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    Teilchenphysiker schmieden Allianz

    15.05.2007

    Auf völlig neue Einblicke in den Aufbau der Materie und in den Ursprung des Weltalls hoffen die deutschen Physiker, die sich jetzt zu einer Allianz zusammengefunden haben: Drei große Forschungseinrichtungen und 17 Hochschulen, darunter auch die Universität Würzburg, sind daran beteiligt. Die Wissenschaftler wollen im internationalen Streben um die Erforschung der Elementarteilchen eine noch stärkere Rolle übernehmen. Für dieses Projekt hat der Senat der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren heute 25 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre bewilligt.

    Erstellt wurde der Projektvorschlag „Helmholtz-Allianz – Physik an der Teraskala“ unter Federführung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY. Diese Einrichtung will zusammen mit dem Forschungszentrum Karlsruhe, dem Max-Planck-Institut für Physik in München und den beteiligten Universitäten die Kompetenzen bündeln und technologische Entwicklungen vorantreiben. Dabei agieren die Deutschen in einem internationalen Verbund, der an weltweit einmaligen Teilchenbeschleunigern wie dem Large Hadron Collider bei der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN in Genf sowie am geplanten Internationalen Linearcollider forscht, ebenfalls in Genf.

    „Das Projekt ist ein Modellbeispiel für die nachhaltige Vernetzung von Expertise. Die Partner repräsentieren die gesamte Teilchenphysik-Gemeinschaft Deutschlands mit national und international führenden Experten. Die vorgeschlagenen Strukturen für Nachwuchsgruppen und Zeitprofessuren sind sehr überzeugend. Das Auswahlgremium war einhellig von dem Vorschlag begeistert“, sagt Professor Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

    Während des Förderzeitraums werden aus Allianzmitteln über 50 Stellen für Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker geschaffen. Insbesondere Nachwuchswissenschaftler sollen durch die Leitung eigener Forschungsgruppen und die Aussicht auf eine Festanstellung eine interessante Perspektive in der Teilchenphysik geboten bekommen.

    Die Universität Würzburg ist durch den Lehrstuhl für Theoretische Physik II in dem Zusammenschluss der Forscher vertreten. Lehrstuhlinhaber Professor Reinhold Rückl: „Die Aufnahme in diese einzigartige Allianz bedeutet für uns die Anerkennung der in Würzburg vorhandenen Kompetenz auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik. Wir tragen dazu bei, den Wissenschaftsstandort Würzburg national und international noch besser sichtbar zu machen. Und wir positionieren den Lehrstuhl hervorragend für die wissenschaftlichen Herausforderungen der Large-Hadron-Collider-Ära.“

    Die Forschung an Rückls Lehrstuhl wird im Rahmen der Helmholtz-Allianz durch die Schaffung einer zusätzlichen Stelle für einen Wissenschaftler weiter gestärkt. Die Projekte des Professors und seiner Mitarbeiter werden außerdem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. An der Fakultät für Physik und Astronomie pflegen Rückl und sein Team enge Kooperationen mit der Astroteilchenphysik und der Kosmologie im Rahmen eines von der DFG geförderten Graduiertenkollegs. „Die Verbindung von Mikrokosmos und Makrokosmos ist eine der faszinierendsten und vielversprechendsten Entwicklungen und könnte unser Verständnis der physikalischen Welt in den kommenden Jahren revolutionieren“, schwärmt der Würzburger Physiker.

    Das neue Netzwerk soll die Zusammenarbeit der Universitäten und Forschungseinrichtungen auf den Gebieten der Datenanalyse und der Entwicklung neuer Technologien verbessern. Insbesondere wird die Entwicklung neuer IT-Strukturen sowie neuer Detektor- und Beschleunigertechnologien gefördert, die für eine nachhaltige Entwicklung der Teilchenphysik von zentraler Bedeutung sind. Die an den Forschungsstandorten vorhandene Infrastruktur wird vernetzt und soll allen Partnern zur Verfügung stehen.

    Physik an der Teraskala

    Der Large Hadron Collider (LHC) am CERN, ein dieses Jahr in Betrieb gehender Teilchenbeschleuniger, und der geplante Internationale Linearcollider (ILC) werden mit bisher unerreichten Energien zur Erforschung der Physik an der Teraskala beitragen (ein Tera-Elektronenvolt ist der Energiebereich, den die Forschung dort erschließen wird). Mit diesen Großgeräten erhoffen sich Wissenschaftler Erkenntnisse über den Ursprung und die Wirkungsweise unserer Welt. Mit den Ergebnissen von LHC und ILC könnten Antworten gefunden werden auf Fragen nach dunkler Materie, dunkler Energie oder dem Ursprung der Masse. Den bereits an den Projekten beteiligten Instituten (DESY, Forschungszentrum Karlsruhe, den Universitäten Aachen, Berlin, Bonn, Dortmund, Dresden, Freiburg, Gießen, Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Mainz, München (LMU), Rostock, Siegen, Würzburg, Wuppertal und, als assoziierter Partner, dem Max-Planck-Institut für Physik in München) wird mit der Helmholtz-Allianz mehr Sichtbarkeit gegeben.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Reinhold Rückl, T (0931) 888-5878, rueckl@physik.uni-wuerzburg.de

    Von Robert Emmerich

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