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    Tatort Anatomie

    14.08.2015

    Der Franken-Tatort hat die Universität Würzburg erreicht: Momentan laufen im Institut für Anatomie und Zellbiologie unter strengster Geheimhaltung die Dreharbeiten für die nächste Folge. Viel Geduld und Akribie sind dabei von allen Beteiligten gefordert.

    Die Tatort-Kommissare Felix Voss (gespielt von Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) im Haupteingang des Anatomischen Instituts.
    Die Tatort-Kommissare Felix Voss (gespielt von Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) im Haupteingang des Anatomischen Instituts.

    Mittwochnachmittag im Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Würzburg: In einem Flur im ersten Stock geht eine Putzfrau ihrer Arbeit nach. Aus dem Hintergrund nähern sich Stimmen; plötzlich biegen die Hauptkommissare Paula Ringelhahn und Felix Voss um die Ecke, begleitet von einer Assistentin der Institutsleiterin Professor Magdalena Mittlich. Wenige Schritte nachdem sie an der Putzfrau vorbei sind, endet ihr Gespräch. „Aus. Danke. Wir gehen nochmal auf Anfang“, ruft Regisseur Andreas Senn durch den Flur.

    Ein Tatort – drei Fälle

    Seit Sonntag dreht die Firma Claussen und Putz im Auftrag des Bayerischen Rundfunks in den Räumen des Anatomischen Instituts die zweite Folge des Tatorts aus Franken. Der Krimi trägt den Titel „Das Recht sich zu sorgen“ und soll im Frühjahr 2016 zu sehen sein. Diesmal bekommen es die Ermittler mit gleich drei Fällen zu tun. Der erste spielt rund um ein Gasthaus in einem Dorf im Umland von Nürnberg. Der zweite auf dem Jakobsplatz vor dem Nürnberger Polizeipräsidium – und der dritte an der Universität Würzburg. Hier entdeckt ein Doktorand in der Knochensammlung des Anatomischen Instituts einen Schädel, der nicht zu dem restlichen Skelett passt, mit dem er einsortiert wurde, und der außerdem deutlich jünger ist als in den Leichenpapieren steht.

    An diesem Nachmittag spielt der Schädel bei den Dreharbeiten allerdings keine Rolle. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen vielmehr die Bewegungen der Putzfrau. Mal sind sie dem Kameramann zu stark und lenken seiner Meinung nach vom eigentlichen Geschehen ab; mal fordert Andreas Senn, „dass es ein bisschen körperlich ist mit dem Putzen“.

    Mehrmals wird die wenige Sekunden lange Szene geprobt, bis Regisseur und Kameramann zufrieden sind; knapp eine Stunde dauert es, bis die Aufnahme „im Kasten“ ist. Nahtlos schließen sich die nächsten Proben an. Jetzt läuft ein Doktorand im weißen Kittel in der entgegengesetzten Richtung durch die Flur und grüßt die Putzfrau freundlich.

    Pro Tag entstehen wenige Minuten Film

    Drei bis fünf Minuten sendefähiger Film entstehen auf diese Weise an einem Drehtag, der zehn Stunden und mehr dauern kann. Für eine Fernsehproduktion sei das das übliche Pensum, erklärt der Aufnahmeleiter. Fast 50 Leute arbeiten daran, dass die Aufnahmen im Institut möglichst nach Plan über die Bühne gehen – acht Schauspieler, drei Komparsen und 35 Teammitglieder, die sich um das gesamte Drumherum kümmern.

    Im Innenhof des Psychologischen Instituts auf der gegenüber liegenden Straßenseite haben sie ihr Lager aufgeschlagen. Hier können sich die Schauspieler zwischen den Aufnahmen in einem Wohnwagen ausruhen, dort sind Garderobe, Maske und Catering untergebracht. Unter einem Sonnensegel bügelt bei 34 Grad im Schatten eine Garderobiere eine Bluse und hängt sie anschließend sorgfältig auf einem Kleiderständer auf.

    Auf dem Parkplatz zwischen Anatomie und Physiologie reiht sich Lkw an Lkw, vollbeladen mit Scheinwerfern, Stativen, Aufhellern und ähnlichem technischen Gerät. Der Schatten, den die Fahrzeuge spenden, ist an diesem heißen Nachmittag ein beliebter Aufenthaltsort für die Techniker zwischen den Einsätzen.

    Mehr als ein Jahr Vorbereitungszeit

    Vor über einem Jahr hat die Redakteurin  Stephanie Heckner mit der Autorin Beate Langmaack und der Produzentin Uli Putz zum ersten Mal Kontakt mit Professor Süleyman Ergün aufgenommen. Ergün ist Vorstand des Instituts für Anatomie und Zellbiologie und stand der Idee, seine Räume für Tatort-Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen, nicht ablehnend gegenüber.

