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    Präsident informierte über Studienbeiträge

    19.06.2008

    Rund 6,8 Millionen Euro an Studienbeiträgen hat die Universität Würzburg in diesem Sommersemester eingenommen. Wie das Geld verteilt und wofür es eingesetzt wird, darüber informierte Universitätspräsident Axel Haase in einer öffentlichen Veranstaltung des Studentischen Konvents vor 50 Zuhörern. Aus deren Reihen kam auch deutliche Kritik an den Studienbeiträgen generell.

    30 Prozent der Studierenden der Uni Würzburg müssen keine Studienbeiträge bezahlen: hier sind die Gründe für die Befreiung von der Zahlungspflicht dargestellt. Grafik: Matthias Reiber

    Die bayerischen Hochschulen müssen seit dem Sommersemester 2007 Studienbeiträge einziehen; an der Uni Würzburg sind pro Semester 500 Euro fällig. Bezahlen muss aber nicht jeder: Rund 30 Prozent der insgesamt 20 000 Würzburger Studierenden sind automatisch oder auf einen Antrag hin von der Beitragspflicht befreit, wie Haase informierte. Dabei handelt es sich zu über 50 Prozent um Studierende, die aus kinderreichen Familien stammen. Rund 300 Studierende (fünf Prozent) müssen nicht bezahlen, weil sie selbst Kinder erziehen.

    Von den 6,8 Millionen Euro muss die Uni drei Prozent an den Sicherungsfonds des Freistaates Bayern abführen. Dieser dient der Absicherung von Banken – falls Studierende, die zur Finanzierung der Studienbeiträge einen Kredit aufnehmen, später in Rückzahlungsschwierigkeiten geraten. Das bayerische Studienbeitragsdarlehen der KfW-Förderbank können Studierende über die Universitäten beantragen. An der Uni Würzburg wurde es bislang von 720 Studierenden in Anspruch genommen.

    Von der verbleibenden Summe gehen 2,6 Prozent an die Univerwaltung, das sind pro Semester 175.000 Euro. Damit wird der Verwaltungsaufwand abgedeckt, der durch die Einführung der Studienbeiträge neu entstanden ist: Die Beschäftigten der Verwaltung müssen die Anträge auf Befreiung von den Studienbeiträgen prüfen und bearbeiten sowie die Kreditanträge abwickeln.

    65 Prozent der restlichen Summe gehen dann an die zehn Fakultäten, die eigenständig über die Verwendung des Geldes entscheiden. 35 Prozent sind für zentrale, fakultätsübergreifende Projekte vorgesehen. In jedem Fall sind die Kommissionen, die über die Verwendung der Studienbeiträge beraten, zur Hälfte mit Studierenden besetzt. Für welche Zwecke das Geld ausgegeben wird, ist auf speziellen Informationsseiten der Verwaltung nachzulesen. Dort findet jeder Interessierte zudem alle Zahlen, die der Unipräsident in der öffentlichen Informationsveranstaltung am 17. Juni 2008 im Studentenhaus präsentiert hat: Hier klicken!

     

     

    Grafik: Matthias Reiber

    Schaubild aus der Präsentation des Präsidenten. Grafik: Matthias Reiber 

    Zum Teil legen auch die Fakultäten im Internet offen, wie sie die Studienbeiträge verwenden. Die Hochschulleitung wird voraussichtlich noch im Sommer einen ersten Bericht über die uniweite Verwendung der Studienbeiträge vorlegen.

    Fragen und Kritik der Studierenden

    Auf diesen Bericht sind manche Studierende offenbar sehr gespannt. „Wenn zum Beispiel die Unibibliothek vom Freistaat keine jährlichen Sondermittel mehr bekommt und das Loch dann aus den Studiengebühren stopft – kann man auch so etwas aus dem Bericht herauslesen?“, wollte ein Student wissen. Er wurde enttäuscht, denn laut Haase wird in dem Bericht ausschließlich stehen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Hintergrundinformationen seien nicht enthalten.

    Nach dem Bayerischen Hochschulgesetz kann jede Universität entscheiden, ob sie zusätzlich zu den ohnehin von den Beiträgen befreiten Studierenden weitere zehn Prozent für besondere Leistungen von der Zahlungspflicht ausnimmt. Dass die Uni Würzburg von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch macht, missfällt vielen Studierenden. Der Präsident verwies darauf, dass dies im Senat vor der Einführung der Studienbeiträge zwar diskutiert, aber aus guten Gründen schließlich nicht befürwortet worden sei.

    Kritik gab es an der Art und Weise, wie über die Verwendung der Studienbeiträge beschlossen wird. Denn die Kommissionen, die zur Hälfte mit Studierenden besetzt sind, geben nur Empfehlungen ab. Die Entscheidungen dagegen fallen in den Fakultätsräten, in denen die Studierenden in Unterzahl vertreten sind, oder aber in der Hochschulleitung, sofern es um den 35-Prozent-Anteil geht – und diese Gremien können sich über das Votum der Kommissionen hinwegsetzen. Hierzu stellte der Präsident fest, dass sich die Leitung der Universität bislang nur ein einziges Mal nicht an die Empfehlung der Kommission gehalten habe. Es sei dabei um eine deutliche Verbesserung des Service für die Studierenden gegangen, um nur zwei Personalstellen mit einem Finanzvolumen von weniger als einem Prozent der gesamten Studienbeiträge.

    Für Unmut sorgen auch die Beiträge, die der Verwaltung zugute kommen: „Wir bezahlen jedes Semester eine Verwaltungsgebühr von 50 Euro. Dann gehen 2,6 Prozent unserer Studiengebühren an die Verwaltung, und vom 35-Prozent-Anteil dann noch einmal 17 Prozent. Wie teuer ist diese Verwaltung eigentlich?“, fragte ein Teilnehmer. Wie Haase erklärte, sind die 50 Euro eine vom Freistaat Bayern eingeführte Zwangsabgabe, welche die Universität komplett beim Finanzministerium abliefern muss. Mit den 2,6 Prozent werde der Verwaltungsaufwand abgedeckt, der durch die Einführung der Studienbeiträge neu entstanden ist (siehe oben). Die 17 Prozent schließlich fließen in die Studentenabteilung, kommen dort unter anderem dem Ausbau der Studienberatung, der Erweiterung von Online-Diensten sowie der Qualität der Lehre zugute.

    Bis ins Jahr 2003 zurück hatte ein Student recherchiert, der eine damals von Haase getroffene Aussage zitierte: „’Ich halte die Einführung von Studienbeiträgen nur dann für sinnvoll, wenn sie zu 100 Prozent der Verbesserung der Lehre dienen und mit einem Stipendienwesen verknüpft werden’ – das haben Sie damals gesagt. Wie würden Sie den Satz heute formulieren?“ Der Aufbau eines Stipendiensystems sei immer noch nötig, so der Präsident daraufhin. Aber eine Universität alleine könne das nicht schultern, vielmehr müsse diese Aufgabe bayernweit angegangen werden. „Mein Ziel einer Verbesserung der Qualität der Studienbedingungen, ausgehend vom vorherigen Niveau, ist erreicht. Studienbeiträge sind dringend notwendig. Ohne sie wären die Studienbedingungen nicht auf einem guten Niveau zu halten“, so der Präsident.

    Von Robert Emmerich

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