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    Space Master starten durch

    28.09.2007

    Die Stimmung war blendend, die Gesichter strahlten, beim gemeinsamen Hochwerfen der Hüte kam Jubel auf: Deutlich war den jungen Leuten anzumerken, dass sie an ihrer Graduierungsfeier richtig Spaß hatten. Teils von weit her waren die Space-Master-Absolventen in die Würzburger Residenz gekommen. Sie alle dürfen sich mit Recht als Pioniere bezeichnen – denn vor zwei Jahren waren sie die ersten überhaupt, die an der Universität Würzburg den europäischen Master-Studiengang für Weltraumforschung und -technik begannen.

    Hoch die Hüte! Der erste Space-Master-Jahrgang feierte den Abschluss in der Residenz. Foto: Robert Emmerich
    Hoch die Hüte! Der erste Space-Master-Jahrgang feierte den Abschluss in der Residenz. Foto: Robert Emmerich

    Programmkoordinator Sven Molin von der Universität Lulea (Schweden) hob bei der Feier hervor, dass in dem Studiengang „Studierende aus 21 Ländern intensiv zusammengearbeitet und mit großer Motivation die anspruchsvollen Vorlesungen in bis zu drei europäischen Ländern absolviert haben“. Junge Fachkräfte, die in Sachen Weltraumtechnik interdisziplinär und international ausgebildet wurden, seien stark nachgefragt – laut Molin daran zu sehen, dass den 39 Absolventen interessante Stellenangebote aus der ganzen Welt vorliegen. So können die Space Master nun in den Beruf durchstarten.

    Zur Feier waren 24 Absolventen gekommen, bekleidet mit schwarz-goldenen Roben, aber auch viele Dozenten und Studierende. Manche scheuten dafür keine Mühen: Eine Gruppe hatte sich von Kiruna in Nordschweden aus auf den langen Weg nach Franken gemacht – mit dem Auto. Mitten im Trubel, beim Sektempfang nach der Feier im Toscanasaal, steht Hannes Filippi. Auch der Südtiroler hatte vor zwei Jahren mit dem Space Master in Würzburg begonnen. Sein Rückblick auf das Studium: „Das ist eine supergute Möglichkeit!“ Obwohl der Studiengang ein Riesenprojekt mit vielen Beteiligten sei, habe es an allen Stationen Leute gegeben, die sehr viel Engagement zeigten, damit Alles reibungslos funktioniert.

    Ein Riesenprojekt – da hat der 29-Jährige Recht: Das erste Semester findet an der Universität Würzburg statt, unter anderem mit Vorlesungen über Weltraumphysik und die Konstruktion von Raumsonden. Für das zweite Semester wechseln alle Studierenden auf den Weltraum-Campus der Universität Lulea in Kiruna. Dort liegen die Schwerpunkte auf Messinstrumenten und Elektroniksystemen für die Raumfahrt. Im zweiten Studienjahr können sich die Studierenden dann spezialisieren und dazu an eine von insgesamt sechs Partneruniversitäten gehen: Zur Auswahl stehen Cranfield (England), Toulouse (Frankreich), Prag (Tschechien), Helsinki (Finnland), Lulea (Schweden) und Würzburg.

    Die Vorlesungen werden durch Ingenieurprojekte ergänzt, in denen die Studierenden in Teamarbeit beispielsweise einen Mini-Satelliten in einer Getränkedose zur Charakterisierung der Erdatmosphäre realisieren. Während sie das Gerät im ersten Semester in Würzburg entwickeln, können sie es anschließend in Kiruna auf Höhenforschungsballons testen, die bis zu 20 Kilometer nach oben steigen. Im dritten Semester dann lassen sich diese Arbeiten mit dem Bau von Kleinsatelliten fortsetzen, die weniger als ein Kilogramm wiegen. Der erste dieser Satelliten, der Universität Würzburg Experimentalsatellit UWE-1, ging im Oktober 2005 in den Orbit. Dort untersuchte er die Parameteranpassung in Internet-Protokollen an Weltraumverhältnisse – lange Verzögerungen und häufige Störungen sind dort problematisch. Die dabei erzielten Ergebnisse brachten den Würzburger Studierenden mehrere Auszeichnungen auf internationalen Fachkonferenzen ein.

    Über die künftigen Entwicklungen berichtet Professor Klaus Schilling von der Universität Würzburg: „Der neue Jahrgang der Space Master wird in diesem Winter in Würzburg an der Realisierung eines fortschrittlichen, miniaturisierten Lagebestimmungs- und Borddatenverarbeitungssystem für UWE-2 arbeiten. Dieser Satellit soll Anfang 2008 startbereit sein.“ Die Verbindung von Vorlesungen mit derart herausfordernden Realisierungsaufgaben sei ein wesentlicher Ausbildungsansatz im Programm Space Master. Die Studierenden eignen sich dabei Fähigkeiten in Systemanalyse und -design an, die nach Aussage von Schilling sehr gut zu den Anforderungsprofilen der Industrie passen – und das weit über die Raumfahrtindustrie hinaus. „So war es keine Überraschung, dass an der Graduierungsveranstaltung auch mögliche industrielle Arbeitgeber teilnahmen und Kontakt mit den Absolventen aufnahmen“, freut sich der Würzburger Professor.

    Den Mienen nach zu urteilen dürfte es den Firmenvertretern auf der Feier mindestens so gut gefallen haben wie den Studierenden. Um es mit deren Worten zu sagen: „Die Mischung aus Kultur, Aktivität und Feier war der perfekte Abschluss“ – das hat Space-Master-Student Thomas Ott von den anderen gehört. Die Absolventen trafen sich nämlich nicht nur zur Feier in der Residenz, sondern unternahmen auch einen Ausflug in das Weinbau- und Künstlerdorf Sommerhausen bei Würzburg. Dort bekamen sie eine Führung durch die mainfränkischen Weinberge. Auch eine Weinprobe stand auf dem Programm.

     


    Zum Space-Master-Programm:

    Für das zweijährige Master-Programm in englischer Sprache können sich Studierende einschreiben, die einen sehr guten Bachelor- oder Ingenieur-Abschluss in einer naturwissenschaftlichen Disziplin haben. Die Fachrichtung spielt dabei keine Rolle. Die Europäische Union fördert den Studiengang „Space Master – Master in Space Science and Technology“ in ihrem Elite-Programm Erasmus Mundus. Mehr über den Studiengang gibt es im Internet hier: www.spacemaster.se

    Von Robert Emmerich

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