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    Neues Bauen in alter Umgebung

    19.07.2010

    Richtfest am Wittelsbacherplatz: Einst standen hier die Schauspieler des Würzburger Stadttheaters auf der Bühne; jetzt wächst an der Stelle ein Neubau der Uni in die Höhe. Zwei Hörsäle und eine Teilbibliothek werden dort unterkommen.

    Richtfest für den Neubau des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz. Foto: Gunnar Bartsch
    Richtfest für den Neubau des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz. Foto: Gunnar Bartsch

    Es ist bereits das zweite Richtfest, das die Universität Würzburg in diesem Jahr feiern konnte: Ende März wurde die Richtkrone am Neubau des Hörsaalgebäudes am Hubland in die Höhe gezogen. Jetzt war der Neubau am Wittelsbacherplatz dran – die lang ersehnte Erweiterung für das Gebäude der Philosophischen Fakultät II, dem Ort, an dem die Uni vorwiegend Lehrer für Grund-, Haupt, Real- und Förderschulen sowie für Gymnasien ausbildet.

    Und eigentlich hätte schon längst ein drittes Richtfest gefeiert werden können, wie Baudirektor Dieter Maußner vom Staatlichen Bauamt Würzburg in seiner Begrüßung sagte: Für das Praktikumsgebäude am Hubland. Dieses Fest sei jedoch „aus Kapazitätsgründen“ ausgelassen worden. Es finden derzeit einfach „zu viele Baumaßnahmen“ an der Universität Würzburg statt, so Maußner.

    Platz für Hörsäle, Bibliothek und Cafeteria

    Eine „grundlegende Verbesserung der räumlichen Strukturen am Wittelsbacherplatz“ wird der Neubau für die Studierenden und die Dozenten vor allem der Philosophischen Fakultät II bringen, sagte Maußner. Dort entstehen eine zentrale Teilbibliothek und zwei Hörsäle mit jeweils 288 Sitzplätzen. Beide Hörsäle werden medientechnisch so ausgestattet, dass dort in Zukunft elektronische Prüfungen stattfinden können. Dafür hat die Fakultät mit Zustimmung der Studierenden 130.000 Euro als Ausfallbürgschaft aus Studienbeiträgen zur Verfügung gestellt, wie Prodekan Professor Andreas Dörpinghaus in seinem Grußwort sagte.

    14,2 Millionen Euro kostet das Bauvorhaben am Wittelsbacherplatz. Es gliedert sich in zwei Bauabschnitte. Der erste, für den jetzt Richtfest gefeiert wurde, beherbergt die Bibliothek, die Hörsäle und eine Cafeteria auf dem Dach. Er soll im Februar 2011 beendet sein, so dass Studierende und Dozenten die neuen Räume schon im folgenden Sommersemester erstmals nutzen können – rechtzeitig also für den doppelten Abiturjahrgang, der 2011 an den Hochschulen erwartet wird.

    Nächster Bauabschnitt kommt bald

    Ab Mitte 2011 werden im zweiten Bauabschnitt die zwei alten Hörsäle abgerissen und ebenfalls durch einen Neubau ersetzt. Dieser ist vorgesehen für das Magazin der Teilbibliothek; außerdem wird er Büroflächen und Arbeitsplätze für Bibliothekare und Verwaltung beherbergen. Die gesamte Baumaßnahme wird voraussichtlich im September 2012 abgeschlossen. Die Baukosten trägt der Freistaat Bayern.

    Festrede des Regierungspräsidenten

    Als „gelungenes Beispiel für neues Bauen in alter Umgebung“, bezeichnete Regierungspräsident Paul Beinhofer das Gebäude in seiner Festansprache. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach beweise, dass auch ökologische Aspekte bei der Planung berücksichtigt wurden. Sie soll pro Jahr 16.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Auch sei großer Wert auf Barrierefreiheit gelegt worden: Rollstuhlfahrer können sämtliche Räume problemlos erreichen; für Sehbehinderte wird es ein extra Leitsystem geben.

    Grußwort des Unipräsidenten

    Für Unipräsident Alfred Forchel markiert das Richtfest einen „wesentlichen Schritt in der Weiterentwicklung der Philosophischen Fakultät II und damit der gesamten Universität“. Die Uni demonstriere damit ihren Willen, die Lehrerbildung weiter nach vorne zu bringen. Rund 6000 Studierende sind derzeit in Würzburg für einen Lehramtsstudiengang eingeschrieben; diese benötigen eine „exzellente Ausbildung“, so Forchel. Nötig dafür seien gute Dozenten – „die haben wir“ – und der entsprechende Raum – „den schaffen wir“. Weitere Maßnahmen werden folgen, versprach der Unipräsident.

    Gratulation der Stadt Würzburg

    Die Grüße und die Glückwünsche der Stadt überbrachte Bürgermeister Adolf Bauer. Auch für Würzburg sei der Neubau von großer Bedeutung: „Wenn die Stadt zukunftsfähig sein soll, muss die Uni zukunftsfähig gemacht werden“, so Bauer. Der Ausbau trage seinen Teil dazu bei.

    Geschichte des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz

    Der schlossartige Prachtbau aus der Gründerzeit wurde am 1. Oktober 1898 als Königliches Schullehrer-Seminar in völlig unbebauter Umgebung eröffnet. Er ist fast 200 Meter lang und zeigt architektonische Rückgriffe auf das Barock. Zwischen 1935 und 1937 entstand ein neuer Trakt am Südflügel mit zwei Hörsälen für 250 und 400 Hörer; 1938 folgte der Bau zweier großer Turnhallen mit Nebengebäuden. 1945 besetzten die Amerikaner das Gebäude.

    1948 wurden die Turnhallen Sitz des Stadttheaters. Dieses blieb dort bis zum 3. Dezember 1966, dem Vortag der Einweihung des neuen Stadttheaters am heutigen Platz. Zwischen 1970 und 1980 befand sich das Haus in einer Art Schwebezustand. Da unklar war, ob die Philosophische Fakultät II einen Neubau auf dem Campus am Hubland erhalten würde, wurde an dem Gebäude am Wittelsbacherplatz baulich nur wenig unternommen.

    Erst ab 1983 konnte wichtige Arbeiten in Angriff genommen werden: Elektroanlagen und Heizung weuden saniert, Räume umstrukturiert. 1991 bekam das Haus einen CIP-Pool, 1990 zog das Dekanat dort ein. Weitere Bauarbeiten folgten in den 1990er-Jahren.

    Von Gunnar Bartsch

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