    Natürlich gab es bei der Vorbereitung viele Fragen zu klären – angefangen von den Räumen, in denen gedreht werden sollte, über die Details, die dort zu sehen sind, bis hin zum Zeitraum. Am Ende war klar: „Es werden Dreharbeiten in den Sektionsräumen stattfinden, aber auf eine sehr rücksichtsvolle Art und Weise. Und von den Körperspendern werden selbstverständlich keine Filmaufnahmen gemacht“, berichtet Ergün.

    Klar war auch, dass die Dreharbeiten nur zu einer Zeit stattfinden konnten, zu der der Lehrbetrieb nicht eingeschränkt würde. Das hieß für die Produktionsfirma: Abwarten, bis die letzte Physikumsprüfung abgenommen worden war. Erst danach konnte es losgehen. Als „sehr erfreulich“ bezeichnet Ergün die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma und dem Drehteam.

    Begeistert von dem Gebäude

    Ein Kompliment, das die Filmemacher direkt zurückgeben. „Die Erzählungen von Professor Ergün waren überaus inspirierend. Sie begeisterten auch unseren Regisseur Andreas Senn. Er verstand sofort, warum wir in diesen Räumen unbedingt drehen wollten“, erzählt Beate Langmaack.

    Albert Koelliker, von 1849 bis 1903 Professor für Anatomie an der Universität Würzburg, hatte den Neubau initiiert; 1883 wurde das Gebäude bezogen. Mit seinen wandhohen Fenstern bietet es Wissenschaftlern und Studierenden noch heute ideale Lichtbedingungen bei ihren anatomischen Studien.

    Wissenschaftliche Beratung aus dem Institut

    Ergüns Mitarbeiterin Dr. Maike Veyhl-Wichmann hat das Team wissenschaftlich beraten und steht auch während der Dreharbeiten mit Rat und Expertise zur Seite. Sie hat beispielsweise schon frühzeitig darauf geachtet, dass im Drehbuch die Fachterminologie stimmt. Jetzt erklärt sie den Schauspielern, wie sie ein Skalpell richtig halten und wohin sie deuten müssen, wenn sie von einem bestimmten Fußwurzelknochen sprechen. Und nicht zuletzt sorgt sie dafür, dass die Tische im Seziersaal exakt so stehen, als würde hier ein realer Kurs stattfinden. „Schließlich sollen die Aufnahmen aus klinischer Sicht so authentisch wie möglich sein“, sagt sie.

    Mehrere tausend Menschen haben sich für eine Statistenrolle in dem neuen Franken-Tatort beworben. Eine Begeisterung, für die der Producerin Amelie Syberberg nur das Wort „Wahnsinn“ einfällt. Ein wenig Sorge bereitet ihr diese Form des fränkischen Patriotismus allerdings auch. Immerhin muss sie unter anderem darauf achten, dass Beobachter oder Beteiligte bei den Dreharbeiten nicht Fotos machen und in ihrer Begeisterung im Netz veröffentlichen, die zu viele Details der Handlung verraten. Schließlich soll bis zur Ausstrahlung im kommenden Frühjahr geheim bleiben, was die drei Fälle miteinander verbindet und wer dahinter steckt. Trotzdem gefällt ihr die Begeisterung in Franken für den Heimat-Tatort. „So sollte es eigentlich überall sein“, sagt sie.

    Ein Doktorand als Komparse

    Einer, der es geschafft hat, eine der begehrten Komparsenrollen zu ergattern, ist Maximilian Rückert. Im wahren Leben promoviert er gerade an der Universität Würzburg im Fach Geschichte. Jetzt darf er als Präparatorengehilfe im Tatort sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen.

    Zu der Rolle ist er durch einen Zufall gekommen: „Ich war eigentlich als ‚Passant mit Auto‘ gebucht“, berichtet er. Dann stellte sich allerdings beim ersten Probentermin heraus, dass dem ursprünglichen Präparatorengehilfen die zugedachten Kleidungsstücke nicht passten. Weshalb nun Maximilian Rückert in blauem Kittel und Hose im Anatomischen Institut sitzt und auf seinen Einsatz wartet. Wenn es soweit ist, wird er noch eine Schürze tragen, an einem Stahltisch stehen und eine Leiche mit einer Alkohollösung besprühen. Text muss er dafür nicht lernen. Viel Warterei sei mit dem Komparsen-Job verbunden, und reich werde man damit auch nicht, sagt der Doktorand. Trotzdem: „Es geht um den Spaß, man sollte es olympisch nehmen: Dabei sein ist alles!“

    Und während Maximilian Rückert auf seinen Einsatz wartet, ist aus dem ersten Stock des Anatomischen Instituts erneut die Stimme von Regisseur Andreas Senn zu hören. Wieder heißt es: „Ruhe bitte. Ton ab. Und Set!“


    Mehr Informationen und Bilder

    Tatort-Blog des BR

    Main-Post Würzburg

    Weitere Bilder

    Von Gunnar Bartsch

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