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    Sanierung am Wittelsbacherplatz geht weiter

    07.07.2008

    Besonders die Studierenden haben in den vergangenen Jahren immer wieder öffentlich ihren Unmut über die Zustände im Universitätsgebäude am Wittelsbacherplatz geäußert. Wegen der Raumnot dort sprachen sie von Käfighaltung. Sie beklagten, dass die Hörsäle vom Mobiliar und der Technik her veraltet sind. Und sie verstanden nicht, warum der Freistaat Bayern zwar Geld für Neubauten in den Naturwissenschaften und der Medizin bereitstellte, nicht aber für die Sanierung eines besonders heruntergekommenen Gebäudeteils am Wittelsbacherplatz.

    Neue und alte Teile des Unigebäudes am Wittelsbacherplatz.
    Neu neben alt: Der linke Bauteil gehört zu den bereits sanierten Teilen des Unigebäudes am Wittelsbacherplatz. Der rote Backsteinbau ist der Theatertrakt, der jetzt abgebrochen wird. Ihm schließt sich der ocker verputzte Hörsaaltrakt an, dessen Abriss voraussichtlich 2011 folgt. Foto: Gunnar Bartsch

    Zwar wurden weite Bereiche des Gebäudes bereits renoviert, doch wegen fehlender staatlicher Mittel konnte die Universität nicht alle nötigen Baumaßnahmen angehen. Dieser Zustand neigt sich jetzt aber seinem Ende zu: Am Montag, 14. Juli, wird mit dem Abbruch des so genannten Theatertrakts begonnen. Dieser marode rückwärtige Teil des Universitätsgebäudes beherbergte bislang Arbeits- und Seminarräume, die Soziologie sowie Fachschaft und Dekanat der Philosophischen Fakultät II, die mit rund 3.500 Studierenden der zweitgrößte Fachbereich der Uni ist. All diese Nutzer sind innerhalb des Hauses umgezogen; die nötigen Räume wurden durch den Auszug der Musikpädagogik und der Katholischen Religionspädagogik frei.

    Der „Theatertrakt“ wird so genannt, weil er dem Würzburger Stadttheater von 1948 bis 1966 als Spielstätte diente. Das Landesamt für Denkmalpflege hat wegen des Abbruchs keine Bedenken geäußert. An Stelle des alten Baus entsteht voraussichtlich ab Februar 2009 ein Neubau mit zwei Hörsälen und einer zentralen Teilbibliothek. Durch die Zusammenlegung der bisherigen Teilbibliothek mit den bislang noch vorhandenen Lehrstuhlbibliotheken wird Raum gewonnen. Dieser erste Bauabschnitt soll 2011 beendet sein, in dem Jahr also, in dem der doppelte Abiturjahrgang an den Hochschulen erwartet wird.

    Beim Pressegespräch (von links): Kanzler Uwe Klug, Gerald Langer und Dieter Maußner vom Staatlichen Bauamt, Sonderpädagogik-Studentin Susanne Kunz, Prodekan Jörg Klawitter und Vizepräsident Georg Kaiser. Foto: Robert EmmerichBeim Pressegespräch (von links): Kanzler Uwe Klug, Gerald Langer und Dieter Maußner vom Staatlichen Bauamt, Sonderpädagogik-Studentin Susanne Kunz, Prodekan Jörg Klawitter und Vizepräsident Georg Kaiser.

    Vertreter der Hochschulleitung, der Fakultät, des Staatlichen Bauamtes und der Studierenden bezogen am Montag bei einem Pressetermin vor Ort Stellung zu den geplanten Maßnahmen. Demzufolge beginnt der zweite Bauabschnitt voraussichtlich im Jahr 2011. Dann werden die zwei bisherigen Hörsäle abgerissen und ebenfalls durch einen Neubau ersetzt. Der ist vorgesehen für das Magazin der Teilbibliothek sowie für Büroflächen und Arbeitsplätze für Bibliothekare und Verwaltung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich 2012 beendet sein.

    Die Baukosten für beide Bauabschnitte sind auf insgesamt 10,5 Millionen Euro veranschlagt und werden vom Freistaat Bayern getragen. Der stellt außerdem für energietechnische Maßnahmen weitere 520.000 Euro für das Haus am Wittelsbacherplatz zur Verfügung. Verwendet wird das Geld für Dämmungsmaßnahmen am Dach und für den Austausch alter Fenster, die noch keine Isolierverglasung besitzen. Diese Arbeiten sind bereits angelaufen und sollen im Sommer 2009 beendet sein.

    Die Renovierung des Gebäudes am Wittelsbacherplatz, in dem vorwiegend Lehrer für Grund-, Haupt, Real- und Förderschulen sowie für Gymnasien ausgebildet werden, läuft seit 1977. Unter anderem wurde seitdem das Dach mit Schiefer neu eingedeckt. Die Fassade wurde verputzt, die Innenräume wurden zum Großteil renoviert. Alles in allem sind seit 1977 bereits mindestens sieben Millionen Euro in das Gebäude investiert worden.

    Zur Geschichte des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz

    • Der schlossartige Prachtbau aus der Gründerzeit, fast 200 Meter lang, mit architektonischen Rückgriffen auf das Barock, wurde am 1. Oktober 1898 als Königliches Schullehrer-Seminar in völlig unbebauter Umgebung eröffnet.
    • 1935-1937: Neubau eines Traktes am Südflügel mit zwei Hörsälen für 250 und 400 Hörer
    • 1938: Bau zweier großer Turnhallen mit Nebengebäuden
    • 1945 besetzten die Amerikaner das Gebäude
    • 1948: Die Turnhallen werden Sitz des Stadttheaters. Dieses blieb dort bis 3.12.1966, dem Vortag der Einweihung des neuen Stadttheaters am heutigen Platz.
    • 1970 bis 1980: Schwebezustand – Sanierung des Altbaus oder ein Neubau am Hubland? Die Unentschlossenheit in dieser Frage ging zu Lasten des Altbaus, da viele baulich nötige Dinge nicht in Angriff genommen wurden.
    • Ab 1983: Elektroanlagen und Heizung werden saniert, Räume umstrukturiert. 1991 Einrichtung des CIP-Pools, 1990 Verlagerung des Dekanats vom Hubland an den Wittelsbacherplatz. Mit Beginn der 1990er-Jahre Dachdeckung mit Schiefer und Verputzarbeiten, Sanierung der Deckenstatik, 1995 Einbau eines Aufzugs, zugleich Renovierung der Innenräume.

    Quelle: „Lehrerbildung in Würzburg. 100 Jahre Lehre und Forschung am Wittelsbacherplatz“, Erich Hußlein, Lothar Katzenberger, Wolfgang Schneider (Hrsg.), Würzburg 1998, ISBN 3-923959

    Kein wirkliches Schmuckstück: Der Eingang zum "Theatertrakt".

    Hier wurde nach dem Krieg Theater gespielt.

    Überbleibsel im Theatertrakt. Fotos (4): Robert Emmerich

    Von Robert Emmerich

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