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    So werden die Studienbeiträge verteilt

    23.01.2007

    Die Studierenden in Bayern müssen ab dem Sommersemester Studienbeiträge bezahlen. An der Uni Würzburg werden pro Semester 500 Euro fällig. „Wofür wird unser Geld verwendet?“ Das wollten viele der rund 200 Studierenden wissen, die am Montagabend zur uniweiten Vollversammlung gekommen waren.

    Foto von Studierenden mit Demobannern
    Gegen die Studienbeitraege wurde mehrfach demonstriert, so wie hier in der Sanderring-Uni im September 2006. Foto: Robert Emmerich

    Viel Konkretes erfuhren sie aber nicht im Audimax am Sanderring – dafür fand die Versammlung, einberufen von der Studierendenvertretung, einfach zu früh statt. Noch haben nicht alle zuständigen Gremien der Uni entschieden, wie sie mit Hilfe der Studienbeiträge die Lehre verbessern wollen. Fest steht aber, dass die Studierenden in diesen Gremien paritätisch vertreten sind. Fest steht auch, wie das Geld innerhalb der Hochschule verteilt wird. Das hat die Universität in einer Satzung festgelegt, die im Internet veröffentlicht ist (zur Satzung).

    Bei 20.000 Studierenden kann theoretisch mit 20 Millionen Euro Studienbeiträgen pro Jahr gerechnet werden. Die wirkliche Summe wird aber geringer ausfallen, denn die Satzung sieht eine Reihe von Gründen vor, weshalb Studierende von der Zahlung ausgenommen werden können. Keine Beiträge zahlen beispielsweise Studierende mit Kindern unter zehn Jahren oder mit behinderten Kindern. Wer zwei oder mehr Geschwister hat, für die die Eltern Kindergeld erhalten, wer schwerbehindert oder chronisch krank ist, wird ebenfalls von der Beitragspflicht befreit.

    Zehn Prozent für den Sicherungsfonds

    „Wir erwarten Einnahmen von 13,5 Millionen Euro, aber das ist eine vorsichtige Schätzung“, so Heidi Mikoteit-Olsen, die als Kanzlerin für die Finanzen der Uni zuständig ist. Was passiert dann mit den Beiträgen? Zuerst einmal müssen die bayerischen Hochschulen zehn Prozent davon in den so genannten Sicherungsfonds des Freistaates abgeben. Dieses Geld dient der Absicherung der Banken, bei denen Studierende zur Finanzierung der Studienbeiträge einen Kredit aufnehmen und ihn später nicht zurückzahlen können. So mancher Beitragszahler hält die zehnprozentige Abgabe für sehr hoch – eine Einschätzung, die auch Unipräsident Axel Haase teilt. Gegen den Sicherungsfonds haben Studierende bayernweit geklagt: www.gebuehrenklage.de

    Vom übrigen Geld behält die Universität einen geringen Anteil für den Verwaltungsaufwand, der durch die Studienbeiträge neu entsteht – sie muss das Geld verwalten, Befreiungsanträge bearbeiten und mehr. Laut Heidi Mikoteit-Olsen wird der Verwaltungsanteil voraussichtlich bei drei Prozent liegen.

    Fakultäten entscheiden selbst

    Der Rest wird innerhalb der Uni nach einem festen Schlüssel verteilt. 65 Prozent davon bekommen die Fakultäten direkt zugewiesen. Je mehr Studierende eine Fakultät hat und je größer ihre Lehrleistung ist, umso mehr Geld bekommt sie. Die Fakultäten setzen Kommissionen ein, die paritätisch mit Studierenden und Lehrenden besetzt sein müssen. Die Kommissionen machen dem Fakultätsrat Vorschläge zur Verwendung des Geldes.

    „Aus den Fakultäten habe ich bisher verschiedene Konzepte gesehen“, sagte Haase: Da sollen Seminare verkleinert und die Prüfungsvorbereitung verbessert werden. Andere wollen Lehr- und Lernmaterialien anschaffen oder Lehrmanager einstellen, die sich um die Organisation der Studiengänge kümmern. Aber noch weiß niemand, wie viel Geld letzten Endes zur Verfügung steht, noch haben nicht alle Fakultäten ihre Konzepte fertig. Die Hochschulleitung will sich hier nicht groß einmischen. Wohl aber werde sie überprüfen, ob die Projekte der Fakultäten auch wirklich einer Verbesserung der Lehre dienen, kündigte Haase an.

    Um die restlichen 35 Prozent der Studienbeiträge können sich die Fakultäten und außerdem die Unibibliothek, das Rechenzentrum, die Zentralverwaltung sowie das Zentrum für Sprachen und Mediendidaktik bewerben. Ihre Konzepte müssen dann von der „Präsidialkommission Studienbeiträge“ positiv begutachtet werden. Diese Kommission tagt voraussichtlich Anfang Februar – darum sind Angaben über die Verwendung des 35-Prozent-Anteils derzeit nicht möglich.

    In der Präsidialkommission sitzen pro Fakultät je ein Vertreter der Studierenden und der Lehrenden. Mit ausschließlich beratender Stimme dabei sind außerdem die Frauenbeauftragte und je ein Vertreter der Unibibliothek, des Rechenzentrums, der Zentralverwaltung sowie des Zentrums für Sprachen und Mediendidaktik. Der für Studium und Lehre zuständige Vizepräsident, der Archäologe Professor Ulrich Sinn, leitet die Kommission.

    Beratung beim Studentenwerk - Stipendien

    500 Euro pro Semester. Diese zusätzliche Belastung bedeutet für viele Studierende, dass sie die Finanzierung ihres Studiums neu planen müssen. Michael Ullrich, Geschäftsführer des Studentenwerkes, informierte darum bei der Vollversammlung über die Serviceleistungen, die sein Haus hierzu anbietet. Unter anderem beraten seine Mitarbeiter Studierende über die verschiedenen Kreditangebote der KfW-Bank, zum Beispiel an einem Info-Stand im Foyer der Stadtmensa. Mehr Informationen dazu: www.studentenwerk-wuerzburg.de

    Auch Stipendien sind eine Möglichkeit der Studienfinanzierung. Darüber sprach Stefan Menth von der Bayerischen Elite-Akademie. Er machte allen Studierenden Mut, sich um Stipendien zu bemühen, denn die Chancen auf Erfolg stünden nicht schlecht: „Wer sich bewirbt, hat die schwierigste Hürde schon genommen!“ Sein Vortrag, mit vielen Links zu Stipendienangeboten und Stiftungen, ist über die Homepage der Studierendenvertretung hier abrufbar.

    Einem Stipendium gleich kommt es, wenn Studierende aufgrund ihrer besonders guten Leistungen von den Beiträgen befreit werden. An der Uni Würzburg hat es die Hochschulleitung den einzelnen Fakultäten überlassen, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen: „Manche Fakultäten wollen einem bestimmten Prozentsatz ihrer besten Studierenden die Beiträge erlassen, andere wollen das gar nicht. Die sind der Meinung, dass die Besten in der Regel Stipendien bekommen und dann doppelt gefördert würden. Es gibt auch die Idee, Studierende mit besonderem sozialen Engagement von den Beiträgen zu befreien“, informierte der Unipräsident. Wegen dieser stark unterschiedlichen Ansätze habe es die Hochschulleitung vorgezogen, diese Art der Beitragsbefreiung nicht zentral zu regeln.

    Von Robert Emmerich

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