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    Tonnenweise Literatur für den Kongo

    01.08.2007

    Ein großer Überseecontainer, zwölf Meter lang und versiegelt, geht vom Würzburger Universitätscampus auf eine weite Reise. Beladen ist er mit über 20.000 Büchern und Fachzeitschriften, verpackt in 520 Umzugskartons auf 24 Paletten – Gesamtgewicht 25 Tonnen! Ziel ist der Seehafen Matadi an der Mündung des zentralafrikanischen Flusses Kongo. Von dort reist die Literatur aus Würzburg per Lastwagen weiter in die kongolesische Hauptstadt Kinshasa, in die frisch renovierte Bibliothek der Universität.

    Die Bücher für die Uni Kinshasa wurden am Hubland verladen. Universitätspräsident Axel Haase (links) brachte seine Bücherspende persönlich vorbei und überreichte sie dem Organisator der Sammlung, Gerhard Bringmann (Mitte). Im Container die Mitarbei
    Die Bücher für die Uni Kinshasa wurden am Hubland verladen. Universitätspräsident Axel Haase (links) brachte seine Bücherspende persönlich vorbei und überreichte sie dem Organisator der Sammlung, Gerhard Bringmann (Mitte). Im Container die Mitarbeiter der Organischen Chemie (von links) Matthias Fromm, Stefanie Schmitt, Markus Braun und Frank Meyer. Foto: Robert Emmerich

    Beladen wurde der Container am Institut für Organische Chemie. Dort hatte Professor Gerhard Bringmann die Literaturspenden gesammelt und verpacken lassen. Auch Universitätspräsident Axel Haase steuerte einige Bücher bei, um auf diese Weise auch Bringmanns Engagement für die afrikanische Hochschule zu würdigen. Seine Spende überbrachte er persönlich vor Ort, als die Bücher verladen wurden.

    2003 hatte Bringmann einen Kooperationsvertrag mit der Uni Kinshasa initiiert, 2005 überreichte er dort am Rande der von ihm organisierten ersten Chemietagung 366 Bücher als Spende. 2006 dann, bei der 50-Jahrfeier der Uni Kinshasa, waren es schon 1.336 Bücher, die Bringmann mitbrachte. Und nun also 25 Tonnen! Der Professor dankt unter anderem der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Max-Planck-Gesellschaft sowie den vielen weiteren Spendern aus der Uni Würzburg, vor allem aus der Neurologischen Klinik und dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie. Sein Dank geht auch an die Würzburger Geographische Gesellschaft für die organisatorische Hilfe, an die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für die finanzielle Unterstützung und an den Technischen Betrieb der Universität, insbesondere an Markus Braun und Matthias Fromm aus der Werkstatt der Organischen Chemie für ihre tatkräftige Hilfe.

    Wo genau die Reise hingeht? Kinshasa ist die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. An der dortigen Universität wurde jüngst die große Bibliothek renoviert: „Blitzblanke neue Regale – und noch leer bis auf wenige schon vorhandene Bücher und jene, die wir in den vergangenen Jahren gesammelt haben“, so Bringmann. Durch die erneute Spende werde Kinshasa künftig die größte Fachbibliothek in Zentralafrika haben.

    Die Professoren Virima Mudogo (Vizepräsident), Dibungi Kalenda (Leiter des Departments für Pharmazie) und Okuma Kasende (Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät) von der Uni Kinshasa – sie alle waren des Öfteren zu Gast an der Uni Würzburg und sind Kooperationspartner des hiesigen Sonderforschungsbereichs 630 (Erkennung, Gewinnung und funktionale Analyse von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten) – haben angekündigt, dass die vielen Bücher gewissenhaft geordnet, inventarisiert und in einer großen Datenbank registriert werden. Dadurch stehen sie auch den anderen kongolesischen Universitäten zur Verfügung, außerdem den Universitäten der Nachbarländer.

    So sollen die Bücher zum Beispiel auch Wissenschaftlern an der Universität Kampala in Uganda zugänglich werden, mit denen derzeit ein Forschungsnetzwerk Würzburg-Kinshasa-Kampala-Paris aufgebaut wird. Dabei geht es um die Erforschung und Nutzbarmachung der „Volksmedizin“ von Schimpansen und Bonobos. Auch bei der für 2009 geplanten großen panafrikanischen Naturstoffchemie-Tagung in Kinshasa sollen die Bücher genutzt werden. Bringmann kündigte an, in den kommenden Jahren weitere Büchersammlungen zu organisieren.

    Kontakt: Prof. Dr. Gerhard Bringmann, T (0931) 888-5323, bringman@chemie.uni-wuerzburg.de

     

     

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