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    Neues Zentrum für Digital Humanities

    31.10.2014

    Am 1. Oktober hat das neue Digital-Humanities-Zentrum „Kallimachos“ an der Universität Würzburg seine Arbeit aufgenommen. Es führt Geisteswissenschaftler, Informatiker und Bibliothekare zusammen und wird mit rund 2,1 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert.

    Gebäude der Würzburger Universitätsbibliothek. (Foto: Uni Würzburg)
    Aus der Würzburger Universitätsbibliothek stammt die Initiative für das neue Digital-Humanities-Projekt Kallimachos. (Foto: Uni Würzburg)

    Digital Humanities, zu Deutsch „digitale Geisteswissenschaften“, ist ein junges, interdisziplinäres Fach der Geistes- und Kulturwissenschaften. Es zeichnet sich durch die Anwendung computergestützter Verfahren und den systematischen Einsatz digitaler Ressourcen aus. Typische Arbeits- und Forschungsfelder sind zum Beispiel digitale Editionen von Büchern, quantitative Textanalysen, Visualisierung komplexer Datenstrukturen oder die Theorie digitaler Medien.

    An der Universität Würzburg beschäftigen sich seit längerer Zeit zahlreiche Initiativen und Projekte mit den innovativen Aufgabenfeldern der Digital Humanities. Besonders aktiv ist dabei der Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte unter Federführung von Professor Fotis Jannidis. Bei ihm wurde zum Beispiel in diesem Jahr mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die e-humanities-Nachwuchsgruppe „Computergestützte literarische Gattungsstilistik“ eingerichtet.

    Initiative der Universitätsbibliothek

    Nun gibt es an der Universität ein Großprojekt der Digital Humanities: Zum 1. Oktober 2014 startete unter dem Namen „Kallimachos“ ein vom BMBF gefördertes Vorhaben, an dessen Ende die Etablierung eines Digital-Humanities-Zentrum mit den Schwerpunkten digitale Edition und quantitative Analyse stehen soll. Kallimachos war im dritten Jahrhundert vor Christus Bibliothekar in der berühmten Bibliothek von Alexandria und Verfasser der ersten wissenschaftlichen Bibliothekskataloge.

    Die Initiative für das Projekt ging von der Universitätsbibliothek aus, bei der nun auch die Projektleitung liegt. Das BMBF fördert „Kallimachos“ in den kommenden drei Jahren mit rund 2,1 Millionen Euro. Im Antragsverfahren hat sich die Universität gegen mehr als 70 Mitbewerber durchgesetzt. Im Erfolgsfall kann das Projekt um zwei Jahre verlängert werden. Es stellt auch eine langfristige Neuausrichtung der Universitätsbibliothek für die infrastrukturelle Unterstützung der geisteswissenschaftlichen Forschung dar.

    Ziele des Kallimachos-Projekts

    Der Schwerpunkt des Kallimachos-Projekts liegt auf digitaler Edition und Textmining. In einer Kooperation von Geisteswissenschaftlern, Informatikern und Bibliothekaren soll eine technische und soziale Infrastruktur entstehen, die Geisteswissenschaftler bei der Beantwortung von Forschungsfragen unterstützt.

    Als technische Grundlage dafür werden zunächst Open-Source-Komponenten entwickelt, die in vorhandene Infrastrukturen zu integrieren sind. Zudem gilt es, prototypische Arbeitsabläufe zu etablieren, in deren Mittelpunkt die Anwendung quantitativer Verfahren in allen Aspekten und Stadien des digitalen Textes und in der kompletten Prozesskette textwissenschaftlicher Forschung steht.

    Regelmäßige Workshops werden im Projekt für beständigen Informationsaustausch und Technologietransfer sorgen. Bei den Veranstaltungen wird interessierten Geisteswissenschaftlern und insbesondere auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs gezeigt, wie sich digitale Texte zur Bearbeitung von Forschungsfragen verwenden lassen. Dabei sollen die Teilnehmer methodisch, technisch und organisatorisch unterstützt werden.

    Namen der Projektpartner

    Projektleitung: Dr. Karl H. Südekum, Dr. Hans-Günter Schmidt, Universitätsbibliothek. Projektpartner: Prof. Dr. Brigitte Burrichter, Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus, Prof. Dr. Michael Erler, Dr. Holger Essler, Prof. Dr. Joachim Hamm, Prof. Dr. Dag Nikolaus Hasse, Prof. Dr. Andreas Hotho, Prof. Dr. Fotis Jannidis, Prof. Dr. Frank Puppe, Dr. Christof Schöch, Dr. Ina Katharina Uphoff, alle von der Universität Würzburg, sowie Prof. Dr. Andreas Dengel, DFKI Kaiserslautern (OCR-Spezialist) und Prof. Dr. Stefan Evert (Korpuslinguist), FAU Erlangen-Nürnberg.

    Kontakt

    Dr. Karl H. Südekum, Leiter der Universitätsbibliothek Würzburg, T (0931) 31-85942, karl.suedekum@bibliothek.uni-wuerzburg.de

    Zur Homepage des Projekts: www.kallimachos.de

    Von Robert Emmerich

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