Vielmehr stehe es weiteren Interessierten aus der Universität und von außen offen.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Jürgen Rauh, T (0931) 888-5559, Fax (0931) 888-5556, E-Mail:
    juergen.rauh@mail.uni-wuerzburg.de

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