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    Pilzinfektion: In den Genen liegt das Risiko

    12.02.2014

    Infektionen mit Schimmelpilzen sind eine gefürchtete Komplikation bei Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem. Ein international zusammengesetztes Team hat jetzt gezeigt, dass Veränderungen im Erbgut das Risiko für solch eine Infektion erhöhen. Daran beteiligt waren auch Würzburger Forscher.

    Die rasterelektronenmikroskopische Aufnahme zeigt mit 4000-facher Vergrößerung in der Mitte eine menschliche Immunzelle. Grün eingefärbt zu sehen ist ein Aspergillus-Keimling. (Foto: AG Löffler)
    Die rasterelektronenmikroskopische Aufnahme zeigt mit 4000-facher Vergrößerung in der Mitte eine menschliche Immunzelle. Grün eingefärbt zu sehen ist ein Aspergillus-Keimling. (Foto: AG Löffler)

    Starker Husten, hohes Fieber: Zeigen Patienten auf einer hämatologisch-onkologischen Krankenstation solche Symptome, sorgt das regelmäßig für Unruhe unter den behandelnden Ärzten. Zumindest so lange bis klar ist, dass sich dahinter keine lebensbedrohliche Pilzinfektion verbirgt. Aspergillus fumigatus heißt der Pilz, der von Medizinern wie Patienten gleichermaßen gefürchtet ist. Er infiziert ausschließlich Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Beispielsweise weil sie an AIDS erkrankt sind, bei einem Krebsleiden einer Ganzkörperbestrahlung ausgesetzt werden, oder weil auf einer hämatologischen Station vor einer Stammzell-Transplantation ihre Immunabwehr künstlich unterdrückt wird.

    Hat sich der Pilz erst einmal im Körper festgesetzt, spricht der Mediziner von einer Aspergillose. Die Krankheit ist gefürchtet, ist sie doch einerseits schwer zu diagnostizieren und andererseits schwer zu behandeln. Etwa jeder Zehnte erkrankt zurzeit nach neuesten Untersuchungen in Deutschland nach einer allogenen, das heißt mit fremden Spenderzellen durchgeführten Stammzelltransplantation an dieser Infektion – und 40 bis 60 Prozent der Betroffenen sterben trotz Behandlung daran.

    Forschung an 600 Patienten

    Wissenschaftler aus vier Ländern – Deutschland, Italien, Portugal und Belgien – konnten jetzt nach Untersuchungen an 600 Patienten zeigen, dass bestimmte Menschen ein erhöhtes Risiko tragen, an solch einer Infektion zu erkranken. Die Forschungsergebnisse sind soeben in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine erschienen. Daran beteiligt waren auch Professor Jürgen Löffler und sein Team an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg. Löffler ist Leiter des Labors für Molekularbiologie, Infektiologie und Immungenetik an der Medizinischen Klinik II. Der Biologe hat schon seine Doktorarbeit über den Schimmelpilz geschrieben; seitdem beschäftigt er sich intensiv mit Infektionen durch Schimmelpilze und deren Behandlung.

    Eine Mutation schwächt das Immunsystem

    „Wir haben entdeckt, dass bestimmte Veränderungen im Erbgut des Menschen ein Risikofaktor für das Auftreten dieser Pilzinfektion darstellen“, erklärt Löffler das zentrale Ergebnis dieser Studie. Die Zellen der Betroffenen würden als Konsequenz der Mutationen deutlich geringere Mengen einer bestimmten Eiweiß-Struktur namens „Pentraxin-3“ produzieren, was wiederum zu einer verringerten Immunabwehr führen könne. „Die Aufgabe von Pentraxin 3 ist es, Krankheitserreger, die in den menschlichen Körper eindringen, zu markieren“, so der Biologe. Damit erleichtern sie den Immunzellen ihre Arbeit; diese können den unerwünschten Eindringling besser erkennen und schneller vernichten. Fehlt es an Pentraxin 3, tut sich auch das Immunsystem schwerer, seine Aufgabe zu erledigen.

    „Mittels einer individuellen Analyse des Erbgutes gefährdeter Patienten könnten in Zukunft möglicherweise solche Patienten, die genetisch gesehen ein hohes Risiko für diese Pilzinfektion haben, schnell und einfach identifiziert werden“, sagt Löffler. Als Konsequenz der Untersuchungen könnten diese Patienten intensiv überwacht werden und im Fall einer Infektion frühzeitig eine Therapie gegen diese Schimmelpilze erhalten.

    Die Arbeiten wurden im Rahmen der Forschungsverbünde „ERANET PathoGenoMics aspBIOmics“, „Aspergillus – Individual Risk Stratification (AspIRS)“ und dem TransRegio 124 „Pathogenic fungi and their human host: Networks of interaction“ durchgeführt.

    Cunha et al., Genetic PTX3 deficiency and aspergillosis in stem-cell transplantation, New England Journal of Medicine 2014, 370: 421 - 432

    Kontakt

    Prof. Dr. Jürgen Löffler, T: (0931) 201 36412; E-Mail: loeffler_j@ukw.de

     

    Von Gunnar Bartsch

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